Konzerthaus

Ein Meilenstein für José Gonzalez in Berlin

José González bringt schwermütigen Indie-Folk ins ausverkaufte Konzerthaus und begeistert damit sein Publikum.

José Gonzalez (Archivbild)

José Gonzalez (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Jazz Archiv/Michi Reimers / picture alliance / Jazzarchiv

Berlin. Ein kleines Podest steht auf der Bühne im Konzerthaus. Mit Mühe finden ein Stuhl, zwei Gitarrenkoffer und ein Weinglas darauf Platz. José González wirkt ein wenig verloren auf seinem Podest, umzingelt von fünf Scheinwerfern, um ihn herum die weitgehend leere Bühne. Doch nur, bis er zu spielen beginnt. Dann füllt er den gesamten Saal mit seiner Samtstimme und dem schwermütigen Klang seiner Akustikgitarre.

Das Konzerthaus ist am Dienstagabend voll besetzt. Das weitgehend junge Publikum bekommt im hohen Konzertsaal einen eindrucksvollen Sound geboten, der den ruhigen Indie-Folk des Schweden ungemein komplementiert. Zu Liedern wie „Lovestain“ und „Crosses“ liefern die Scheinwerfer eine zurückhaltende Lichtshow. Mal rot und mal blau wird das Licht von den imposanten Orgelpfeifen im Rücken des Musikers reflektiert.

Elegische Liebeslieder klingen oft ähnlich

In diesem Haus und mit diesem stillen, aber anerkennenden Publikum, so González, fühle sich der Abend für ihn an wie ein Meilenstein. Große Worte von einem Mann, der bereits einen Schwedenbesuch des Dalai Lama musikalisch begleitet hat.

Das Gitarrenspiel des 41-jährigen ist durchweg beeindruckend. Allerdings klingen die elegischen Liebeslieder einander oft so ähnlich, dass man angenehm aufschreckt, wenn er mal fester in die Saiten haut. Die gezupfte Akustikgitarre und der sanfte Gesang bestimmen fast alle Nummern des Singer-Songwriters. Da fällt es schwer zu glauben, dass er seine ersten musikalischen Erfahrungen in Punk- und Hardcore-Bands gesammelt hat. Doch gerade als die Gleichförmigkeit seiner Songs droht, ermüdend zu werden, tritt eine Flötistin mit Querflöte auf, um ihn für zwei Lieder zu begleiten und für Abwechslung zu sorgen.

Die wenigen Worte, die der Musiker zwischen seinen Nummern verliert, sind meist so kryptisch wie bedeutungsschwer. „Der nächste Song ist von Platons Höhlengleichnis inspiriert“, leitet er eines seiner Lieder ein, und wenig später fragt er: „Ihr realisiert, dass ihr in einem Land lebt, in dem eine politische Partei einem apokalyptischen Personenkult folgt?“

Die zweite Hälfte des Abends wird von Cover-Versionen bestimmt. Darunter der Beatles-Song „Blackbird“ und „Line of Fire“, eine Nummer seiner Indie-Band Junip. Dann darf das Publikum wählen. Zur Auswahl stehen Lieder von Nick Drake, Paul Simon und Al Green. Kurz entbrennt eine Debatte im Saal, dann erklärt González Nick Drake zum Sieger und stimmt dessen „‘Cello Song“ an.

Al Green spart der Musiker sich für die Zugabe auf. Neben einer Version von „Let’s Stay Together“ spielt er zum Schluss auch sein erfolgreiches Cover von „Heartbeats“, einem Lied der schwedischen Band The Knife. Seine Adaption dieses Songs machte ihn dank zahlreicher Verwendungen in US-Serien wie „One Tree Hill“ und „Scrubs“ zum ersten Mal einem internationalen Publikum bekannt.

Auch wenn die Lieder im Laufe des Abends gelegentlich repetitiv wirken, füllt González den Konzertsaal bis zur letzten Minute angemessen aus, mit einem unaufdringlichen Klang, der es den Gedanken immer wieder erlaubt, behaglich zu schweifen. So beschert er seinen Fans einen äußerst angenehmen Abend, an dessen Ende er völlig verdient Jubelstürme erntet.