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Louis Hofmann: „Mit Druck komme ich nicht klar“

Schauspieler Louis Hofmann über Erfolgszwang, die Angst zu versagen und den schlimmsten Druck – den, den man sich selber auferlegt.

Hat lernen müssen, sich selbst nicht so unter Druck zu stellen und auch mal Fehler zu machen: Schauspieler Louis Hofmann.

Hat lernen müssen, sich selbst nicht so unter Druck zu stellen und auch mal Fehler zu machen: Schauspieler Louis Hofmann.

Foto: Maurizio Gambarini

Louis Hofmann hat es in kürzester Zeit ganz nach oben geschafft. Erst mit Filmen wie „Freistatt“, „Unter dem Sand“ und „Die Mitte der Welt“, dann auch mit dem überragenden Erfolg der Serie „Dark“, die ihn endgültig zum Star machte. Dabei ist der Schauspieler gerade mal 22 Jahre alt. In seinem neuen Film „Prélude“, der gerade angelaufen ist, spielt er nun einmal in einer vergleichsweise kleinen Produktion. Und verkörpert einen Musiker, der unter großem Leistungs- und Erwartungsdruck steht und daran zu zerbrechen droht. Eine Figur, zu der Homann durchaus Parallelen sieht. Wir sprachen den Schauspieler in Tiergarten.

Berliner Morgenpost: Herr Hofmann, Sie haben so viele verschiedene Filme gemacht. Aber jetzt sind Sie plötzlich der Typ aus „Dark“. Ist das seltsam, nur noch auf eine Produktion angesprochen zu werden?

Louis Hofmann: Das stört mich nicht. Aber ein bisschen komisch ist es schon. Vor allem weil ich oft gefragt werde, ob ich Angst habe, darauf festgelegt oder gar reduziert zu werden. Ich bin da aber ganz entspannt. Ich habe ja schon einiges andere gemacht. Und bin noch jung, da wird doch auch noch was kommen. Es wird ja auch nur drei Staffeln „Dark“ geben, dann wird dieser Hype auch mal zu Ende sein. Dennoch genieße ich auch, dass das so krass gut wahr- und aufgenommen wird. Okay, ich freue mich fast noch mehr, wenn jemand mich auf „Unter dem Sand“ oder „Die Mitte der Welt“ anspricht. Aber das ist wohl immer so, wenn eine große Produktion mal im Zentrum steht, dass die anderen Dinge eine Zeit lang hinten runterfallen.

„Prélude“ ist dagegen ein eher kleines, fast intimes Kammerspiel. Sie spielen dari einen jungen Pianisten am Musikkonservatorium. Stimmt es, dass Sie dafür eigens Klavierspielen gelernt haben?

Naja, ich konnte klimpern, also Akkorde legen. Aber nur mit drei Fingern. Um mich beim Gesang begleiten zu können. Als dann die Zusage zu dem Film kam, hätten das sowohl die Regisseurin Sabrina Sarabi als auch ich falsch gefunden, wenn ich die ganze Zeit nur so getan hätte, als ob ich Klavier spielen könnte. Das hätte es lächerlich gemacht, wir wären den Menschen, die wirklich am Musikkonservatorium sind und dort unter immensem Druck stehen, einfach nicht gerecht geworden.

Es geht in dem Film um Leistungsdruck, Konkurrenz und Selbstzweifel. Gibt es da Parallelen zu Ihnen selbst? Verspüren Sie auch Druck, gerade nach dem immensen Erfolg von „Dark“? Leiden Sie manchmal unter Selbstzweifeln?

Klar kenn’ ich das. Ich habe ja ziemlich verrückte Jahre hinter mir. Als das mit „Freistatt“ losging, war ich vier Jahre lang immer in der Position, dass ich allen beweisen konnte, was ich kann. Die Erwartungen lagen noch nicht so hoch. Aber wenn du dann einen großen Film machst und einen Preis kriegst, erhöht sich das. Dann kam 2017, für mich ein krasses Jahr, wo alles geschah, was nur passieren konnte: vom Shooting Star bis zur Oscar-Verleihung, ich habe mit Jennifer Lawrence und Ralph Fiennes gedreht, „Dark“ kam heraus. Das war eine solche Anhäufung absurder Sachen, dass ich mir gesagt habe: Louis, pass auf, nächstes Jahr wird es nicht so werden. Mach dich darauf gefasst.

Und hat das was genutzt?

Natürlich nicht! Ich wurde trotzdem davon überrumpelt. Eigentlich war das alles zu viel. Und doch ist es unheimlich schwer, wenn es dann nicht mehr so viel ist. Hinzu kam, dass die Erwartungen sich immens erhöht haben. Und diesen Druck empfinde ich als sehr unangenehm, mit dem komme ich nicht so klar. Ich habe mich total verkrampft. Je selbstverständlicher es ist, dass man performt, desto größer ist der Druck, den man sich macht. Desto größer ist auch die Angst zu scheitern. Das sind Faktoren, die nicht wirklich helfen im freien Spiel. Deshalb ist mir „Prélude“ auch so nah gegangen – in der Zeit, als er gedreht wurde, aber auch danach. Weil ich diese Krise sehr gut nachvollziehen konnte.

