Konzertkritik

Zaz liefert im Ifa-Sommergarten belanglose Popsongs ab

Zaz singt toll, die Band spielt korrekt - doch sie schafft es in ihrem Berliner Konzert nicht, über 08/15-Pop hinaus zu kommen.

Zaz ist Frankreichs erfolgreichster Pop-Export (Archivbild).

Zaz ist Frankreichs erfolgreichster Pop-Export (Archivbild).

Foto: pa

Berlin. Temperamentvoll stürmt Zaz über die Bühne, Frankreichs zur Zeit wohl berühmtester Musik-Export. Im Glitzer-Mini zu derben Tretern wirkt sie elfenhaft und bodenständig zugleich. Immer in Bewegung, tanzend, wirbelnd, singt sie mit diesem unverwechselbaren rauchigen Timbre, das eine sofort in den Bann zieht. Und doch berühren die meisten ihrer Songs nicht.

Man muss schon ein Riesenfan sein, um Frankreichs populärste Vertreterin des „nouvelle chanson“ im Ifa-Sommergarten bei ihrem Konzert unter Funkturm durchweg begeistert zu feiern. Das liegt sicherlich nicht an ihrem Vortrag, denn die 39-Jährige ist eine großartige Performerin. Auch an ihrer Band gibt es nichts zu kritteln. Doch über weite Teile hinweg gibt es 08/15-Pop. Spannungsarmes Songmaterial vom aktuellen Album „Effet Miroir“, übersetzt „Spiegeleffekt“. Anders als in der Studioversion, klingt vieles live arg belanglos.

Eigentlich liebt man die Musik von Zaz wegen ihrer unangepassten jazzig-folkigen Chansons. Mit den neuen Songs indes serviert sie einen stilistischen Mix aus Walzer, lateinamerikanischen und afrikanischen Rhythmen, Reggae, rockigen Songs, R&B, Soul und 80er-Elektro-Vibes. Das Ergebnis gleicht einem Gemischwarenladen und klingt trotz der gewaltigen Ambitionen nach uninspiriertem Mainstream.

Zaz hat alle Hits im Gepäck

Man verzeiht es der charmanten Musikerin allerdings gern, hat sie doch auch ihre Hits im Gepäck. Allen voran „Je veux“, der Hit, mit dem 2010 der internationale Durchbruch kam. Das Debüt hielt sich allein in Deutschland 49 Wochen in den Charts und ist auch jetzt der Abräumer des Abends. Zaz singt mit ihrer Powerstimme und trompetet jazzig dazu auf ihrer Kazoo, während das Publikum tanzt und mitsingt.

Zaz wusste übrigens schon von Kindesbeinen an, dass sie einmal Sängerin werden wollte. 1980 in Tour unter dem bürgerlichen Namen Isabelle Geffroy geboren, errang sie bei einem Radio-Casting bereits im Alter von sieben Jahren einen respektablen zweiten Platz. Mit zwanzig studierte sie Musik in Bordeaux, sang in verschiedenen Bands, bevor sie schließlich 2006 nach Paris ging. Dort sang sie im Ensemble eines Cabarets und mit zwei befreundeten Musikern immer mal wieder auf den Straßen von Montmatre.

Mittlerweile hat sie hat sie vier Studioalben veröffentlicht. Darunter eines mit klassischen Chansons. Die kann sie auch. Wie sie mit „Paris sera toujours Paris“, einem Maurice-Chevalier-Cover, beweist. Ihre Band swingt, Zaz scattet. Dazu gibt es stimmungsvolle bonbonbunte Impressionen auf den Leinwänden. Danach nimmt das Konzert endlich an Fahrt auf. Und Zaz überzeugt sowohl mit ihrer lockeren, authentischen Art als auch mit großen musikalischen Gesten und starker Stimme.