Konzert

Sebadoh bieten im Musik & Frieden Indie-Rock in Reinform

Mit „act suprised“ hat das Trio aus Massachusetts sein erstes Album seit sechs Jahren vorgelegt. Nun wurde es im Musik & Frieden präsentiert

Sebadoh bei einem früheren Auftritt in London.

Sebadoh bei einem früheren Auftritt in London.

Foto: ddp/INTERTOPICS/Photoshot

Ein Trio aus Schlagzeug, Gitarre und Bass, mehr braucht es nicht für wirkungsvollen Indie-Rock. Das beweisen Sebadoh am Sonntagabend so eindrucksvoll, dass sich immer wieder ein kleiner Moshpit vor ihrer Bühne bildet. Der besteht zwar nur aus drei Personen, doch die reichen auf der Bühne schließlich auch aus.

Bekannt ist die Gruppe aus Massachusetts vor allem, weil sie zu den Gründervätern des Lo-Fi gehört. Sänger Lou Barlow, der auch als Bassist für Dinosaur Jr. bekannt ist, gründete die Band 1986. Im Musik & Frieden präsentieren Sebadoh trotz entsprechender Diskografie vor allem ihr aktuelles Album „act surprised“. Die Songs der neuen Platte sind gewohnt melodisch und kommen bei den Fans gut an. Allen voran die Nummer „celebrate the void“, die gemächlich beginnt, bevor sich Tempo und Tanzbarkeit plötzlich dramatisch steigern.

Die Haare werden gebändigt

Im Laufe des Abends wechseln Barlow und Bandkollege Jason Loewenstein mehrmals ihre Instrumente, mal spielt der eine die Gitarre, solange der andere den Bass bedient, dann tauschen sie wieder. Auch gesanglich lösen sie sich mehrmals ab. Die dadurch entstehenden Pausen nehmen der Show ein wenig das Tempo, werden von den Fans jedoch wohlwollend hingenommen. Und Schlagzeuger Bob D’Amico nutzt sie pragmatisch, um sich abzukühlen, indem er eine Flasche Wasser über seinem Kopf ausleert.

Für den Song „Soul And Fire“ steht Barlow am Mikro. Er hat eine zwölfsaitige Gitarre dabei. Seine kinnlangen Haare werden von einem Bandana gebändigt, während er sich in die Soli lehnt. Trotzdem verdecken die dunklen Locken knapp zwei Drittel seiner unbekümmerten Miene. Das seine Sicht dadurch gestört wird, scheint ihn allerdings nicht zu stören, schließlich hat er die Brille, die er für gewöhnlich trägt, schon zu Beginn abgelegt.

Ist Loewenstein an der Gitarre, verschwinden seine Augen häufig hinter dem Schild eines Basecaps. Mit gesenktem Blick beobachtet er die Arbeit der eigenen Finger. Immer wieder schallen Liebesbekundungen aus dem Publikum und bringen ihn zum Grinsen. Er erwidert sie zwischen zwei Songs mit einem deutschen „Ich liebe dich“.

Texte voller Weltschmerz

Die Band, deren Name Sebadoh ein sinnfreies Füllwort ist, das Barlow früher während der Aufnahmen murmelte, hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Meist spielen sie schnell und rau. Nur während gediegener Nummern wie „sunshine“ wird der Weltschmerz nachvollziehbar, der in vielen ihrer Texte steckt. Mit ihrer Mischung aus Melancholie und Ruppigkeit spielen die Musiker Indie-Rock in Reinform. Der durchdringende Sound hat etwas Ursprüngliches und hält die Menge fast ununterbrochen in Bewegung.

Daher nimmt es ihnen auch niemand übel, als Barlow zu Beginn der Zugabe eine Saite reißt. Unerwartet muss er zurück zur zwölfsaitigen Gitarre wechseln, und die Band ist gezwungen zu improvisieren. Während die Instrumente neu gestimmt werden, plaudern sie mit den Fans. Wohnzimmeratmosphäre kommt auf. Und so wird der gelungene Auftritt der Lo-Fi-Legenden zum Ende hin noch einmal richtig familiär.