Mehr zum Thema: „Klaviatur des Drucks“, die Filmkritik zu „Prélude“

Haben Sie sich Strategien erarbeitet, wie man einem solchen Druck standhält?

Ich musste vor allem lernen, mir selber zu verzeihen. Musste lernen, dass ich auch mal Fehler machen kann, ohne dass ich die furchtbar bereuen muss. Der schlimmste Druck war eben nicht der von außen, sondern der, den ich mir selbst gemacht habe. Ich hätte mich da durchaus sanfter behandeln können.

Sie haben im Gegensatz zu Ihrer Figur nie eine Ausbildung gehabt, haben keine Schauspielschule besucht. Fehlt Ihnen das manchmal? Wäre ein bisschen Handwerk zuweilen ganz hilfreich? Auch um mit so einem Druck umzugehen?

Um mit dem Druck umzugehen. Vor allem aber auch, um in Rollen zu finden. Vor kurzem habe ich begonnen, Sprechunterricht zu nehmen. Denn es juckt mich, eines Tages auch mal auf der Bühne zu stehen. Und dafür, habe ich gemerkt, fehlt mir doch handwerkliches Rüstzeug, das einem eine andere Sicherheit im Spiel geben kann.

In „Prélude“ muss sich Ihre Figur gegen Kommilitonen durchsetzen, die zwar Freunde sind, aber auch Konkurrenten. Wie ist das in Ihrer Branche? Empfindet man Kollegen da als Kumpel oder als Rivalen?

Ich glaube, Schauspieler, die ein paar Jahre älter sind als ich, sind eher so Einzelgänger, wenn nicht Einzelkämpfer. Bei unserer Generation ist das nicht so stark. Ich finde, wir sind besser zu einander. Man gönnt sich gegenseitig was und freut sich für einander. Das finde ich ganz wichtig: Denn Film und Spiel ist ein Miteinander. Da kann man nicht gegeneinander, man muss zusammen arbeiten.

Stimmt es, dass Sie immer noch in einer WG wohnen? Sie sind mittlerweile ein Star, Sie könnten sich doch längst ein eigenes Apartment leisten.

Bin ich ein Star? Ich weiß nicht. Dadurch, dass sich die Fans von „Dark“ weltweit verteilen, merke ich in Deutschland eigentlich keinen großen Unterschied. Aber Berlin ist ja auch kein Maßstab. Da kümmert es keinen auf der Straße, ob man deine Nase schon mal irgendwo gesehen hat. Ja, ich wohne immer noch in meiner WG. Das erdet mich auch ein Stück weit. Ich finde das ganz schön, von der Arbeit nach Hause zu kommen und da sind noch andere. Das gibt einem eine gesunde Distanz zu dem Beruf, man dreht sich da nicht immerfort um sich selbst und den eigenen Bauchnabel.

Junge Schauspieler müssen eigentlich ständig in den sozialen Netzwerken vertreten sein. Sie dagegen haben Ihren Facebook-Account wieder gelöscht und halten sich auch bei Instagram zurück. Eine bewusste Entscheidung?

Ja, diese Entscheidung fiel ganz bewusst. Auch das hat viel mit dem Thema Druck zu tun. Auch da wird ständig etwas von dir erwartet, dauernd musst du irgendwelche Postings machen, und die werden auch alle sofort bewertet. Wenn du dich selbst so durch Facebook scrollst, siehst du, wie toll alle anderen Leben sind, und fühlst dich komisch, wenn’s bei dir gerade nicht so ist. Dabei ist das alles nur eine Scheinwelt. Was einem gerade in einer Phase, in der man sich angreifbar fühlt, nicht gut tut. Deshalb sagte ich mir: Lass das mal.

Sie haben in der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ gespielt und in der ersten deutschen Amazon-Serie „You are Wanted“, aber auch in internationalen Kinofilmen wie „Red Sparrow“ oder „The White Crow“. Wo sehen Sie für sich die Zukunft? Im Kino? Oder auf den Streaming-Plattformen?

Ich glaube, Kino ist ein Erlebnis, das kein Fernsehen auf der Couch wettmachen kann. Zusammen in einer Gruppe Emotionen zu spüren und mitzugehen, das ist etwas so Besonderes, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das in nächster Zeit aussterben wird. Nur weil Streamingdienste gerade im Kommen sind. Klar: Durch den Boom wirkt das momentan so, als ob die Plattformen das Kino und als ob Serien Filme verdrängen. Ich glaube aber, dass der Hype da auch mal nachlassen und das Ganze sich wieder einpegeln wird. Ich hoffe es zumindest.

Und welches Format, Hand aufs Herz, ist Ihnen wichtiger?

Jetzt, nach drei Jahren „Dark“, möchte ich wieder mehr Kino machen. Das heißt nicht, dass ich keine Lust mehr auf Serien habe. Wir haben gerade mit der dritten Staffel angefangen. Und diese Erzählform ist eine wunderbare, die viele Vorteile hat. Ich bin sehr dankbar, mich darin ausprobieren zu können. Trotzdem habe ich jetzt wieder Lust auf eine Geschichte, die nach anderthalb, zwei Stunden auch mal abgeschlossen ist.