Kultur

Museum des 20. Jahrhunderts: Das sind die Pläne

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat die Pläne und Ideen für das Museum des 20. Jahrhunderts präzisiert.

Eine zugige Brache wird zu einem Platz: Blick auf die Westfassade mit Baumhof, Matthäikirchplatz und St. Matthäus-Kirche.

Eine zugige Brache wird zu einem Platz: Blick auf die Westfassade mit Baumhof, Matthäikirchplatz und St. Matthäus-Kirche.

Foto: Herzog & De Meuron

Großbauprojekte haben es nicht leicht in Berlin, egal in welchem Bereich. Im Oktober 2016, als die Frage nach der Notwendigkeit öffentlich noch gar nicht ausdiskutiert war, wurde der Siegerentwurf des Wettbewerbs für ein Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum, auf der Freifläche zwischen Neuer Nationalgalerie, der Matthäikirche und dem Ensemble aus Philharmonie und Kammermusiksaal präsentiert, er stammt aus dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron.

Das mediale Echo für die schlichte Formensprache der langgestreckten Halle mit stumpfwinkligem Satteldach fiel verheerend aus, man sprach wahlweise von einem „Pferdestall mit der Anmutung einer überdimensionierten Wellblechhütte“, einem „Provinzsupermarkt“ oder von jener „Scheune“, die sich inzwischen als Begriff für den Bau eingebürgert hat.

In der Kakophonie der meist begründungsfrei und architekturhistorisch unbedarft in den Raum gerufenen Geschmacksurteile kamen zwei Fragen zu kurz, die besser vertieft worden wären. Erstens nämlich, ob ein Ausrufezeichen kühner Entwurfsarchitektur zwischen den Ikonen Mies van der Rohes und Hans Scharouns überhaupt am richtigen Platz gewesen wäre.

Und zweitens, auf welche Weise man das Kulturforum so verdichten kann, dass es sich von einem zugigen, Fluchtimpulse auslösenden Transitraum in ein Areal verwandelt, in dem sich Menschen gerne aufhalten.

Kosten belaufen sich auf 450,2 Millionen Euro

Als jetzt, gut drei Jahre später, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Abgeordneten im Haushaltsausschuss des Bundestages über die neue Kostenrechnung für das Projekt informieren wollte, schlugen die Wogen schon im Vorfeld hoch.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb mit aus München wohlvertrauter Berlin-Skepsis von einem „600 Millionen-Euro-Bau“, was eine Grütters-Sprecherin postwendend als „völlig aus der Luft gegriffen“ zurückwies. Tatsächlich nannte die Kulturstaatsministerin vor den Parlamentariern dann die in ihrer Höhe erwartbare Zahl von 364,2 Millionen Euro, allerdings zuzüglich prognostizierten Baupreisindexsteigerungen und Risikokosten, womit sich die Gesamtsumme für das Museum nun auf 450,2 Millionen Euro beläuft.

Der Spatenstich soll noch im Herbst erfolgen, die Fertigstellung ist für das Jahr 2026 vorgesehen, „vsl.“ allerdings, eine wiederum in Berlin wohlvertraute Abkürzung für „voraussichtlich“.

2000 von 9000 Quadratmetern Ausstellungsfläche

Am Dienstag hatte dann die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in den Amtssitz ihres Präsidenten Hermann Parzinger eingeladen, wo dieser in Gegenwart des Architekten Jacques Herzog, des Direktors der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, des Leiters der Neuen Nationalgalerie Joachim Jäger und des Jury-Mitglieds Arno Lederer das Konzept für den Bau nach seiner Überarbeitung erläuterte.

Parzinger hob hervor, dass das Ziel vor allem darin bestehe, Präsentationsraum für die bislang nur zu einem Viertel austellbare Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts zu schaffen, die die Nationalgalerie ihr Eigen nenne. Den bereitgestellten Exponaten aus den Sammlungen Ulla und Heiner Pietzsch, Erich Marx und Egidio Marzona, ergänzte Joachim Jäger, würden im neuen Haus nur 2000 von 9000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bereitgestellt.

Jacques Herzog erläuterte die Grundideen des Gebäudes, die Anklänge an das ebenfalls von seinem Büro zur Tate Gallery of Modern Art umgebaute Kraftwerk in London aufweist. Die Treppe hinter dem Haupteingang führe nicht in ein Untergeschoss im klassischen Sinn, weil der hallenartige Charakter des Museums überall zu spüren und die anderen Ebenen einsehbar seien.

Durchgang zur Neuen Nationalgalerie

Es sei zum Scharoun-Platz, also zu Philharmonie und Konzertsaal transparent geöffnet, während es auf der anderen Seite einen ebenfalls als Ausstellungsraum nutzbaren Durchgang zur Neuen Nationalgalerie erlaube. Die großen Hangartore auf den beiden Längsseiten des Riegels seien für Künstler als Projektionsflächen bespielbar und würden außerdem für Transparenz in Richtung Staatsbibliothek sorgen. Die perforierte Fassade aus Backstein schließlich zitiere nicht nur den benachbarten Sakralbau, sondern sorge außerdem bei Dunkelheit durch das nach außen dringende Licht für Aufmerksamkeit.

Das alles war – abgesehen von einer neuen Spiegelfläche an der Südfassade, der Aussparung für die Platane im Westen und anderer Details so zu erwarten und von daher wenig überraschend. Der Charme des Museums des 20. Jahrhunderts, so wurde klar, muss sich nicht allein aus seiner Gestalt ergeben. Er kann auch in einem durchdachten Raumkonzept und vor allem in der Rückeroberung eines verlorenen Raums bestehen.