Konzertkritik

Lauryn Hill kämpft im Tempodrom mit Tonproblemen

Die Vorfreude der Fans auf Lauryn Hill war groß - doch Stimmung kommt nicht auf, weil der Superstar mit Tonproblemen kämpft.

Lauryn Hill kam mit einer Stunde Verspätung auf die Bühne.

Lauryn Hill kam mit einer Stunde Verspätung auf die Bühne.

Foto: Nina Kugler

Lange mussten sich Fans gedulden, nun kam Lauryn Hill, die Queen des HipHop und R’n’B, für ein Konzert nach Berlin. Ungeduldig und bange warteten auch die Berliner Zuschauer im Tempodrom auf den Auftritt von Hill.

Denn bei ihrem Köln-Konzert am Dienstag ging einiges schief: Zuerst wurde die Show auf unbekannte Zeit verschoben, weil heftige Unwetter den Open-Air-Bereich der Veranstaltungslocation bedrohten, und dann wurde der Sängerin während ihres letzten Songs einfach das Mikrophon abgedreht – die Nachtruhe der Anwohner ging vor.

Das Konzert in Berlin begann mit gut einer Stunde Verspätung. Dennoch: das Tempodrom war ausverkauft, die Fans feierten die Wartezeit über mit der DJane, die Klassiker der HipHop-Szene der 90er-Jahre spielte.

Dann endlich: der Auftritt des Superstars. Aber die Sound-Qualität ließ leider den ganzen Abend zu wünschen übrig. Zu laut, zu undifferenziert: Es passte nicht.

Kaum jemand im Tempodrom singt mit

Hill wedelte wild mit den Armen um sich, versuchte den schlechten Sound in den Griff zu bekommen - es half nichts. Fast fiel es schwer, die Songs zu erkennen, kaum jemand im Publikum sang mit.

Dabei begrüßte die Sängerin mit der markanten Stimme ihre treuen Fans freundlich und gab Songs ihres Albums „The Miseducation of Lauryn Hill“ zum Besten. Die legendäre Platte feiert gerade 20-jähriges Jubiläum – ein Grund für Hill, dies mit ihren Fans zu feiern.

Hill setzte in den 90er-Jahren neue Maßstäbe in der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene. Die Sängerin und Schauspielerin („Sister Act 2“) gründete 1988 zusammen mit Wyclef Jean und Pras Michel die Band „Fugees“, die mit ihrer Coverversion von „Killing Me Softly“ ihren größten Hit landeten.

Zehn Jahre später veröffentlichte Hill ihr erstes Solo-Album „The Miseducation Of Lauryn Hill“, das gleich fünf Grammys abräumte. Es sollte allerdings ihre einzige Studioplatte bleiben. Die 44-Jährige konnte nie an ihre früheren Erfolge anknüpfen. 2013 verbüßte sie wegen Steuervergehen mehrere Monate Haft.

Lauryn Hill: Immer wieder negative Schlagzeilen

Und machte auch sonst negativ von sich reden: Im Jahr 2010 ließ sie ihr Publikum bei einem Gig drei Stunden auf sich warten – und erklärte ihre Verspätung so: „Ich musste den Nagellack auf meinen Fingern trocknen lassen.“ In den Jahren danach machte Hill mit Geschichten von Zusammenbrüchen, abgesagten Konzerten und absurden Eskapaden auf sich aufmerksam. Und gilt seitdem als Diva. Und das, obwohl sie eigentlich zu Beginn ihrer Karriere als bodenständig, respektvoll und bescheiden galt.

Heute allerdings ist sie die vielleicht letzte wirkliche Diva in einer Branche, die auf Perfektion setzt. Ein pöbelnder Popstar, der seine Fans stundenlang warten lässt? Das gibt es schon lange nicht mehr.

Ihr Konzert in Berlin absolvierte Hill professionell. Ein Wermutstropfen aber blieb: Die Qualität ließ zu wünschen übrig.