Götz George Preis

„Was würde Götz tun? Wie wirken wir in seinem Sinn?“

Am 19. August wird der Götz George Preis verliehen. Ein Treff mit Marika George, die sich für die Belange ältere Schauspieler einsetzt.

Die Stiftung ist ihr eine Herzensangelegenheit: Marika George, die Witwe von Götz-George.

Die Stiftung ist ihr eine Herzensangelegenheit: Marika George, die Witwe von Götz-George.

Foto: Reto Klar / Funke Foto Service

Sie steht nicht gern in der Öffentlichkeit. Noch zu Lebzeiten ihres Mannes Götz George hielt sich Marika George stets zurück, wenn das Paar öffentlich auftrat. Interviews mag sie schon gar nicht geben. Aber nach dem Tod ihres Mannes 2016 hat die Witwe zusammen mit Tanja George, der Tochter aus seiner ersten Ehe, die Götz-George-Stiftung gegründet. Am morgigen Montag wird zum zweiten Mal der Götz-George-Preis der Stiftung verliehen. Nicht der x-te Schauspielerpreis, sondern einer, der dezidiert an ältere Schauspieler geht, die nicht mehr so im Rampenlicht stehen – und das Preisgeld von 10.000 Euro vielleicht gut brauchen können. Auch sonst unterstützt die Stiftung ältere Schauspieler. Und rückt das Tabuthema Altersarmut bei Künstlern mehr ins Bewusstsein. Dafür wird Marika George am 29. August auch in der öffentlichen Podiumsdiskussion „Ruhm statt Rente“ sitzen, die die Stiftung gemeinsam mit dem Grimme-Institut veranstaltet. Dort wie bei der Preisverleihung morgen kann Marika George also nicht anders: Da muss sie einmal in die Öffentlichkeit. Wir trafen sie vorab im Hotel Bristol getroffen.

Es gibt eigentlich schon genug Schauspielerpreise. Aber der Götz George Preis setzt sich sehr davon ab. Er richtet sich an ältere Schauspieler, die ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Dem Preis kommt damit auch eine soziale, vielleicht sogar karitative Rolle zu?

Marika George: Es war der Wunsch meines Mannes, diese Stiftung zu gründen, und das haben seine Tochter Tanja und ich umgesetzt. Der Schwerpunkt der Stiftung liegt in der Unterstützung älterer Schauspielerinnen und Schauspieler. Das ist gar nicht immer so einfach, wir sind auch durch Vorgaben von Behörden und Gesetzen eingeschränkt. Wenn die Künstler Hartz IV beziehen, müssen sie unsere Spende dem Arbeitsamt vorlegen und hätten im Endeffekt mehr Abzüge. Wir versuchen deshalb, sie auf andere Art zu unterstützen. Eine der Möglichkeiten war eben, den Götz George Preis ins Leben zu rufen, der an verdiente Künstler geht, die nicht mehr im Rampenlicht stehen. Der finanzielle Zuschuss ist ein Bonus, es geht uns aber vor allem darum, diese Künstler zu ehren und ihnen noch einmal eine Bühne zu bereiten. Dieser Preis ist einzigartig in seiner Funktion. Die Verleihung ist ein Schritt von vielen und soll ein Zeichen setzen.

Die George-Stiftung rückt damit auch ein Reizthema ins Schlaglicht, das bisher ein Tabu ist: die Altersarmut bei Schauspielern. Zu dem Thema veranstalten Sie mit dem Grimme-Institut auch eine Diskussionsrunde. Gibt es dazu eigentlich feste Zahlen?

Die gibt es und sie sind alarmierend. Der BFFS, der Bundesverband der Schauspieler, setzt sich seit Jahren für bessere Tarifverträge und eine angemessene Altersversorgung ein. Nicht wenige Schauspieler verdienen unter 20.000 Euro im Jahr. Nach Abzug aller Abgaben bleibt ihnen nicht mehr als 1000 Euro monatlich. Damit nähern sie sich bereits der Armutsgrenze. Es ist natürlich ein sensibles Thema. Niemand gibt gern offen zu, dass er finanzielle Hilfe braucht. Und das wird der Inhalt der Podiumsdiskussion sein. Unser Ziel ist es, die Politik zu bewegen, bessere Bedingungen im Sozialsystem für Schauspielerinnen und Schauspieler zu schaffen.

Können Sie uns ein paar Beispiele geben?

