Konzert in Berlin

Duff McKagan begeistert im Astra nicht nur Guns N’Roses-Fans

Duff McKagan, Gitarrist der Gruppe Guns N’Roses, setzt im Astra ganz auf die Kraft der Musik - und liefert ein großartiges Konzert ab.

Der US-Musiker Duff McKagan, Gitarrist von Guns N' Roses, live mit seiner Band Loaded (Archivbild).

Der US-Musiker Duff McKagan, Gitarrist von Guns N' Roses, live mit seiner Band Loaded (Archivbild).

Foto: Oliver Gutfleisch / picture alliance / imageBROKER

Berlin. Ein Rockstar probt den Alleingang. Duff McKagan ist Bassist der Stadionrocker Guns N’Roses. Doch für seine Soloprojekte macht er es gern eine Nummer kleiner. Er geht in die Clubs. Er sucht die Nähe zum Publikum. Und er überrascht die Fans im Konzert mit zumeist balladesken Countrysong, die nur noch wenig mit dem Breitwand-Rock-’n’-Roll seiner angestammten Guns-Truppe zu tun haben.

Das Astra in Friedrichshain ist am Freitagabend bestens gefüllt, als McKagan die Songs seines neuen Albums „Tenderness“ in Berlin vorstellt. Ein außergewöhnlicher Abend. Ein Doppelkonzert eigentlich. Denn zunächst kommt Country-Rocker Shooter Jennings, Sohn von Countrylegende Waylon Jennings und Sängerin Jessi Colter, mit seiner Band auf die Bühne und überzeugt mit einem bodenständigen Mix aus Country-Rock mit heftig psychedelischem Einschlag.

Nach dem krachenden Rock-’n’-Roller „Bound To Git Down“ zum Auftakt nimmt er mit auf eine Reise durch die wilde Welt des Outlaw-Country, über staubige Straßen und durch schwüle Honky-Tonks, gestärkt von vier bestens aufeinander eingespielten Musikern, die musikalische Finesse mit erdig-rauem Ensemblespiel zu paaren wissen.

Eine Verbeugung vor David Bowie und Iggy Pop

Als Verbeugung vor Berlin, der Stadt, in der mit David Bowie einer seiner Helden und mit Iggy Pop einer von Duff McKagans Helden gelebt und gearbeitet haben, spielen sie zum Abschluss nach nahezu einer Stunde Bowies „Rock ’n’ Roll Suicide“.

Es gibt einen guten Grund, warum Jennings, der immer wieder zwischen Keyboards und Gitarre wechselt, mit auf Tournee ist. Er hat Duff McKagans Album produziert. Seine Band war mit im Studio. Und so kehren sie alle nach einer nur kurzen Umbau- oder besser gesagt Verschnaufpause für die Musiker zurück und sind fortan McKagans Begleitband.

Duff McKagan, der meist akustische Gitarre spielt, ist ein fein beobachtender Songschreiber. Seine Lieder widmen sich ohne großes Pathos Themen wie Drogenmissbrauch, Schießereien an Schulen, Beziehungsproblemen oder sexuellen Übergriffen. Er findet klare Worte, er singt mit einer Stimme, die mitunter ein wenig an Richard Hell oder Johnny Thunders erinnert. Es sind dynamisch aufsteigende Balladen, die Rock und Country auf wunderbare Weise vereinen. Was von der großartigen Geigerin und Sängerin Aubrey Richmond und dem E- und Pedal-Steel-Gitarristen John Schreffler stilversiert unterstrichen wird.

Duff McKagan hat die Guns N’Roses-Fans auf seiner Seite

Zum Auftakt freilich beglückt McKagan die vielen Guns N’Roses-Fans im Saal mit „You Ain’t The First” vom „Use Your Illusion I”-Album. Und schon hat der 55-Jährige das Publikum auch bei den weniger bekannten neuen Liedern auf seiner Seite. Wie „Breaking Rocks“, das er gemeinsam mit dem hinter Keyboards verschanzten Shooter Jennings singt, oder „Tenderness“, dem bewegenden Titelsong der CD. Er schafft es, alle elf Stücke der Platte im Konzert unterzubringen. Das Liebeslied „Wasted Heart“ widmet er seiner Frau Susan. Und mit „Feel“ würdigt er die vielen zu früh gestorbenen Kollegen von Scott Weiland über Prince bis zu Chris Cornell.

Bassist Ted Russell Kamp und Schlagzeuger Jamie Douglas bringen die mal filigranen, mal aufbrausenden Stücke auf Touren. Mit „Dust N’Bones“ und „Dead Horse“ stehen noch zwei weitere Guns N’Roses-Songs auf dem Programm und bei der Clash-Coverversion „Clampdown“, bei der McKagan dann doch zur E-Gitarre greift, kommt das ganze Astra in Bewegung.

Ganz ohne Showfirlefanz, nur in schlicht gedämpftes Licht getaucht, setzt diese Gruppe ganz auf die Kraft der Musik. Und beendet diesen begeisternden Abend zugabenlos mit Mark Lanegans „Deepest Shade“. Dabei steigt McKagan von der Bühne und singt die liebevollen Zeilen ganz nah mitten im Publikum, bevor das Lied in anschwellender Lautstärke kulminiert. Was für ein großartiges Konzert.