15 Jahre Medienboard

Filmregion Berlin-Brandenburg: Erfolgsjahr mit Dämpfer

Das Medienboard Berlin-Brandenburg wird 15 Jahre alt – und kann das mit ganz guten Zahlen feiern. Nur das Kinojahr 2018 spielt nicht mit.

Der besucherstärkste deutsche Film des vergangenen Jahres, vom Medienboard gefördert: „Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link.

Der besucherstärkste deutsche Film des vergangenen Jahres, vom Medienboard gefördert: „Der Junge muss an die frische Luft“ von Caroline Link.

Foto: dpa

Der Termin war eher zufällig gewählt. Aber es ist dennoch hübsch, dass erst am Mittwochabend „Systemsprenger“ zum deutschen Kandidaten für den Auslands-Oscar gekürt wurde. Nora Fingscheidts Film wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert, das am Donnerstagmorgen seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2018 vorlegte.

Da konnte diese Erfolgsnachricht gleich mitvermeldet werden. Die war allerdings ziemlich erwartbar. Von den sieben Kandidaten, die für den Oscar zur Auswahl standen, waren nämlich fünf vom Medienboard gefördert. Das zeigt aber: Im deutschen Kino ist kein Vorbeikommen an dem erfolgreichsten deutschen Fördertopf.

Das Drehvolumen hat sich in 15 Jahren verfünffacht

Dabei wurde gestern nicht nur der alljährliche Erfolgsreport vorgestellt. Das Medienboard der beiden Bundesländer kann damit auch sein 15-jähriges Bestehen feiern. Und untertreibt dabei sogar noch. Angefangen hat es ja bereits vor 25 Jahren, damals noch als reiner Filmfördertopf, also als Filmboard. Seit 15 Jahren aber werden auch Serien, New Media und Games gefördert.

Als sie 2005 das erste Mal auf die Berlinale kam, erinnert sich Geschäftsführerin Kirsten Niehuus, waren zwei Filme im Wettbewerb vom Board gefördert. Schade, dachte Niehuus, das wird wohl nie wieder so sein, und das waren noch nicht mal von ihr geförderte Produktionen. Seither aber ist die Entwicklung geradezu explodiert.

An jedem Tag des Jahres wird zwei Wochen lang gedreht

Seit Jahren schon ist Berlin der deutsche Medienstandort Nr. 1. Schauen wir nur auf das zurückliegende Jahr: Gleich sechs Filme made in Berlin-Brandenburg schafften es in die Top Ten der erfolgreichsten deutschen Filme, vier davon waren Zuschauermillionäre, der erfolgreichste Film mit 3,6 Millionen Besucher war Caroline Links Kerkeling-Verfilmung „Der Junge muss an die frische Luft“.

Die beiden Bundesländer, die zwar nicht politisch, aber zumindest fördertechnisch eine Fusion schafften, kamen im Vorjahr auf insgesamt 5300 Drehtage. Das heißt, an jedem Tag des Jahres fand irgendwo in der Region ein mehr als zweiwöchiger Dreh statt. Die Zahl hat sich damit seit Gründung des Medienboards verfünffacht.

2018 entstanden hier etwa die Babelsberg-Romanze „Traumfabrik“, Philipp Stölzls Musical-Verfilmung „Ich war noch niemals in New York“, die Ehrenmord-Aufarbeitung „Nur eine Frau“, die Schirach-Verfilmung „Der Fall Collini“ oder die internationale Produktion „Charlie’s Angels“ mit Kristen Stewart, aber auch Serien wie „Beat“ und Staffeln von „Bad Banks“, „Counterpart“ und „Babylon Berlin“.

Der Erfolg lässt sich dabei in klaren Zahlen ablesen. 439,6 Millionen Euro wurden in den Medienstandort investiert. Allein 31,6 Millionen gingen in die Filmförderung, davon flossen 146,2 Millionen Euro an Investitionen zurück. Der sogenannte Regionaleffekt, also was die Filmförderung der Region bringt, liegt bei 462 Prozent.

Auf jeden Förder-Euro fließen fünf Euro in die Region zurück

Seit Jahren also kommen auf jeden geförderten Euro knapp fünf Euro zurück (siehe Grafik). Noch besser sind die Zahlen indes bei der Serienförderung: Hier beträgt der Regionaleffekt sogar 600 Prozent.

Andere Zahlen dämpfen die Erfolgsbilanz jedoch. Das vergangene Kinojahr war ziemlich mau. In deutschen Kinos wurden nur 22 Millionen Tickets verkauft, dreieinhalb Millionen weniger als 2017 und über 15 Millionen weniger als im Rekordjahr 2015 (37,1 Mio. Euro). Das lässt eine ketzerische Frage zu: Fördert das Medienboard falsch? Gibt es sein Geld an der falschen Stelle aus? Müsste es nicht viel mehr Geld in Serien stecken statt in Kinofilme, wenn die Deutschen lieber streamen, als in Kinos zu gehen?

Keineswegs, meint Christian Gaeb­ler, der Chef der Berliner Senatskanzlei, der auch Aufsichtsratsvorsitzender beim Medienboard ist. Man betreibe ja nicht nur Wirtschaftsförderung, sondern auch Kulturförderung. Und Film sei ein nationales Kulturgut. Kirsten Niehuus sieht für das laufende Kinojahr auch schon Anzeichen der Entspannung. Sie glaubt außerdem nicht, dass der derzeitige Serien-Hype sich negativ auf den Spielfilm auswirkt. Die Wechselwirkungen würden sich stattdessen intensivieren.

Immer mehr Spielfilmregisseure drehen Serien, das sei ein klarer Trend. Das habe aber auch mit den größeren künstlerischen Freiheiten dort zu tun. Und die könnten auf den klassischen Spielfilm zurückwirken.

Langfristig muss ein Steuermodell her

Der eben gekürte Oscar-Kandidat „Systemsprenger“ sei da ein gutes Beispiel: Radikal und und konsequent in seiner Machart, hätte er so kompromisslos vor Kurzem vielleicht noch nicht produziert werden können. Durch die Aufweichung der alten Auswertungsfenster aber finden immer mehr eigenwillige Produktionen ihr Publikum auf andere Weise. Systemsprenger also auch in diesem Sinne.

Das Problem ist indes ein anderes. Es wird nicht zu viel, aber vielleicht nicht richtig gefördert. In Deutschland gibt es zu viele regionale Fördertöpfe. Andere Filmnationen dagegen locken internationale Großproduktionen mit Steuermodellen an, die einfacher zu handhaben und letztlich auch verlässlicher sind.

Wenn Deutschland international weiter mithalten will, reicht es nicht, noch ein paar Millionen in die Fördertöpfe zu legen. Es würde schon helfen, so Niehuus, wenn kurzfristig die Kappungsgrenzen wegfallen würden. Die Idealvorstellung aber wäre ein Steuermodell.