Deutsches Historisches Museum

Die Armbrust: Eine Ausstellung über eine vergessene Waffe

Das Deutsche Historische Museum öffnet seine Militaria-Sammlung und zeigt Armbrüste aus vergangenen Zeiten

Jagdarmbrust mit farbig gefassten Beinintarsien, 1567.

Jagdarmbrust mit farbig gefassten Beinintarsien, 1567.

Foto: © Deutsches Historisches Museum

Aus einem Haus, das ursprünglich den Krieg glorifizierte, dem Zeughaus Unter den Linden, wurde innerhalb von 100 Jahren ein Haus für Geschichte, das Krieg und Gewaltherrschaft kritisch gegenübersteht: das Deutsche Historische Museum (DHM). In dessen Depots lagert immer noch eine große Menge an Militaria. Prahlen kann man heute mit all dem, was die preußischen Militärs zusammengetragen haben, natürlich nicht mehr. Denn so wie Andreas Schlüters Steinköpfe sterbender Krieger im Innenhof des Gebäudes eindrückliche Zeugnisse dafür sind, wie Schrecken und Gewalt heroisch überhöht wurden, um Krieg zu legitimieren, so überliefert die Militaria-Sammlung auch das Triumphgetöse aus einer Zeit, die Gewalt für ein legitimes Mittel zur Machtdurchsetzung hielt.

Wichtige kulturhistorische Zeugnisse

Zugleich ist Gewalt natürlich auch heute noch ein Kassenschlager, Waffen faszinieren noch immer. Sie sind schließlich auch historische Quellen, manchmal auch künstlerisch wertvoll. Waffen haben ein tödliches Potential und eine destruktive Dimension, betont der Präsident des DHM, Raphael Gross. Aber auch Phänomene wie die von Karl-Heinz Bohrer bei Ernst Jünger ausfindig gemachte „Ästhetik des Schreckens“ gilt es im DHM zu beleuchten. Einen Anfang macht die etwas unschuldig darauf anspielende Ausstellung „Die Armbrust - Schrecken und Schönheit”.

Zunächst aber wird man mit der Geschichte des Museums selbst konfrontiert. Das Zeughaus war ursprünglich ein Waffendepot, dann auch Waffenmuseum und zuletzt Ruhmeshalle der Armee. Das Museum kehrt also zu seinen Wurzeln zurück und bekennt sich zur eigenen Geschichte. Das war in der Anfangszeit des DHM anders, damals wurde Militärgeschichte marginalisiert, erklärt der Leiter der Sammlungen, Fritz Backhaus.

Die Geschosse der Armbrust, Bolzen und nicht Pfeile, sind oft die einzigen Überreste, die man auf Schlachtfeldern findet. Es sind wichtige kulturhistorische Zeugnisse aus einer Zeit vor der Feuerwaffe. Für das alte Zeughaus freilich waren Armbrüste einfach schöne Objekte, die an Pfeilern hingen, sagt der Kurator Sven Lüken. Sie waren schon da, bevor das Zeughaus um 1700 errichtet wurde und befanden sich in der Rüstkammer im Berliner Schloss. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Objekte aus österreichischen Sammlungen hinzu, die Napoleon geraubt hatte, darunter zwei originale Armbrüste aus dem Besitz von Kaiser Maximilian, und die Sammlung von Prinz Carl von Preußen.

In der aktuellen Ausstellung schweben die Armbrüste in mehreren Blickachsen durch den Raum, so dass man sie von allen Seiten betrachten und die Verzierungen und den Mechanismus genau studieren kann. So viel wird klar: Die Armbrust war ein technisches Meisterwerk, für das viele Handwerker zusammenarbeiten mussten.

Für so manchen neu mag die soziale Dimension der Waffe sein. Während man für das Bogenschießen jahrelang üben musste, war die Armbrust relativ unproblematisch zu bedienen. Deshalb gab es in Städten neben den Spießbürgen und der Reiterei der Ratsmänner auch Armbrustschützen für die Verteidigung. Daraus entwickelten sich später die Schützenfeste, wichtige soziale Ereignisse für die Städte, und Schützengesellschaften, die Vorgänger der heutigen Sportvereine. Höhepunkt der Feste war das Vogelabschießen: Man zielte mit der Armbrust auf einen Holzvogel. Sieger war, wer als letzter den Vogel abschoss, also das letzte Holzteil traf. Und so begleiten diverse heute noch übliche Redensarten die verschiedenen Abschnitte der Ausstellung und bezeugen, dass wir heute zwar Krieg und Gewalt gerne ausblenden, dass sie aber in der Sprache noch immer präsent sind.

Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, Mitte. Geöffnet täglich 10-18 Uhr. Tagesticket 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.