Oscar

„Systemsprenger“ geht für Deutschland ins Oscar-Rennen

Gleich mit ihrem Spielfilmdebüt wird Nora Fingscheidt ins Oscar-Rennen geschickt. Das Preis-Glück hängt von einer Elfjährigen ab.

Unerziehbar: Die grandiose Helena Zengel als Problemkind in „Systemsprenger“

Unerziehbar: Die grandiose Helena Zengel als Problemkind in „Systemsprenger“

Foto: Port au Prince

Damit hatte keiner gerechnet. Das Sozialdrama „Systemsprenger“ geht als deutscher Kandidat ins Rennen um den Auslands-Oscar. Das gab am Mittwoch die zuständige Dachorganisation German Films bekannt. Zwei Tage lang hat sich eine unabhängige Jury aus neun Branchenverbänden in München zwischen sieben Filmen entscheiden müssen.

Darunter gleich drei Bestseller-Verfilmungen, „Der Junge muss an die frische Luft“ nach Hape Kerkeling (von Caroline Link, die bereits einen Oscar gewann), „Deutschstunde“ nach Siegfried Lenz und „Der Fall Collini“ nach Ferdinand Schirach. In letzten beiden ging es auch um die Aufarbeitung von deutscher Schuld – was beim Auslands-Oscar immer gut ankommt.

Eine Entscheidung gegen die sonstigen Erfolgs-Kriterien

Aber der Fall „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck zeigte im Vorjahr, dass weder Oscar-Meriten noch deutsche Vergangenheit zwingend zum Erfolg führen. Der Film kam zwar unter die fünf Nominierten, ging dann aber trotzdem leer aus.

Nora Fingscheidts „Systemsprenger“ handelt nun nicht von Geschichte, und nicht von Literatur. Sondern von einem schwer erziehbaren Mädchen, das durch alle Raster fällt. Solche Kinder, bei denen keine soziale Einrichtung mehr greift, werden von Sozialarbeitern inoffiziell tatsächlich „Systemsprenger“ genannt.

Der 36-jährigen Fingscheidt, die bislang als Dokumentarfilmerin von sich reden machte, ist nun gleich mit ihrem Spielfilmdebüt ein großer Wurf gelungen, der mit einer klaren Bildsprache überzeugt und vor allem durch die damals elfjährige Hauptdarstellerin Helena Zengel, die Fingscheidt mit großem Gespür anleitete.

Der Film wurde bei seiner Premiere auf der Berlinale gefeiert und erhielt nicht nur einen Silbernen Bären, sondern auch den Publikumspreis, den die Leserjury der Berliner Morgenpost verleiht. Mal sehen, ob die heute Elfjährige auch die Academy begeistern wird.

Im Vorjahr haben 87 Länder einen Kandidaten für den besten nicht-englischsprachigen Film eingereicht. Kurz vor Weihnachten wird die Academy eine Shortlist mit zehn Filmen verkünden. Daraus werden dann fünf Nominierungen ausgewählt und am 13. Januar 2020 bekanntgegeben. Die Oscar-Verleihung findet am 9. Februar in Hollywood statt.