Admiralspalast

John Cleese lacht laut, als der Teleprompter ausfällt

Der britische Komiker macht in Berlin Station. Er zeigt seine besten Sketche, erzählt von seiner Mutter und lacht mit dem Publikum den Tod aus

Wasserglas und Kuscheltier: John Cleese im Admiralspalast.

Wasserglas und Kuscheltier: John Cleese im Admiralspalast.

Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

An den Rängen des gut gefüllten Admiralspalastes sind drei Bildschirme aufgehängt, von denen John Cleese seinen Text ablesen kann. In den vorderen Reihen kann man sehen, dass es damit ein Problem gibt, sie flackern und fallen immer wieder aus. Cleese steht seit etwa zehn Minuten auf der Bühne und wollte eigentlich davon erzählen, was er in den Hotels dieser Welt so erlebt. Aber die Technik macht ihm einen Strich durch die Rechnung, er beginnt zu lachen. „Das ist also diese berühmte deutsche Effizienz“, sagt er. Die Vorstellung wird für zehn Minuten unterbrochen, Techniker stellen Leitern auf und beheben das Problem.

John Cleese wird im Oktober 80 Jahre alt. Niemand hier nimmt ihm den Teleprompter übel, er gibt ja offen zu, dass er sich nichts mehr merken kann. Der Abend hat schon (nach ausdrücklicher Aufforderung) mit stehenden Ovationen begonnen, er wird auch damit enden. Das Programm heißt „Last Time To See Me Before I Die“, und diese Chance kann man sich eigentlich nicht entgehen lassen: Denn John Cleese, der Gründer der legendären Monty Python, der Hotelier Basil Fawlty in der Sitcom „Fawlty Towers“, der Autor des Films „Ein Fisch namens Wanda“, ist einer der wichtigsten und einflussreichsten komischen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Papageien, Ritter und Bienen

Er wird das an diesem Abend mehrfach unter Beweis stellen, indem er einfach Ausflüge in sein Lebenswerk unternimmt, nachdem er versichert hat, seine Anwesenheit „im Herzen Preußens“ habe „nichts mit dem Brexit“ zu tun. Es kommt alles vor: der legendäre Papageiensketch, der schwarze Ritter aus „Die Ritter der Kokosnuss“, seine Totenrede auf den verstorbenen Kollegen Graham Chapman aus dem Jahr 1989, der Nonsenssong „Eric the half a bee“, das „Leben des Brian“ – und Cleese moderiert seine Videoschnipsel, indem er entweder die Entstehungsgeschichte erklärt oder seinen schwarzen Humor gegen Anfeindungen von den Freunden politischer Korrektheit verteidigt.

Er sagt, er habe ihn von seiner Mutter geerbt, die in ihren späten Jahren zur Schwermut geneigt und ihm am Telefon oft davon erzählt habe. Weil er das irgendwann nicht mehr hören konnte, sagt Cleese, habe er ihr eines Tages angeboten, einen Auftragskiller auf sie anzusetzen. Der Mutter habe dieser Witz sehr gefallen. So ist das eben mit dem Humor: Er verschafft Erleichterung, wenn es um die harten Themen geht, die Dunkelheit im Leben zum Beispiel und seine Endlichkeit. Nicht nur er wird eines Tages sterben, verkündet Cleese, das treffe für alle hier zu, und er zählt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Autounfällen alle denkbaren Ursachen dafür auf. Dass der Saal hier nicht betroffen schweigt, sondern fröhlich lacht und applaudiert: So etwas gelingt nur sehr wenigen so gut wie John Cleese.

Das Ministerium für seltsame Gänge

Wer sein Werk seit Jahrzehnten verfolgt, dem wird an diesem Abend vieles bekannt vorkommen. Aber das ist nicht schlimm, auch die Witze von gestern sind immer noch besser als viele, die man heute so zu hören bekommt. Um wie vieles ärmer wäre diese Welt gewesen, hätte es den Humor von Monty Python nicht gegeben! John Cleese verlässt die Bühne mit den lustigen Verrenkungen, die wir aus dem „Ministry of Silly Walks“ kennen. Das muss man mit 79 Jahren auch erst einmal hinbekommen.