Rapper-Duo

Marteria und Casper über Spießertum und Rebellion

In der ausverkauften Waldbühne bringen die beiden Rapper ihre Fans in Wallung. Am Ende kommt ein hochkarätiger Gast auf die Bühne.

Die Rapper Marteria (l) und Casper (Archivbild von Mai)

Die Rapper Marteria (l) und Casper (Archivbild von Mai)

Foto: Georg Wendt / dpa

Mitten in der Menge steht ein Monstertruck. Auf der Ladefläche recken Marteria und Casper ihre Arme in die Luft. Zwei Meter hohe Flammen schießen aus dem Dach des Wagens. „Das hier ist keine Bühne“, schreit Casper. „Das ist eine Kirche. Gebt mir ein Halleluja!“

Die Menge in der ausverkauften Waldbühne lässt sich am Samstagabend nicht zweimal bitten. Die beiden Musiker feiern sich selbst, und die Fans feiern von Anfang an mit. Bereits im Vorfeld hatte das Konzert Schlagzeilen gemacht, da die Rapper sich nicht mit den hohen Merchandise-Konzessionen des Waldbühnen-Betreibers Eventim einverstanden erklärten, sodass sie ihre Tour-Shirts kurzerhand im Vorhinein online anboten und zur Abholung während des Konzerts bereitstellten.

Anlass der Tour ist das gemeinsame Album „1982“, das auf ihr identisches Geburtsjahr verweist. Darüber hinaus bietet der Abend aber auch zahlreiche Solonummern der beiden Künstler, die 2018 in Chemnitz am „Wir sind mehr“-Konzert gegen Rechts teilnahmen. Mit Liedern wie „Champion Sound“, das der Tour ihren Namen gibt, heizen Casper und Marteria die Menge an, die sich gleich von den Rängen erhebt und den Rest des Abends nicht mehr Platz nimmt. Mitten im Publikum steht verheißungsvoll der Truck. Die meiste Zeit über spielt sich das Geschehen jedoch auf der Bühne ab, die im hinteren Teil über eine weiße Schräge verfügt.

Während seiner Solonummern füllt Casper, gebürtig Benjamin Griffey, die Schräge springend und rennend aus. Dazu schreit er mit seiner kratzigen Kirmesansagerstimme den Text von „Im Ascheregen“ ins Mikrofon. Der Deutsch-Amerikaner, der sich in seiner Jugend einen dauerhaften Schaden an den Stimmbändern zuzog, steckt jedes Mal alle Energie in die Songs, und die Menge zahlt ihm den Einsatz doppelt zurück.

Marteria, bürgerlich Marten Laciny, ist während seiner Sololieder nicht ganz so aufgedreht, weiß das Publikum mit Nummern wie „Endboss“ aber ebenso gut in Wallung zu bringen. Der gebürtige Rostocker wirkt, als hätte er nie etwas anderes gemacht, dabei ist er ein echter Tausendsassa, der in seiner Jugend als Fußballer für Hansa Rostock gespielt hat, den Sport für eine Modelkarriere eintauschte und dann in Berlin Schauspiel studierte.

In den meisten Songs der beiden Rap-Größen geht es um Spießertum und Rebellion. Dazu werden auf einem großen Bildschirm Berglandschaften oder rotierende Galaxien gezeigt. Vor allem die Lieder der gemeinsamen Platte scheinen dazu gemacht, ein Publikum durchdrehen zu lassen. Zu Songs wie „Adrenalin“ bildet sich ein Moshpit vor der Bühne. Rote Bengalos leuchten auf und werden von den Fans ausgelassen umtanzt. Feuerwerk und Strobolicht erledigen den Rest. Und spätestens als während der Zugabe Sänger Monchi (Jan Gorkow) von der Band Feine Sahne Fischfilet die Bühne betritt, um in den Song „Absturz“ miteinzustimmen, wird der Abend zu einem unvergesslichen Spektakel.