Konzert in Berlin

Party mit Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau

Feine Sahne Fischfilet werden bei ihrem Konzert in der Zitadelle Spandau gewohnt politisch. Doch es bleibt genug Raum zum Feiern.

Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, tritt beim Open-Air Konzert der Politpunkband Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau auf.

Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, tritt beim Open-Air Konzert der Politpunkband Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau auf.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Der erste Fan lässt sich bereits von den Händen der Menge tragen, da hat die Band noch gar nicht zu spielen begonnen. Erst eine halbe Minute später fällt das Banner, das bis jetzt die Bühne verdeckt hat, mit einem Knall zu Boden. Sofort wird das erste Bengalo angezündet und taucht die Umstehenden in rotes Licht. Jemand reckt die Krücken empor, die er eben noch zum Gehen benötigt hat, und kurz darauf beginnt ein heiterer Moshpit, der bis zum Ende des Abends nur minutenweise zum Stillstand kommen wird.

Ursprünglich hatte das Konzert von Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau bereits im Juli stattfinden sollen, eine Verletzung am Arm des Gitarristen Christoph Sell zwang die Band jedoch, den Auftritt auf den 23. August zu verlegen. Dem geänderten Termin zum Trotz ist die Zitadelle am Freitagabend restlos ausverkauft. Die Stimmung überzeugt von Anfang an. Zu Songs wie „Alles auf Rausch“ springen die Besucher über das Gelände, werfen euphorisch ihre Bierbecher oder auch mal ihre T-Shirts und Schuhe von sich.

Feine Sahne Fischfilet: Kämpferische Protestsongs und Trinkerballaden

Die meisten Lieder der Punk-Band aus Mecklenburg-Vorpommern lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Kämpferische Protestsongs und Trinkerballaden, in denen es um ausufernden Alkoholkonsum geht. Passend dazu versorgt Sänger Monchi, bürgerlich Jan Gorkow, sein Publikum mit Alkohol, indem er zum Beispiel einen Kasten Bier in die ersten Reihen reicht oder die Fans von der Bühne aus mit Schnaps bespritzt.

Die umstrittene Band machte im vergangenen Jahr vor allem durch ihr geplantes Konzert im Bauhaus Dessau Schlagzeilen. Der Auftritt, der durch das ZDF aufgezeichnet werden sollte, wurde vom Bauhaus aus Angst vor politischen Auseinandersetzungen abgesagt und stattdessen in Dessaus Alte Brauerei verlegt.

Die Politpunker, die für ihren Einsatz gegen Rechts bekannt sind, wurden unter anderem vom derzeitigen Außenminister Heiko Maas für ihr Engagement gelobt. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brachte sich mit der Band in Verbindung, als er 2018 bei Facebook auf das Open-Air-Konzert unter dem Motto #wirsindmehr in Chemnitz aufmerksam machte, das dort als Reaktion auf die Ausschreitungen rechter Demonstranten stattfand.

Steinmeier und Maas wegen Feine Sahne Fischfilet kritisiert

Sowohl Steinmeier als auch Maas sahen sich anschließend heftiger Kritik ausgesetzt, da die Band immer wieder als linksextremistisch bezeichnet wird und zwischen den Jahren 2011 und 2015 mehrmals im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern auftauchte. Grund hierfür waren unter anderem Songtexte der Band, die eine „grundlegende Ablehnung des Staates einschließlich seiner freiheitlichen demokratischen Grundwerte“ ausdrückten, so der Bericht aus dem Jahr 2012.

Am Freitagabend in der Zitadelle sind jedoch keineswegs nur linksautonome Gruppierungen vertreten. Stattdessen ist das Publikum bunt gemischt, und vom Kind mit Gehörschutz bis zum alten Ehepaar sind alle Generationen vertreten. Das Energiepensum ist konstant auf hohem Niveau, und so geht das Pogotanzen zu Songs wie „Geschichten aus Jarmen“ und „Zuhause“ fröhlich weiter.

Und natürlich hat die Band, deren Album „Sturm & Dreck“ im vergangen Jahr Platz 3 der deutschen Charts erreichte, neben Freibier und Schnapsduschen noch weitere Überraschungen parat. Unter anderem wird eine gewaltige aufblasbare Banane ins Publikum geworfen, die die Fans in den nächsten Minuten versuchen zu erklimmen und sich möglichst lange auf ihr zu halten.

Auch ein Schulchor aus Mecklenburg-Vorpommern tritt auf

Später am Abend folgt eine weitere Überraschung in Form eines Schulchors aus Mecklenburg-Vorpommern, der die Band nicht nur gesanglich unterstützt, sondern sich auch mal am Stagediving probieren darf, so dass für einige Minuten etwa ein Dutzend Teenager über die Hände der Menge gleiten.

Monchi hat während des gesamten Konzerts sichtlich Spaß auf der Bühne. Er versorgt die ersten Reihen fleißig mit Bierflaschen, trommelt zur Musik auf seiner nackten Plauze und schlägt ungläubig die Hände über dem Kopf zusammen, wenn die Fans lauthals in den Refrain einstimmen. Doch zwischendurch bedient der Sänger sich auch ernsterer Töne. Zum Beispiel, wenn er auf die AfD schimpft, wenn er auf die kommenden Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg aufmerksam macht oder wenn er harsch den fehlenden Einsatz von CDU und SPD für die Seenotrettung im Mittelmeer kritisiert. Dabei wird er nie pathetisch, Abgesänge sind ihm fremd, stattdessen betont er, wie wichtig es sei, nicht nur zustimmend zu nicken, wenn jemand sich politisch engagiere, sondern auch selbst aktiv zu werden.

Ein bis zum Ende politisches Konzert

Das Konzert bleibt bis zum Ende politisch, es werden Antifa-Flaggen in die Höhe gereckt und Gesänge gegen die Polizei angestimmt. Da muss man nicht jede Meinung teilen, doch der Pathos mit dem sich die Musiker und ihre Fans gegen den Rechtsruck in Deutschland und Europa aussprechen, ist durchaus beeindruckend.

Ganz zum Schluss spielt die Band mit „Komplett im Arsch“ ihren bisher größten Hit. Der Moshpit kommt noch einmal in Fahrt, während die Bengalos verglimmen und die Fans aus vollem Halse mitgrölen. So endet der Abend mit einem Höhepunkt und der Aufforderung Monchis, ihn nach dem Konzert bei der Aftershowparty im Mensch Meier an der Bar zu treffen.