Krimi-Reihe

Die neue „Tatort“-Saison beginnt äußerst kühl

Nach zwei Monaten Sommerloch startet die ARD in die neue „Tatort“-Saison. Der erste Fall bewegt sich allerdings nur im Mittelmaß.

Sie müssen sich zusammenraufen: die Dresdner Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski, l.) und  Winkler (Cornelia Gröschel).

Sie müssen sich zusammenraufen: die Dresdner Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski, l.) und Winkler (Cornelia Gröschel).

Foto: ARD / MDR/

Endlich. Die lange Sommerdürre im Fernsehen hat ein Ende. Nach all den Konserven und Wiederholungen der letzten Zeit gibt es endlich eine neue „Tatort“-Folge. Der letzte reguläre „Tatort“ lief am 16. Juni. Die ARD gönnte sich also zwei ganze Monate Sommerpause. Wer in der Zeit nicht im Urlaub war, war mal wieder doppelt gestraft.

Die Öffentlich-Rechtlichen senden keine Frischware in der Zeit, weil sie um ihre Quote bangen. Dabei schrumpft die in Zeiten von Streamingdiensten und Mediatheken sowieso empfindlich. Und müsste man dann nicht auch einmal die Absenkung des Rundfunkbeitrags für eben diese Sommerzeit diskutieren?

2020 wird Jubiläumsjahr: 50 Jahre Tatort

Aber das ist jetzt erst mal vom Tisch. Heute startet die neue „Tatort“-Saison. In der wird uns Saarbrücken mal wieder ein neues Team bescheren, der quotengebeutelte Til Schweiger wird einmal nicht wild um sich ballern, sondern sich auf einer Nordseeinsel ganz ohne Waffen mit schwer erziehbaren Jugendlichen herumschlagen.

Hannelore Elsner wird als Ex-Polizistin in einem ihrer letzten Filme zu sehen sein, der an ihrem ersten Todestag gesendet werden soll. Ulrike Folkerts, längst Dienstälteste beim „Tatort“, feiert ihr 30-jähriges Jubiläum. Ein Mega-„Tatort“ wird gleich neun Kommissare auf einmal vereinen. Und dann steht 2020 auch noch für die ganze Reihe das 50-Jährige an. Das verspricht einige Höhepunkte.

Unwürdiges Ende eines Gastronoms

Am heutigen Sonntag beginnt die Saison aber nur im Mittelmaß. „Tatort: Nemesis“ beschert uns in den letzten Sommertagen schon ziemlich kühle Herbstbilder. Und auch Kälte in den Herzen.

In Dresden wird der Betreiber eines Edel-Restaurants unweit der Frauenkirche ermordet. Erste Indizien lassen auf die Mafia und Schutzgelderpressung schließen. Aber, wie ein Undercover-Mann den Ermittlern steckt, der dafür in einem Waschsalon in ihr Auto steigen muss (wo hat man das nur schon gesehen?), funktioniert das heute nicht mehr wie in den 90-ern.

Längst, so werden die TV-Zuschauer und die Dresdner Kommissarinnen belehrt, macht man Fifty-fifty-Geschäfte, bei denen die Gastronomen nur noch Teilhaber der Restaurants sind, aber beide Parteien davon profitieren. Die Mafia wäre also absolut nicht daran interessiert, einen namhaften Gastronomen auszuschalten.

Der zweite Fall für die neue Kollegin in Dresden

Wer aber dann? Der Fokus rührt mehr und mehr auf die Gattin des Ermordeten (Britta Hammelstein), die sich auffallend auffällig verhält und auch ein merkwürdiges Verhältnis zu ihren beiden Söhnen pflegt. Nur dürfen die Kommissarinnen da nicht weiter bohren, weil ihr Chef (Martin Brambach) die Dame persönlich kennt.

Sonst ist der Mann ja im Dauerempörungs-Modus, was zuweilen schwer zu ertragen ist. Hier aber zeigt sich der Mann komplett befangen. Und doch trauen sich seine Untergebenen nicht, das offen auszusprechen.

Kein Hammer-Einstieg in die Saison

Nemesis“ ist die zweite Dresdner Folge ohne Alwara Höfels. Nach deren Ausstieg ist Cornelia Gröschel als neue Kollegin von Karin Hanczweski hinzugestoßen.

Der Einstieg war für die beiden nicht sehr glimpflich, für die Zuschauer umso spannender verlaufen. Das kann man vom zweiten Fall nicht behaupten. Höfels & Hanczweski waren ein prima Gegensatzpaar. Hanczweski & Gröschel sind sich vom Typ her zu ähnlich, von ihrer Spielweise auch. Und auf den wahren Täter kommt man, mangels anderer Verdächtigen, doch auch früh.

Irgendwie ist halt doch noch Sommer. Und es scheint, als ob die ARD nicht gleich mit einem Hammer-„Tatort“ einsteigen mochte, solange nicht auch der letzte Quotenbringer aus dem Urlaub zurück ist.

„Tatort: Nemesis“ ARD, heute, 20.15 Uhr