Grips im Podewil

Überfüllte Premiere – Theaterleitung entschuldigt sich

Bei der Premiere „Ankommen is WLAN“ herrschte übermäßiger Andrang. Dafür entschuldigt sich die Leitung des Grips-Theaters

Voll in Aktion: Matondo Castlo, Nina Reithmeier und Michael Brandt.

Voll in Aktion: Matondo Castlo, Nina Reithmeier und Michael Brandt.

Foto: David Baltzer/Bildbuehne.de

Es ist der Hingucker schlechthin, als Rapper Matondo Castlo, Tänzer Robert und Beatboxer Ssempijja Moses Mukalazi im silbernen Glitzerfummel auf Stöckelschuhen auf der Spielfläche erscheinen. Drei Schwarze, die ausschauen wie weiland die Supremes. Ganz Show-Men, haben sie damit definitiv alle Lacher auf ihrer Seite. Für ihre Performance aber bevorzugen sie denn doch einen lässigen Sneaker-T-Shirt-Look. Hiphop-Vibes und Powermoves in Pailletten wirken nun mal nicht authentisch. Zumal die drei und Schauspielerin Nina Reithmeier ein ernstes Anliegen haben.

Breakdance, Rap, Beatboxing, rauer Gesang. Dazu das ein oder andere hübsch dreckige Gitarrensolo von Michael Brandt. Und ein stilistisch wilder Soundtrack von Multi-Instrumentalistin Öz Kaveller. Von der ersten Sekunde an wird die Grips-Studiobühne im Podewil richtig gerockt bei der Premiere von „Ankommen is WLAN - The Arrival“. Ganz klar kein Theaterabend von der Stange, den Regisseurin Theresa Henning eingerichtet hat. Vielmehr ein Spektakel für Menschen ab zwölf, das eine Botschaft transportiert.

Nächstenliebe und Menschlichkeit

Entwickelt wurde das Bühnenprojekt aufgrund der Frage, was Ankommen überhaupt bedeutet, für wen und in welcher Situation. Auf einer Recherchereise in Afrika hat sich ein Team von Künstlern unterschiedlichster Disziplinen den Antworten genähert. Herausgekommen ist eine deutsch-englische Produktion, die halb Konzert, halb Szenencollage mit Tanz und Videoeinspielung ist.

Das multinationale, sechsköpfige Ensemble fordert in den Songs und Spielsequenzen auf zu Nächstenliebe, Menschlichkeit, einem Herz für Geflüchtete. Es zeigt, dass etwa ein Smartphone in einer afrikanischen Wüste notwendig ist, um zu überleben, während hier eher der neuesten Insta-Sensationen nachgejagt wird. Und die Inszenierung gibt Geflüchteten ein Gesicht. Damit sich niemand fürchtet vor denen, die ankommen auf der Suche nach Sicherheit und einem normalen Leben. Das Ensemble steht dafür kompromisslos und kämpferisch mit einer leidenschaftlichen Performance ein.

Die Ausgänge sind blockiert

Ein hehres Ziel. Keine Frage, politisches Asyl und der Schutz anerkannter Flüchtlinge sind ein wichtiges Gut. Doch angesichts von 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht einzufordern, dass jeder der ankommt, bleiben darf, zeugt von einer moralischen Hybris. Und alle, die das nicht so sehen, in die rechte Ecke zu stellen, ebenso. Bekanntlich ist die Wirklichkeit nicht so einfach gestrickt.

Während das Grips zumindest theatral die Welt retten will, nimmt das Haus es mit der Sicherheit des eigenen Publikums nicht allzu genau. Die Premiere ist derart überbucht, als gebe es keine zweite, dritte, zehnte Vorstellung. Leute sitzen und stehen teils zu zweit auf den Treppen der Zuschauertribüne, Pullover und Rucksäcke liegen herum. Die Saaltür, vor der auch noch jemand sitzt, und der Gang zur zweiten Tür werden von einem Kameramann blockiert. Das geht nicht, schließlich hat ein Theater Verantwortung für seine Zuschauer. Im Grips sollte man das wissen.

Grips-Theater im Podewil, Klosterstr. 69, Mitte. Tel.: 397 47 40. Nächste Termine: 14.9. (16 Uhr), 26.9., 11 und 18 Uhr.

Zu diesem Artikel erreichte uns am Freitag folgende Stellungnahme von Philipp Harpain, dem Leiter des Grips-Theaters: „In der heute online und in der Druckausgabe veröffentlichten Kritik zu unserer Premiere von „ANKOMMEN IS WLAN“ beschreibt Ihre Autorin Ulrike Borowczyk, dass „die GRIPS-Premiere im Podewil heillos überlaufen war“ (Überschrift online) und „man es mit der Sicherheit nicht so genau nahm“.

Hierzu möchte ich gerne Stellung zu beziehen.

Tatsächlich kam es bei der Premiere am 11. September 2019 im Podewil dazu, dass mehr Zuschauer eingelassen wurden, als angemeldet waren. Wir überprüfen gerade, wie es zu dieser Situation kommen konnte, da wir selbstverständlich die Sicherheit unseres Publikums sehr ernst nehmen, wir sind uns der Verantwortung sehr bewusst.

Was ich jetzt schon sagen kann: Wir haben momentan im Bereich „Besucherservice, Kasse und Einlass“ einen sehr hohen Krankenstand, gleichzeitig stellen wir das Kartensystem um, so dass einige der Vorgänge und Abläufe nicht so zuverlässig an diesem Abend ineinander gegriffen haben, wie es üblicherweise in unserem Haus der Fall ist.

Das darf selbstverständlich nicht passieren, wir ziehen sofort und auch für die Zukunft Konsequenzen daraus, damit so eine Situation nicht mehr eintreten kann, und können nur um Entschuldigung bei unserem Publikum und auch bei Frau Borowczyk bitten.“