Filmreihe

Ufa Filmnächte: In die Sterne und auf den Mond gucken

Die Ufa-Filmnächte zeigen wieder drei Tage lang Stummfilmklassiker. Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Mondlandung ist „Die Frau im Mond“.

Wir waren zuerst da: So stellte sich Fritz Lang 1929 in „Die Frau im Mond“ die Mondlandung vor.

Wir waren zuerst da: So stellte sich Fritz Lang 1929 in „Die Frau im Mond“ die Mondlandung vor.

Foto: © Horst von Harbou / Deutsche Kinemathek

Der Mondlandung der Amerikaner ist in diesem Jahr, zu deren 50. Jahrestag, reichlich gedacht worden. Dabei waren die Deutschen doch zuerst da. Schon ganze 40 Jahre zuvor. Sie waren es zumindest im Filmstudio – wo ja, wie nimmermüde Verschwörungstheoretiker bis heute behaupten, auch die US-Regierung ihre Mondlandung 1969 nur vorgetäuscht haben soll.

1929 hatte Fritz Lang im Filmstudio Babelsberg den Stummfilmklassiker „Die Frau im Mond“ inszeniert. Nach seinem immens teuren Science-Fiction-Meilenstein „Metropolis“, mit dem er 1927 fast die Ufa ruiniert hätte, legte Fritz Lang nur zwei Jahre später mit einer weiteren Zukunftsmusik nach.

Fritz Lang hat nebenbei den Countdown erfunden

Die blickte auch gender-technisch weit voraus. Denn hier bestand die Crew nicht nur aus männlichen Astronauten, sondern auch aus einer Frau, die als einzige in den Filmtitel fand. Und ganz nebenbei hatte der Meisterregisseur in seinem Film auch noch den Countdown erfunden, der sich dann wirklich in der Raumfahrt einbürgern sollte.

„Wenn ich eins, zwei, drei vier, zehn, 50, 100 zähle, weiß das Publikum nicht, wann die Rakete losgeht“, sagte Lang einmal, „aber wenn ich rückwärts zähle, zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, NULL! - dann verstehen sie!“

Das Raumfahrtfieber angekurbelt

War „Metropolis“ noch reine Science-Fiction, sollte „Die Frau im Mond“ so etwas wie Science Fact werden. Dafür holten sich der Meisterregisseur und seine Frau und Drehbuchautorin Thea von Harbou den Physiker und Raumfahrtpionier Hermann Oberth ins Studio, wo sie ihm sogar eine eigene Werkstatt finanzierten.

Oberth beriet sie. Zur Uraufführung des Films sollte er im Oktober 1929 sogar eine eigene Rakete zünden. Dazu ist es zwar nicht gekommen, aber allein der Plan ging ein als ebenfalls zukunftsweisendes Musterbeispiel frühen Film-Marketings in die Geschichte ein.

„Die Frau im Mond“ sollte das Raumfahrtfieber erst so richtig antreiben und massenpopulär machen. Wer weiß, ob sich mancher Traum von der Eroberung des Erdtrabanten nicht mit Bildern aus Langs Klassiker nährte. Und wie nahsein All-Ausflug an der Realität war, sollte sich auch darin erweisen, dass an der Mondlandung, 40 Jahre nach der Film-Sensation Wernher von Braun maßgeblich beteiligt war: ein Assistent Oberths.

So wissenschaftlich die Voraussetzungen, so fantastisch freilich gestalteten Lang und Harbou ihre Mondreise. Ihre Astronauten steckten in Strickjacken und Skischuhen aus Blei, als ging es nur auf Bergwanderung. Sie konnten auf dem Mond atmen und suchten mit Wünschelrute nach Gold.

Astronaut sein – ein Kinderspiel

Und auch der Weltraumtourismus, der zur Zeit ja wieder ganz aktuell diskutiert wird, wurde schon vorausgeahnt: in Form eines kleinen Knirpses, der sich als blinder Passagier in die Raumkapsel hineinschwindelt. Der darf am Ende die Rakete sogar zurück auf die Erde steuern: die Raumfahrt – ein Kinderspiel.

„Die Frau im Mond“ wird jetzt, fast genau 90 Jahre nach seiner Uraufführung, ein Highlight der „Ufa-Filmnächte“, mit denen die Ufa und das Medienunternehmen Bertelsmann wie jedes Jahr drei Abende hintereinander große Stummfilme unter freiem Himmel vor der lauschigen Kulisse der Kolonnaden auf der Museumsinsel präsentieren.

Drei Filme, einer über die damalige Gegenwart, einer über die Vergangenheit und einer über die Zukunft. Und allesamt Klassiker, die mit Live-Musik untermalt werden. Aber nicht mit Original-Partituren der Entstehungszeit, sondern mit neuen, oft radikal anderen und eigens für die Vorführung komponierten Klangteppichen.

Verschollen, wieder entdeckt und restauriert

Den Auftakt macht am heutigen Mittwoch Richard Oswalds „Eine tolle Nacht“ (1926/27), wo ein Insektenpulverfabrikant aus der Provinz einem Varieté-Star in die Hauptstadt folgt. Eine rasante Komödie über das pulsierende, hektische, nie schlafende, nimmermüde Berlin. Ein eindringliches Zeitdokument über die damalige Viermillionenstadt mit all ihren Widersprüchen und krassen Kontrasten. Lange galt der Film als verschollen, bis er im Staatlichen Russischen Filmarchiv Gosfilmofond wieder entdeckt und dann mustergültig digital restauriert wurde. Dazu spielt das Filmorchestra The Sprockets eine Neukomposition von Frido ter Beek und Maud Nelissen.

Den Abschluss am Freitag macht Ernst Lubitschs Monumentalfilm „Madame Dubarry“, der älteste der drei Filme, der vor knapp 100 Jahren, am 18. September 1919, in Berlin uraufgeführt wurde. Und bei dem das Neue Palais in Potsdams Schloss Sanssouci mal eben als Kulisse für das Versailles des französischen Königs Ludwig XV. diente.

Alter Film mit neuen Tönen

Das Drama über die Französische Revolution, just entstanden, als das deutsche Volk selbst revoltierend auf die Straßen ging, hat Ekkehard Wölk mit einer Neukomposition versehen, das von dem eigens für diesen Anlass gegründete Ensemble Ancien Régime spielen wird.

Der Höhepunkt der Ufa Filmnächte wird aber, im Jubiläumsjahr der Mondlandung, „Die Frau im Mond“ sein. Und während es sonst nicht jeder Cinephile schätzt, wenn Stummfilme mit dezidiert neuzeitlichen Tönen kontrastiert werden, macht das bei einem Science-Fiction-Film durchaus Sinn.

Langs Reise zum Mond wird von Jeff Mills musikalisch begleitet. Die DJ-Legende aus den USA ist so Science-Fiction- wie Fritz-Lang-erprobt. 2017 hat Mills am nämlichen Ort auch schon „Metropolis“ mit Techno-Tönen verfremdet. Zu seinen Klängen kann man bei „Die Frau im Mond“ open-Air gleich doppelt in den Sternenhimmel gucken: auf der Leinwand – und dahinter.

Ufa Filmnächte Kolonnadenhof der Museumsinsel, 21. bis 23. August, je 21 Uhr. Kartentel.: 01806-9990000 oder unter www.ticketmaster.de