Hauptrolle Berlin

Zur Not muss man in Berlin einfach in die Tiefe gehen

Erik Schmitt stellte im Zoo Palast seinen Film „Cleo“ vor. Ein Berlin-Film, für den er ganz neue Ecken auftat. Was nicht leicht ist.

Regisseur Erik Schmitt mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Regisseur Erik Schmitt mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast.

Foto: David Heerde

In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast veranstaltet, wurden schon viele wunderbare Berlin-Filme gezeigt, die ein Zeitbild, ein Generationenporträt, ein Lebensgefühl widerspiegeln. Aber „Cleo“, der hier am gestrigen Dienstag lief, ist noch mal etwas anderes: ein verspieltes modernes Märchen, das sich auf die Suche nach nichts weniger als die Seele der Stadt macht.

Visuell alles ausprobiert

Wie kommt man auf so eine Idee, und das gleich bei einem Langfilmdebüt? Regisseur Erik Schmitt kam 2002 nach Berlin, ist sehr oft umgezogen, hat sehr viele sehr schöne Seiten entdeckt und fragte sich, wie das sein kann, dass eine Stadt so offen ist bei einer so düsteren Vergangenheit mit Krieg und Mauer.

Er hat darüber schon drei ebenfalls sehr liebevoll-verspielte, auch verrückte Kurzfilme gemacht. Und dann eben „Cleo“, mit dem er seit Wochen auf Tour ist und nun Station im Zoo Palast machte.

Mehr zum Thema: „Cleo“, ein fantastisches Berlin-Märchen

Diese Fabulierlust und dieser Ideenreichtum - ist das auch eine Reaktion darauf, dass es gerade im deutschen Film, oft an Experimentierfreude fehlt? Das kann Erik Schmitt gar nicht sagen. So gut kennt er sich im Film gar nicht aus, der 39-Jährige ist ein Quereinsteiger. Er kommt „mehr so aus dem Visuellen“ und hat eben einfach viel ausprobiert.

Wim Wenders wachte als Engel über den Film

Dass das eher schwierig ist, um einen Film zu vermarkten, hat er erst später mitbekommen. Das hat ihn aber eher bestärkt, weiterzumachen. „Cleo“ ist ja auch ein bisschen ein Kinderfilm. Und das, gibt er zu bedenken, sei auch kein Gütesiegel in Deutschland. Dort würden Kinderfilme nicht ganz ernst genommen - ganz im Gegensatz etwa zu Frankreich.

Für Schmitt war es eher ein Problem, aus all diesen Einfällen ein Drehbuch zu zimmern. Da hat ein Stipendium der Wim Wenders Foundation geholfen. Wenders hat ja selbst einen nicht ganz unbekannten Berlin-Film gemacht. Er war so etwas wie der gute Engel von „Cleo“. Weil er den Regisseur bestärkt hat, einfach mal zu machen. Und Schmitt wollte auch einen anderen Berlin-Film machen. Mit Ecken, die man noch nicht so kennt. Geht das überhaupt noch? Ist die Stadt nicht längst ausverfilmt? Doch, meint er, es gibt immer noch Ecken. Er ist dafür auch buchstäblich in die Tiefe gegangen: Berlin sei ja „komplett unterkellert“.

Als nächstes läuft in der Reihe am 1. Oktober „Berlin Chamissoplatz“. Zu Gast ist dann Regisseur Rudolf Thome.