Filmfestspiele

Brad Pitt hebt ab – zumindest beim Filmfest in Venedig

Der Star fliegt zu den Sternen. Der Raumanzug steht Brad Pitt gut. Aber im Science-Fction-Drama „Ad Astra“ kann er nicht überzeugen.

Vom Raumschiff aufs Vaporetto: Brad Pitt bei seiner Ankunft am Lido von Venedig.

Vom Raumschiff aufs Vaporetto: Brad Pitt bei seiner Ankunft am Lido von Venedig.

Eine Woche später wäre die Einschlafquote im Kino sicher noch deutlich höher ausgefallen. Am zweiten Festivaltag in Venedig allerdings dürften die meisten noch frisch genug für James Grays Science-Fiction-Drama „Ad Astra“ gewesen sein.

Und um Brad Pitt, der Fans auf dem Lido verlässlich in kreischende Star-Ekstase versetzte, mit offenen Augen ins Weltall zu folgen. Selbst im Wachzustand fühlte man sich aber seltsam sediert in dieser zeitzerdehnten Space-Meditation, bei der es in der nicht allzu fernen Zukunft um nicht weniger als die Rettung der Menschheit geht.

Emotional ist schwer anzudocken

Im Kern allerdings konzentriert sich Regisseur Gray dabei auf das intime Drama eines Sohnes mit Sehnsucht nach seinem Vater, der emotional und ganz real denkbar weit von ihm entfernt ist: am Planeten Neptun. Auf dem Weg dorthin wird die ganze Breite der Leinwand zwar mit vielen großen, eindrucksvollen Bildern gefüllt. Doch zum raunenden Sinnieren aus dem Off und dem permanent majestätischen Filmmusik-Wabern bietet „Ad Astra“ zu wenige Möglichkeiten, emotional anzudocken.

Das macht selbst die Starbesetzung nicht wett, zu der auch Liv Tyler und Tommy Lee Jones gehören. Und Pitt selbst macht zwar im Raumanzug eine so gute Figur wie auf dem roten Teppich. Einen ganzen Film mit vielen stillen Blicken zu tragen, will dem 55-Jährigen dann aber doch nicht ganz gelingen.

Scarlett Johansson in der Scheidungsmangel

Eine zwischenmenschliche Beziehung steht auch im Mittelpunkt von Noah Baumbachs „Marriage Story“. Den könnte man zunächst noch für einen Liebesfilm halten, wenn Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) die vielen Kleinigkeiten beschreiben, die sie aneinander mögen. Sofort danach stellt sich allerdings heraus: Die beiden sitzen bei einem Paartherapeuten, trennen sich und werden zwischen New York und Los Angeles durch die Scheidungsmangel genommen.

Wie viele Trennungen sind auch diese 135 Trennungsminuten mitunter zäh und anstrengend. Schließlich geht es um das Sorgerecht für den Sohn, um harte Vorwürfe und um die bitteren Gefühle einer gescheiterten Ehe.

Von Löwen und Kätzchen

Baumbach aber lockert seine Netflix-Produktion mit vielen heiteren Augenblicken auf – was dem Film zwar etwas mehr Leichtigkeit verleiht, ihm trotz des hervorragend aufspielenden Paares, das auch zur Premiere in den Sala Grande kam, aber auch etwas an schmerzhafter Intensität nimmt.

Der Ehren-Löwe wurde auch schon verliehen: Pedro Almodóvar nahm ihn am zweiten Festivaltag entgegen. „Dieser Löwe wird mein Haustier, genauso wie die zwei Katzen, mit denen ich zusammenlebe“, erklärte Spaniens Meisterregisseur schon vorab. Und schmuste denn auch mit dem Preis und liebkoste ihn, als sei’s ein Haustier.