Konzertkritik

Tame Impala spielen ihre Fans in Trance

Tame Impala, Yeasayer und Blood Orange feiern bei einem Mini-Festival in der Max-Schmeling-Halle 50 Jahre Musikexpress.

Kevin Parker von Tame Impala auf der Bühne (Archivbild).

Kevin Parker von Tame Impala auf der Bühne (Archivbild).

Foto: Mark Metcalfe / Getty Images

Wie eine Mischung aus Rockshow und Clubbesuch kommt der Auftritt von Tame Impala am Dienstagabend daher. Mit knallenden Beats und verzerrten Gitarrenriffs versetzen die Musiker ihre Fans in der Max-Schmeling-Halle in einen tranceähnlichen Zustand, bis auch der Letzte die Hüften selbstvergessen zur Musik bewegt.

Ursprünglich hatte das Mini-Festival anlässlich des 50. Jubiläums der Zeitschrift Musikexpress in der Parkbühne Wuhlheide stattfinden sollen. Stattdessen wurde die Veranstaltung, für die neben Tame Impala auch Yeasayer und Blood Orange ihre experimentelle Musik beisteuern, in die Max-Schmeling-Halle verlegt.

Grund dafür war laut Veranstalter die Lichtshow von Headliner Tame Impala, die nur in kompletter Dunkelheit ihre volle Wirkung entfalten könne. So wurden schon im Vorfeld die Erwartungen auf ein musikalisches und optisches Spektakel geschürt.

Die Bewegungen erinnern an Aufwärmübungen

Pünktlich um 19 Uhr nimmt die Band Yeasayer aus Brooklyn die Bühne ein. Die Halle ist zu diesem Zeitpunkt noch halbleer. Davon unbeirrt spielen die vier Musiker ihren kaum zu definierenden Indie-Pop-Rock mit Elektro-Einflüssen. Zu Songs wie „O.N.E.“ tanzen sowohl Künstler als auch Konzertbesucher lässig auf der Stelle, die Bewegungen erinnern so früh am Abend allerdings noch an Aufwärmübungen.

Als der Londoner Blood Orange, bürgerlich David Hynes, eine halbe Stunde später seinen experimentellen R&B auf der Bühne präsentiert, ist der Saal bereits gut gefüllt, das Publikum ist auf Betriebstemperatur. Die Musik wird ein wenig ernster, beschäftigt sich in Songs wie „Charcoal Baby“ mit Themen wie Rassismus.

Hynes, der von sechs Musikern begleitet wird, spielt mal Gitarre und mal Keyboard, singt mit Engelsstimme oder rappt. Zwischendurch gibt es Jazz-Intermezzi, für die auch ein Saxophon aufspielt. Und während Hynes sich zurückhaltend präsentiert und wenig mit den Fans interagiert, wirbeln seine beiden Backgroundsänger umso wilder über die Bühne.

Wabernde Farbmuster und bunte Laserstrahlen

Es folgt der aufwändige, aber zügige Bühnenumbau für Tame Impala. Und als das Licht im Saal aus- und auf der Bühne angeht, wird klar, dass sich die Verlegung in die Halle und ihre berechenbare Dunkelheit gelohnt hat. Die fünf Musiker um Bandleader Kevin Parker, der die meisten Songs in Eigenregie schreibt und aufnimmt, stehen in einem Quadrat aus beweglichen LED-Leisten, die im Laufe des Abends alle erdenklichen Farben annehmen. Dahinter sorgt eine Batterie an Scheinwerfern für bunte Lichtkegel oder blendenden Strobo.

Zu Songs wie „Let It Happen“ fließen auf einem Bildschirm im Hintergrund, passend zur psychedelischen Rockmusik der Australier, wabernde Farbmuster ineinander. Bunte Laserstrahlen durchschneiden die nebelgeschwängerte Luft über den emporgereckten Armen der Fans, und schon die ersten Töne eines Songs reichen meist, um das tanzende Publikum in Jubelchöre ausbrechen zu lassen.

Die Zugabe wird durch den Hit „The Less I Know The Better“ zur Klimax. Ein Konfettigewitter treibt den Energielevel noch einmal nach oben, dann verhallen die Gitarren und Synthesizer, die frenetische Lichtshow weicht der Dunkelheit, und das gelungene Spektakel findet ein Ende.