Musik

„Ich bin doch nicht Barbara Schöneberger!“

Eigentlich kennt man den in Berlin lebenden Elias Hauck als Cartoonisten. Nun ist ein Musikalbum von ihm erschienen. Ein Gespräch

Musiker und Cartoonist: Elias Hauck in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg.

Musiker und Cartoonist: Elias Hauck in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg.

Foto: jörg Krauthöfer

Im bekanntesten Witz des Cartoonisten-Duos Hauck & Bauer sitzen Mutter und Vater in der Elternsprechstunde. Der Lehrer sagt: „Nun, Ihr Kind ist nicht hochbegabt. Sie sind nur beide sehr, sehr dumm.“ Mit solchen und ähnlichen Einfällen machen Hauck & Bauer schon seit einigen Jahren auf sich aufmerksam und haben schon viele Preise gewonnen. Elias Hauck, der die Einfälle zu Papier bringt, macht außerdem sehr hörenswerte Musik, die jetzt unter dem Titel „top 10“ erschienen ist (zu hören bei Spotify und Amazon Music).

Berliner Morgenpost: Herr Hauck, jetzt auch noch Musik? Was soll das?

Elias Hauck Nicht „jetzt auch noch“, ich bin doch nicht Barbara Schöneberger! Ich mache immer wieder Musik – wenn’s passt oder ich die Zeit dazu finde. Mittlerweile seit über 20 Jahren, und aus dem Stoff hat Martin Hossbach jetzt ein Best-of, also seine „Top 10“ zusammengestellt. Martin Hossbach kennt man als musikalischen Berater von Maren Ade, der Regisseurin von „Toni Erdmann“.

Sie sind ein preisgekrönter Zeichner und der Berliner Teil des Duos „Hauck und Bauer“, dem auch Dominik Bauer angehört. Die Reichen, Schönen und Dummen fürchten Ihren Strich. Ist Musikmachen damit vergleichbar?

Ganz im Ernst: Ja. Wobei ich jetzt nicht genau weiß, ob ein Klaus Wowereit zum Beispiel meinen musikalischen Strich fürchtet, aber ich habe ihn gefragt, ob er in meinem nächsten Musikvideo zum Song „Charlotte“ mitspielen möchte.

Worum geht es da?

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit im Jahr 1997. Klaus Wowereit ist zu Gast in der Kochsendung „Alfredissimo“ und bäckt dort einen Kuchen namens Charlotte Lorraine, ich habe mir diese Sendung damals wahnsinnig gerne angeschaut! Jedenfalls am Ende der Folge konnte man dann immer dem WDR einen an sich selbst adressierten Rückumschlag schicken, wenn man das Rezept zugeschickt bekommen wollte. Nicht jedoch im Falle Wowereits und der Charlotte! Dieses Rezept hält der WDR geheim. Verrückt, oder? Meines Wissens das erste Lied, das sich mit dieser Thematik beschäftigt und bestimmt auch das einzige Lied, in dem ein adressierter Rückumschlag eine Rolle spielt.

Ging es da nicht um eine Zubereitung aus 250 Gramm Löffelbiskuits, zwei Gläsern Sauerkirschen, acht Zentilitern Kirschwasser, einem Kilo Quark und 500 Gramm Crème Fraiche?

Das klingt schon ziemlich genau nach dieser Charlotte, ja! Das genaue Rezept werden wir aber nie erfahren. Das ist doch das Schöne an Geheimnissen!

Was?

Na, dass sie Geheimnisse bleiben.

Stimmt. Hat Wowereit auf Ihre Anfrage geantwortet?

Die Mail wurde innerhalb weniger Minuten an ihn weitergeleitet, ja. Aber seitdem Schweigen. Ähnlich wie die WDR-Geschichte also! Mittlerweile hoffe ich sogar, er sagt ab, sonst muss ich dieses Video mit ihm auch noch drehen.

Wie meinen Sie das? Sie meinten doch eben noch...