Wir setzen uns dafür ein, dass ältere Schauspieler wieder mehr beschäftigt werden. Wir organisieren Workshops, um die „Schauspieler-Generationen“ für einen Austausch von Kreativität und Erfahrung zusammen zu bringen. Ebenso arbeiten wir mit anderen Stiftungen zusammen, mit Theatern und Schauspielagenturen. Und gerade sind wir eine Kooperation mit der deutschen Filmakademie eingegangen. Außerdem organisiert die Stiftung Lesungen oder bietet Theaterabonnements an, damit die Künstler wieder regelmäßig am kulturellen Leben teilnehmen können.

Erfordert das eigentlich Mut, den George Preis entgegenzunehmen? Könnte es sein, dass eine Kandidatin oder ein Kandidat den gar nicht annehmen möchte, weil man so nicht in der Öffentlichkeit stehen mag?

Bei dem Preis steht ja der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Letztes Jahr wurde Karin Baal ausgezeichnet. Sie war sichtlich gerührt, und es war ein sehr emotionaler Abend. Ihr wurde nach langer Zeit wieder einmal eine Öffentlichkeit und Wertschätzung geschenkt. Natürlich wollen wir mit der Stiftung auf die soziale Problematik von älteren Schauspielern aufmerksam machen und sie verbessern, aber der Preis hat mehr den Charakter einer Ehrung. Das ist uns wichtig.

Warum lag Ihrem Mann gerade diese Unterstützung so am Herzen?

Das ist vielleicht das George-Erbe. Schon sein Vater Heinrich George hat sich im Dritten Reich sehr für seine Kollegen eingesetzt. Mein Mann war ein sehr sozialer Mensch und hat sich genauso verhalten. Er hatte großen Respekt vor älteren Kollegen und war betroffen, dass diese trotz ihres großen Talents und ihrer Erfahrung immer seltener engagiert wurden. Darüber hinaus arbeitete er auch gern mit jungen Kollegen zusammen. Er hat ihr Engagement und ihre Begabung bewundert und viele gefördert. Das ist auch ein Grund, weshalb wir seit drei Jahren den Nachwuchspreis bei First Steps stiften.

Der Preis wurde vergangenes Jahr am 23. Juli verliehen, an dem Götz George 80 Jahre alt geworden wäre. Warum hat man seinen Geburtstag nicht als Termin für die Preisverleihung beibehalten?

Für die erste Vergabe war der 80. Geburtstag ein idealer Einstieg. So konnten wir Götz feiern und ihm seinen Wunsch erfüllen, einen verdienten Kollegen auszuzeichnen. Gleichwohl ist der Juli ein schwieriger Monat durch die bundesweiten Ferien. Dieses Jahr haben wir uns für einen Termin entschieden, der die zeitliche Nähe zu „Grimme trifft die Branche“ und den First Steps bietet.

Wie eng arbeiten Sie dabei mit Tanja George zusammen?

Tanja lebt in Australien und kann von dort aus am täglichen Geschäft natürlich nicht teilnehmen. Wir arbeiten jedoch sehr eng zusammen und stimmen uns regelmäßig ab. Zur Preisvergabe ist sie selbstverständlich in Berlin Da sie Bildhauerin ist, hat sie den Preis entworfen und angefertigt. Es ist einer der schönsten Preise, den ich kenne.

Ist diese Stiftungsarbeit für Sie auch eine andere Form, Ihrem Mann weiter nahe zu sein, in seinem Namen zu handeln?

Schon, natürlich. Ich möchte darauf, verzeihen Sie bitte, nicht eingehen, weil es sehr persönlich ist. Aber es ist mir eine Herzensaufgabe, weiterzuführen, was Götz sich gewünscht hat. Das ist mir sehr wichtig. Tanja und ich fragen uns immer, was würde der Götz tun? Wie können wir in seinem Sinne wirken?

Der Preis, den Sie für diesen Preis zahlen, ist, dass Sie jetzt in der Öffentlichkeit stehen müssen. Wo Sie ja sonst nicht so gern stehen.

Das ist wahr und das wird sich auch nicht ändern. Wir vergeben den Preis einmal im Jahr. Und natürlich werde ich für die Stiftung weiterhin eine Stimme sein, wie bei der Podiumsdiskussion am 29. August. Aber meine Arbeit kann ich auch sehr gut im Hintergrund machen. Ich muss nicht zu allem Kommentare abgeben.

„Ruhm statt Rente“: Diskussionsrunde zur Altersarmut von Schauspielern: 29. August, 19 Uhr in der Stiftung Deutsche Kinemathek (Eintritt frei)