Sonntags-Krimi

Die Kommissarin und der verrückte Professor

Ulrike Folkerts feiert demnächst 30-jähriges „Tatort“-Dienstjubiläum. Ihr neuer Fall ist ein Mix aus Frankstein und Science-Fiction.

Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) beißt bei Professor Bordauer (Sebastian Bezzel) auf Granit.

Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) beißt bei Professor Bordauer (Sebastian Bezzel) auf Granit.

Foto: ARD / SWR

Dieser Tatort fasst seine Zuschauer mit spitzen Fingern an. Mit ganz spitzen Fingern. Zartbesaitete seien deshalb vorgewarnt. In einem riesigen leeren OP-Saal fahren da vier technische Arme mit spitzen Enden auf den OP-Tisch herab, kreisen um den Kopf des Patienten und greifen dann zu. Klingt ein wenig wie moderner Frankenstein? Ist wohl auch gewollt.

Ulrike Folkerts, die schon jetzt dienstälteste „Tatort“-Kommissarin ist und Ende Oktober ihr 30. Dienstjubiläum feiern kann, kriegt es in ihrem jüngsten Fall „Maleficius“ mit einem undurchsichtigen Hirnprofessor zu tun, der nicht nur Gehbehinderte wieder zum Laufen bringen will, sondern generell am besseren Menschen tüftelt. Und langfristig auch die Kriminalität aus den Köpfen rauskriegen will. Eigentlich, glaubt er, arbeitet er damit aufseiten der Polizei.

Frankenstein lässt schön grüßen

Seine Mittel dazu sind allerdings ethisch hochbedenklich. Er „frisiert“ nämlich das Gehirn. Vielleicht sogar an behinderten Menschen, die sich nicht wehren können. Dafür ist Professor Bordauer schon aus einem renommierten Forschungsprojekt rausgeflogen. Aber in seiner Klinik tüftelt er weiter. Ganz überzeugt von dem, was er da tut. Also der Typus „verrückter Wissenschaftler“, den man sonst eher aus B-Movies kennt.

Diesen teuflisch-malifiziösen Forscher spielt Sebastian Bezzel, der kürzlich noch selbst ein „Tatort“-Kommissar war, in Konstanz mit Eva Mattes.. Ein wenig Medien-Inzest ist das schon. Aber so viele Schauspieler sind oder waren mal „Tatort“-Ermittler, dass es sonst wohl schwierg wird mit der Besetzung.

Mit der Ludwigshafener Kommissarin treten wir in eine Forschungsklinik ein, die so grellweiß ist, dass die Augen schmerzen. Und in der Kommissarin Odenthal mit ihrer gewohnt schwarzen Lederjacke umso mehr heraussticht.

Im Rhein treibt die falsche Leiche

Gleichzeitig bekommt es ihre junge Kollegin Stern (Lisa Bitter) mit einem ganz anderen Milieu zu tun: mit bulligen Testosteron-Machos, die in einer Werkstatt nicht Hirne, aber Autos frisieren und damit illegale Wettrennen veranstalten.

Wie das zusammenhängt? Einer der Raser hat dabei einen Unfall gebaut und wurde querschnittsgelähmt. Er landete in Bordauers Klinik. Plötzlich steht sein Rollstuhl im Rhein. Dort treibt aber nicht seine Leiche – sondern die einer Ärzte-Kollegin des Herrn Professor. Wurde sie zum Schweigen gebracht?

Zwei Frauen an zwei Fronten

Fortan ermitteln die beiden Frauen an zwei verschiedenen Fronten und stoßen auf unterschiedliche Weise auf Granit. Und sie kriegen es noch mit einer dritten Art von Chauvinismus zu tun: dem übellaunigen Staatsanwalt (Max Tidof), der nie zu arbeiten scheint, sondern entweder im Massagesalon oder in einer Cocktailbar sitzt.

Der „Tatort“ mit dem Zungenbrecher-Titel „Maleficius“ wandelt zwischen Science-Fiction und Horror. Aber so ganz rund ist die Folge nicht. Und so ganz überzeugend kommen die beiden Stränge auch nicht zusammen. Der Schluss ist allerdings teuflisch gut.

„Tatort: Maleficius“: ARD, Heute, 20.15 Uhr