Schlosspark Theater

Den Hallervordens gelingt ein hochkomischer Abend

In Steglitz stand „Adel verpflichtet“ auf dem Programm. Dieter Hallervorden trug Sandalen. Seinem Sohn Johannes explodierte die Frisur

Dieter Hallervorden, hier mit Otto Beckmann (hinten) in „Adel verpflichtet“.

Dieter Hallervorden, hier mit Otto Beckmann (hinten) in „Adel verpflichtet“.

Foto: DERDEHMEL/Urbschat

Basta, aus, vorbei! Dem jungen Hallervorden reicht es. Drei Mal sind ihm die Haare explodiert, lag er von Stromblitzen umzuckt in Agonie auf dem Bühnenboden. Und warum? Damit Henker William seine Neugier stillen kann. Und dass, obwohl Töten mit Strom im Scharfrichter große Abscheu auslöst. Eine Barbarei. Wer sollte so was schon machen? Bevor er den Hergang noch einmal studieren kann, stürmt Hallervorden junior alias Tante Ughtretta mit gerafften Röcken empört aus dem Saal, um sich an der Bar zu betrinken. Doch während er sich gepflegt einen hinter die Binde kippt, häufen sich weitere tödliche Unfälle. Am Ende sind neun Opfer zu beklagen.

Es geht mörderisch zu bei der gefeierten Premiere von „Adel verpflichtet“ im Schlosspark Theater. Regisseur Anatol Preissler hat dafür mit Otto Beckmann als Autoren-Duo Dogberry & Probstein sehr frei Roy Hornimans Roman „Israel Rank“ adaptiert. Den kennt man durch die Verfilmung mit Alec Guinness, der darin achtmal gemeuchelt wird.

Eine formidable Besetzung

Preissler hat bereits die Uraufführung 2018 in Hamburg inszeniert. In puncto Witz dürfte die Berliner Version allerdings weit vorn liegen. Was an der formidablen Besetzung liegt: Dieter und Johannes Hallervorden teilen sich die Rollen der Opfer. Und zwar mit sichtlichem Vergnügen. Aber nicht nur Vater und Sohn sind schreiend komisch. Das gesamte Ensemble besteht aus Erzkomödianten.

Dabei beginnt die Geschichte im finsteren Kerker, was an und für sich überhaupt nicht lustig ist. Victor Lopez (Otto Beckmann) verbringt hier den letzten Tag seines Lebens. Er wurde schuldig befunden, Lionel, den Mann seiner Geliebten Sibella (Annika Martens), ermordet zu haben. Der war aber kein Opfer von Victor. Um das klarzustellen, schreibt er seine Biografie und berichtet Henker William (Oliver Nitsche), was sich wirklich zugetragen hat. Eine Retrospektive, die es in sich hat.

Einmal durch den Stammbaum gemordet

Victor wächst um 1900 in London in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine adlige Mutter (Jantje Billker) wurde nämlich von der Familie verbannt, weil sie mit einem mexikanischen Straßenmusiker durchbrannte. Den gibt Tommaso Cacciapuoti als Running Gag stets mit einem Mariachi-Schlager auf den Lippen. Nach dem Tod der Mutter fasst Victor den Plan, sich durch raffinierte Morde quer durch den Stammbaum der Gascoynes bis zur Position des Herzogs vorzuarbeiten.

Anfangs noch etwas trocken erzählt, folgt bald schon dank schneller Ortswechsel eine absurde Situation auf die nächste. Bevölkert von skurrilen Figuren, gespickt mit klugem Wortwitz und trickreichen Überraschungen. Dieter Hallervorden als stotternder Stummfilmschauspieler im römischen Sandalen-Look ist allein schon einen Besuch wert. Zumal er sich von einer echten Würgeschlange ins Jenseits befördern lässt. Während sich der Zuschauer schlapp lacht, fragt er sich, ob Serienmörder Victor wohl seiner Strafe entkommt?

Ein Theaterabend, der nicht pfleglich mit seinen Figuren umgeht, sie in all ihrer Boshaftigkeit zeigt, und gerade dadurch auf ganzer Linie gewinnt.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00, bis 20.10., Di.-Sbd. 20 Uhr, So. 16 Uhr, 9.9. 20 Uhr, Tickets ab 19 Euro.