Ja, schon! In der Fantasie ist das bestimmt alles ganz witzig, mit dem ehemaligen Bürgermeister zusammen einen Kuchen zu backen. Ja, haha. Aber muss man denn alles auch wirklich erlebt haben?

Nein!

Sehen Sie. Man kann es sich doch denken, wie wir am Ende zusammen Bier aus Gummistiefeln trinken.

Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder?

Kate Bush und Harald Juhnke.

Ihr Song „HdK“ spielt an der Berliner Hochschule der Künste. Haben Sie dort studiert?

Nein, ich wurde dort leider nicht angenommen. Es ist mein, naja, Rachesong vielleicht, der bestimmt vielen Hörern Mut macht, an sich und sein Talent zu glauben und gleichzeitig die Kraft gibt, damit zurechtzukommen, wenn ein Traum zerplatzt.

Hat man die Ablehnung begründet?

„Zu schlecht, kein Talent, lächerliche Figur, soll lieber Musik machen.“

Kommen wir zu Ihrem Song „Is mir egal“. Der Berliner Leser denkt natürlich an den verstorbenen Sänger Kazim Akboga und sein Lied für die BVG.

Stimmt! Daran dachte ich gar nicht. Wichtig bei dem Lied war mir jedenfalls, dass es wie die deutsche Version von „Love etc“ von den Pet Shop Boys klingt, ohne dass ich von ihnen wegen Urheberrechtsverletzung verklagt werden kann.

Ich deute Ihren Song „Commander Strack“ als Hommage an den 1999 verstorbenen Volksschauspieler Günter Strack. Liege ich richtig?

Ganz genau! Günter Strack besaß ja bis zu seinem Tode einen Weinberg in meinem Heimatort Alzenau. Einmal im Jahr gab es da ein Weinfest und zum Höhepunkt tauchte da Günter Strack am Firmament auf. Im Helikopter eingeflogen, wie ein Stargast bei „Wetten dass“! Es war atemberaubend, obwohl ich selbst nie dabei gewesen bin. Eine urbane Legende aus Unterfranken also. Genau um dieses Gefühl geht es in dem Lied.

Um welches Gefühl?

Das Gefühl, auf einem Weinfest mit Günter Strack zu sein.

Schön! Da wir schon einmal reden, muss ich diese Frage stellen: Wie entsteht ein Hauck&Bauer-Witz?

Ein original Hauck&Bauer-Witz entsteht zuerst in Frankfurt/Main, dort schreibt Dominik Bauer den Text und ich male dann in Berlin das Bild außenrum.

Sie sind ein großer Verehrer Dieter Hallervordens und Gaby Dohms. Was schätzen Sie an am meisten an ihnen?

80er-Jahre-Nostalgie wahrscheinlich. Günter Pfitzmann und Edith Hancke fallen mir da noch ein. Richtig ätzend war das doch damals!

Ätzend?

„Ätzend“ hat man damals gesagt, wenn was so richtig unknorke war. Heute gibt es Capital Bra.

Sie kommen aus dem unterfränkischen Alzenau, einer Stadt im Landkreis Aschaffenburg. Was hat Sie bewogen, nach Berlin zu ziehen?

Die Möglichkeit, Max Goldt zufällig auf der Straße zu treffen.

Gehen Sie mit diesem Album auf Tournee? Werden Sie in Berlin damit auftreten?

Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Wer will denn das sehen! (wartet auf eine schmeichelhafte Antwort.)

In einem Song heißt es: „Ich aus dem Club raus, völlig drüber, die Kanzlerin wohnt gegenüber“. Ist das ein Club im Pergamonmuseum?

Das ist aus dem Song „Berlin“, der auch so eine 80er-Jahre-NDW-Nostalgie heraufbeschwört bzw. persifliert. Beginnt der Song nicht mit der Feststellung „Der Bürgermeister hat ne Macke“? Vielleicht sollte ich mal Herrn Müller fragen, ob er in dem Musikvideo dazu mitspielen will. Hoffentlich antwortet er nicht!