Filmfestival

Filmfest in Venedig beginnt mit Müttern und ihren Töchtern

Zwei Filme mit Catherine Deneuve und Nina Hoss eröffnen das Filmfestival von Venedig. Dabei überzeugt der deutsche Beitrag mehr.

Zwei Diven des französischen Films sorgen für Star-Rummel zur Eröffnung: Juliette Binoche (l.) und Catherine Deneuve auf dem Filmfestival von Cannes.

Zwei Diven des französischen Films sorgen für Star-Rummel zur Eröffnung: Juliette Binoche (l.) und Catherine Deneuve auf dem Filmfestival von Cannes.

Foto: picture alliance / Photoshot

Penélope Cruz’ Augen waren überall am Büffet. Zumindest blickte die Spanierin im altehrwürdigen Hotel Danieli von vielen Plakaten von Pedro Almodóvars Film „Volver“ auf all die feinen Häppchen, die ebenfalls voller Anspielungen auf den Meisterregisseur steckten.

Mit „All about the Mujeres“, also „Alles über die Frauen“, war dieser Partyabend vor dem Start des 76. Filmfestivals von Venedig entsprechend überschrieben: nicht nur als Hommage an Almodóvar, der hier mit einem Preis fürs Lebenswerk geehrt wird, sondern auch an seine außergewöhnlichen Frauenfiguren.

Zwei Diven im Rampenlicht

Im Hinblick auf die Diskussion im Vorfeld, die am Mittwoch auch von Jury-Präsidentin Lucrecia Martel in der Eröffnungspressekonferenz fortgeführt wurde, wirkte dieses Motto zwar eher wie ein ironischer Kommentar – schließlich wurden dieses Jahr lediglich zwei Regisseurinnen in den Wettbewerb eingeladen.

Zum Eröffnungsfilm „La vérité“ von Kore-eda Hirokazu wiederum hätte es bestens gepasst. Darin und auf dem roten Teppich standen zwei große Französinnen im Rampenlicht: Juliette Binoche und Catherine Deneuve.

Im Film des Japaners, der zuletzt in Cannes die Goldene Palme für „Shoplifters“ gewann und nun erstmals im Ausland gedreht hat, könnte vor allem die Besetzung mit Deneuve nicht treffender sein. Denn hier spielt sie eine Leinwanddiva, die anlässlich der Veröffentlichung ihrer Autobiografie Besuch von ihrer in ihrem Schatten stehenden Tochter (Juliette Binoche) aus den USA bekommt.

Catherine Deneuve: „Das bin nicht ich“

Daraus hätte sich, zumal mit diesem Titel, eigentlich eine intensive Mutter-Tochter-Konfrontation entwickeln können. Kore-eda fokussiert aber mit leiseren Tönen auf die Wahrheiten der verblassenden Karriere. Bitter und süß, amüsant und melancholisch reflektiert er das Altern (im Filmgeschäft) und die Schauspielerei in vielen kleinen Beobachtungen.

„Ich habe sehr viel von mir selbst in den Film gegeben“, erklärte die Deneuve am Lido, „aber die Schauspielerin ist anders. Das bin nicht ich, das ist ein Filmcharakter.“ Es hat trotzdem seinen Reiz, über mögliche Parallelen zu der eitlen Leinwandfigur zu spekulieren. Auch wenn Kore-eda insgesamt unter seinen Möglichkeiten bleibt und „La vérité“ kein großer Film zur Eröffnung ist, ist er immerhin ein recht schöner.

Eine intensivere Erfahrung war dagegen trotz Längen der Eröffnungsbeitrag der Nebenreihe „Orizzonti“, der von einer deutschen Regisseurin stammt: Katrin Gebbe zeigt in „Pelikanblut“ Nina Hoss als alleinerziehende Mutter, die zu drastischen Maßnahmen bereit ist.

Nina Hoss glänzt mit unerschrockenem Spiel

Sie will ihrer traumatisierten Adoptivtochter helfen, die keine Empathie empfinden kann. Während durch das aggressive Kind das anfängliche Familienidyll zur Hölle wird, kippt der Film selbst in sowas wie einen Horrorfilm: „zu einer Alptraumversion von Mutterschaft“, wie es Gebbe am Lido beschrieb.

Nicht nur Hoss’ unerschrockenes, einfühlsames Spiel ist dabei gewohnt stark. Auch die sehr junge Katerina Lipovska entwickelt mit unheimlicher Präsenz eine heftig destruktive Energie. Gebbes Film bis in letzter, übersinnlicher Konsequenz zu folgen, ist indes trotz aller Qualitäten eine Herausforderung.