Filmfestspiele

70. Berlinale widmet ihre Retrospektive Regisseur King Vidor

Im Jubiläumsjahr ehrt das Filmfestival einen der ganz großen Regisseure des klassischen Hollywood. Und zeigt 35 seiner 50 Filme.

Großes Ausstattungskino voller Massenstatisterie: „Krieg und Frieden“ (1956) mit Mel Ferrer.

Großes Ausstattungskino voller Massenstatisterie: „Krieg und Frieden“ (1956) mit Mel Ferrer.

Foto: Picture Alliance/L Everett Collection

Noch ist nicht absehbar, welche Entwicklung die Berlinale unter dem neuen Programmleiter Carlo Chatrian nehmen wird. Das neue Auswahlkomitee ist zwar aufgestellt, muss jetzt aber erst mal Filme sichten. Dafür hat das Filmfestival – das nächstes Jahr sehr spät, vom 20. Februar bis zum 1. März, stattfinden wird – am Mittwoch schon einmal verraten, was das Thema der Retrospektive sein wird.

Und das ist vielleicht schon ein Signal. In den vergangenen Jahren gab es eher themenartige Retros, etwa über Technicolor, Deutschland 1966 in Ost und West oder, wie in diesem Jahr, über Perspektiven von Filmemacherinnen. Themen, die immer spezieller, aber auch beliebiger wurden und nicht immer auf das ganz große Interesse stießen.

Einer der vielseitigsten Regisseure der Traumfabrik

2020, im Jahr Eins unter der neuen Leitung und im Jahr 70 des Festivals, wird es dagegen wieder eine ganz klassische Personal-Retrospektive geben: über King Vidor (1894-1982), einen der ganz großen Regisseure der klassischen Hollywood-Ära.

Der gebürtige Texaner ist fast zeitgleich mit dem Film geboren, verdiente sich bereits als Jugendlicher erste Cents mit dem Abreißen von Kinotickets und zog schließlich nach Los Angeles, um sich in den Filmstudios langsam nach oben zu dienen.

Seinen Durchbruch erlebte er 1925 mit „The Big Parade“, dem ersten kritischen Film über den Ersten Weltkrieg. In seinen frühen Werken nahm sich Vidor oft sozialkritischen Stoffen wie in „Mensch in der Masse“ (1928) an. Seinen ersten Tonfilm „Hallelujah“ besetzte er 1929, auch das eine radikale Novität, ausnahmslos mit schwarzen Schauspielern.

Chronist von 50 Jahren Amerika

Später machte er vor allem mit großen Starproduktionen, vornehmlich des neu gegründeten MGM-Studios, von sich reden: vom berühmten Western „Duel in the Sun“ (1946), in dem Jennifer Jones und Gregory Peck sich buchstäblich zu Tode lieben, bis zum Monumentalfilm „Krieg und Frieden“ (1956).

Vidor entwickelte seine Kunst in allen Genres und arbeitete dabei mit den größten Sars zusammen. Von seinen 50 Filmen zeigt die Berlinale 35 – in bestmöglicher Qualität. „Anhand von King Vidors Werk lässt sich nicht nur die Geschichte Hollywoods über 50 Jahre hinweg nachvollziehen“, so Rainer Rother, der künstlerische Leiter der Deutschen Kinemathek und damit auch der Berlinale, „sondern auch die der Vereinigten Staaten in jenem Zeitraum.“ Das verspricht mal wieder eine etwas, pardon, publikumswirksame Retro.