Hauptrolle Berlin

Lars Eidinger und die Angst, Brecht gerecht zu werden

In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ stellte der Schauspieler noch einmal seinen Film „Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm“ vor.

Lars Eidinger mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast. Der Schauspieler war für die heißen Temperaturen eindeutig passender angezogen.

Lars Eidinger mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander vor dem Zoo Palast. Der Schauspieler war für die heißen Temperaturen eindeutig passender angezogen.

Foto: David Heerde

Immer schon wollte Lars Eidinger mal in einem Brecht-Stück spielen. Darüber hat er gerade erst wieder mit Ostermeier gesprochen. Am liebsten den Mackie Messer. Aber der Schaubühnen-Chef will die „Dreigroschenoper“ dort erst zeigen, so Eidinger, wenn sonst keiner mehr kommt. Wird also so schnell nichts aus diesem Traum.

Dafür hat der Schauspieler Bert Brecht gleich selber gespielt, im Film „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, der am Dienstagabend noch einmal in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ im Zoo Palast gezeigt wurde.

Vor Angst hat er sich „eingeschissen“

Eidinger kam dazu direkt aus dem Synchronstudio. Und für die schwülen Temperaturen passend in kurzen Hosen. Wobei die Sängerin Annette Humpe ihm geraten habe, im Minirock zu kommen. Dass er Brecht spielen solle, das hat Eidinger vor Drehstart erklärt, und das bekräftigt er im Zoo Palast noch mal, dabei habe er sich „vor Angst eingeschissen“.

Dabei würde man, wenn man den Schauspieler einmal live erlebt hat, ja denken, dass der Mann vor nichts Angst hat. Aber das stimmt nicht, da gibt Eidinger einmal überraschend tiefe Einblicke. Er hatte wirklich Skrupel, ob er der Aufgabe gewachsen sei. Und kein Schauspieler der Welt, meint er, sähe Brecht weniger ähnlich als er.

Singen – ja, Töne halten – nun ja

Er hat sich dann letztlich aber gerade mit dem Dramatiker getröstet, in dessen Epischem Theater ja ein Leitspruch war: Zeig, dass zu zeigst. Und so hat er eben auch Brecht gespielt.

Es war ganz seltsam für ihn, als er sich dann das erste Mal mit der Brille, dem Ledermantel und der Zigarre im Mund gesehen hat. Dafür hat er auch seine langen Haare opfern müssen, auf die er immer sehr stolz ist. Aber dann ging er ganz in der Rolle auf. Und singt auch, als Brecht. „Es gibt ja Leute, die behaupten, ich könne nicht singen. Das stimmt gar nicht“, meint er. Und grinst dann doch: „Ich kann nur nicht immer die Töne halten.“

Im Duett mit Max Raabe

Als er noch an der Ernst Busch Schule Schauspiel studiert hat, hat er mal Max Raabes „Kein Schwein ruft mich an“ gesungen. Den Song hat Raabe, der auch im „Dreigroschenfilm“ mitspielt, nun gemeinsam mit Eidinger neu auf­genommen. Da schließt sich ein Kreis. Vielleicht muss Thomas Ostermeier sich das nur mal anhören. Und dann noch mal über eine „Dreigroschenoper“ nachdenken.

Mit dem „Dreigroschenfilm“ feierte die Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ ihr vierjähriges Bestehen. Als Nächstes wird hier am 3. September „Cleo“ gezeigt. Zu Gast ist dann Regisseur Erik Schmitt.