Kritikerumfrage

Das Theater des Jahres steht in München

Aber auch die Volksbühnen-Produktion „Drei Milliarden Schwestern“ wird ausgezeichnet

Bester Nachwuchskünstler: Regisseur Bonn Park vor der Volksbühne in Berlin, dort kam „Drei Milliarden Schwestern“ heraus.

Bester Nachwuchskünstler: Regisseur Bonn Park vor der Volksbühne in Berlin, dort kam „Drei Milliarden Schwestern“ heraus.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Diesmal die bayrische Landeshauptstadt, aber mit Berliner Wurzeln: Zum Theater des Jahres wurden die Münchner Kammerspiele gewählt, geleitet von dem gebürtigen Berliner Matthias Lilienthal, der zuvor unter anderem Chef des Hebbel am Ufer (HAU) war – und in den ersten Castorf-Jahren Chefdramaturg an der Volksbühne.

Dass Lilienthals Kammerspiele die Auszeichnung bekommen haben, überrascht nicht wirklich. Es gab viele Diskussionen um seine Vertragsverlängerung, die wurde zum Politikum, die CSU wollte ihn lieber loswerden, auch, weil er das Theater in den Stadtraum verlegte. Letztlich verzichtete Lilienthal von sich aus auf eine zweite Amtszeit. Im kommenden Sommer läuft sein Vertrag aus, Nachfolgerin wird Barbara Mundel, erste Frau an der Spitze der Kammerspiele.

Sandra Hüller ist die beste Schauspielerin

44 Kritiker gaben ihr Votum ab, wie die Zeitschrift „Theater heute“ am Donnerstag in Berlin mitteilte. Auch die Inszenierung des Jahres kam an den Kammerspielen heraus: Christopher Rüpings zehn Stunden dauerndes Antikenprojekt „Dionysos Stadt“ war zum Theatertreffen im Mai auch in Berlin zu sehen. Auch der Schauspieler des Jahres, Nils Kahnwald, spielte in der Produktion mit.

Die Schauspielerin des Jahres kennen viele wahrscheinlich eher vom Film als von der Bühne: Sandra Hüller hat in Publikumserfolgen wie „Toni Erdmann“ oder „Fack ju Göhte 3“ mitgespielt. Seit Sommer 2018 steht sie im Ensemble des Schauspielhauses Bochum, dort ist sie auch in Shakespeares „Hamlet“ (klar, in der Titelrolle, die wird ja gern mal mit einer Frau besetzt) zu erleben.

Eine Auszeichnung für die Volksbühne

Mit Bonn Parks „Drei Milliarden Schwestern“ als Nachwuchsinszenierung des Jahres wurde zumindest eine Produktion aus Berlin ausgezeichnet. Die sehr gegenwärtige Neuinterpretation von Tschechows „Drei Schwestern“ mit der Volksbühnen-Nachwuchstheatertruppe P14 erhielt – gemeinsam mit „#BerlinBerlin“ vom Theater Strahl – in diesem Jahr auch den Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost.

Neben Beiträgen zu den Höhepunkten der abgelaufenen Theatersaison und der Kritikerumfrage im Detail geht das 184-seitige Jahrbuch der Zeitschrift „Theater heute“ der Frage nach, was Künstler heute zum Künstler macht.