Neu im Kino

„Playmobil – Der Film“: Die Fantasie wird im Keim erstickt

Lego oder Playmobil? Auf der Leinwand ist die Spielzeug-Frage entschieden: Die Playmobil-Variante ist reine Werbung. Mehr nicht.

Der Film kommt selbst unters Joch seiner Produkte.

Der Film kommt selbst unters Joch seiner Produkte.

Foto: Foto: Concorde

Es ist eine Glaubensfrage im Kinderzimmer: Playmobil oder Lego. Okay, als geplagte Eltern barfuß auf ein liegengebliebenes Spielzeugteil zu treten, ist immer schmerzhaft, egal ob Plastikmännchen oder Plastikstein. Aber in der filmischen Umsetzung ist die Frage jetzt geklärt.

Erste Eindrücke: der Trailer zum Film

Der schwedische Spielzeughersteller hat es vor ein paar Jahren vorgemacht und mit „Lego – The Movie“ für mehr Anarchie im Kinderzimmer gesorgt. Der visuell beeindruckende Film war ein Feuerwerk guter Gags und ein Plädoyer für hemmungslose Spielfreude.

Das Äquivalent „Playmobil – Der Film“ dagegen erzählt eine lahme Heldengeschichte, die genauso steif ist wie die Arme und Beine seiner Protagonisten. Eine junge Frau, die nach dem tödlichen Autounfall der Eltern ihr Leben zurückstellt und sich um den kleinen Bruder kümmert, wird mit ihm in eine magische Spielzeugwelt hineingezogen, wacht auf einer Lichtung im Märchenwald als Playmobilfigur auf, der Bruder ist verschwunden.

Kreativ ist anders

Es folgt eine Rettungsaktion mit James- Bond- Verschnitt-Gehilfe durch Themenwelten. Spätestens da fühlt sich „Playmobil – der Film“ an wie ein überlanger Werbefilm, in dem jedes potenzielle Merchandise, jede Playmobil- Themenwelt einmal vorgeführt wird. Egal ob Dinosaurier, Wikinger oder Piraten. Der Kaufimpuls ist da, die Phantasie wird im Keim erstickt. Was dem Film vor allem fehlt, ist ein subversiver Ansatz und eine Vision. Kreativ ist anders.

Kinderfilm F 2019, 100 min., von Lino DiSalvo