Auszeichnung

Margit Carstensen: „Ich glaube, ich ertrag’ das nicht“

Sie ist eine der großen Fassbinder-Musen, aber kaum noch zu erleben: Am Montag erhielt Margit Carstensen den Götz George Preis.

Preisträgerin Margit Carstensen (M.) mit Marika George (l.) und Tanja George beim Götz George Preis

Preisträgerin Margit Carstensen (M.) mit Marika George (l.) und Tanja George beim Götz George Preis

Foto: Annette Riedl / dpa

Es ist ein Preis, der Mut macht, aber auch Mut erfordert. Der Götz George Preis, im Vorjahr von der Götz George Stiftung ausgelobt, ist nicht nur ein weiterer Preis für Schauspieler. Von denen gibt es wahrlich genug.

Er richtet sich dezidiert an ältere Künstler, die in jüngerer Zeit nicht mehr so viel zu arbeiten hatten – und das Preisgeld, immerhin in Höhe von 10.000 Euro, vielleicht gut gebrauchen können. Auch wenn das dabei nicht im Vordergrund steht, wie Marika George – die Witwe von Götz George, die mit dessen Tochter Tanja George im Vorstand der Stiftung sitzt – betont.

Mehr zum Thema: Marika George über den Götz George Preis

Am gestrigen Montag ist der Preis in Berlin in der Astor Film Lounge zum zweiten Mal verliehen worden. Und die diesjährige Preisträgerin ist sogar noch hochkarätiger als im Vorjahr. 2018, zum 80. Geburtstag von Götz George, durfte ihn die damals 77-jährige Karin Baal entgegennehmen, die einmal ein Star war, dann aber tief gefallen ist und nur noch Nebenrollen abbekam.

Ein Gesicht des Neuen Deutschen Films

Die heute 79-jährige Margit Carstensen ist dagegen ein Gesicht des frühen Rainer Werner Fassbinder und des Neuen Deutschen Films. Sie spielte Hauptrollen etwa in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972), „Satansbraten“ (1976“) – oder „Martha“ (1974), der Film, den sie ihren wichtigsten nennt. Nicht nur, weil Kameramann Michael Ballhaus dabei seine berühmte Kreiselfahrt erfand, als er seine Kamera um sie und Karlheinz Böhm rotieren ließ.

Fassbinder, Böhm und auch Ballhaus sind längst gestorben. Aber auch um Margit Carstensen ist es in letzter Zeit recht still geworden. Einen letzten schönen Auftritt hatte sie 2016 im letzten Konstanzer „Tatort“ von Eva Mattes, zusammen mit Irm Hermann und Hanna Schygulla, noch zwei Fassbinder-Musen. Diese „Tatort“-Folge freilich hatte auch Zitat-Charakter, vereinte sie doch noch mal die vier Darstellerinnen der „Bitteren Tränen der Petra von Kant“.

Carstensen hatte zunächst an diversen Bühnen gespielt. Populär wurde sie aber durch Fassbinder. Nach dessen Tod drehte sie auch mit anderen Erfolgs­regisseuren wie Chris Kraus, Romuald Karmakar oder Christoph Schlingensief. Und spielte auch an den Staatlichen Bühnen Berlin, an den Münchner Kammerspielen und in Bochum, wohin sie Leander Haußmann holte.

Kunstvoll versponnene Laudation

Haußmann hielt denn auch eine kunstvoll versponnene Laudatio, in der er schwärmte, Carstensen sei „eine Schauspielerin, mit der man Pferde stehlen kann“. Sie sei aber auch ein Star, der nie einer sein wollte. Was sie sehr sympathisch mache, aber vielleicht auch ein Grund für diesen Abend sei. Weil sie nicht genüg Präsenz gezeigt habe.

Die also Geehrte gab sich sprachlos: „Ich glaube, das ertrag’ ich nicht“, sagte sie. Und bestätigte damit Haußmanns These. Sie stellte aber klar, dass sie keine seelische Not leide. Dass sie sich zurückgezogen hat, sei krankheitsbedingt. Sie versuche, wieder auf die Beine zu kommen. Der große Abend für sie mag da helfen. Auch wenn Teppiche eben so gar nicht ihre Art sind.