Konzert in Berlin

Bei Skunk Anansie wird der Brexit ausgebuht

In der Columbiahalle geben Skunk Anansie gleich zwei Zugaben - und sich selbst politisch wie eh und je.

"Skin" von der britischen Band Skunk Anansie. (Archivbild)

"Skin" von der britischen Band Skunk Anansie. (Archivbild)

Foto: picture-alliance/ ZB / picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild

Dass Skunk Anansie eine durch und durch politische Band sind, ist gemeinhin bekannt. Und so begehen die Musiker auch ihr Konzert in der Columbiahalle mit dem gewohnten Sinn für Gesellschaftskritik. Da wird der Brexit als Krankheit bezeichnet und der britische Parlamentarier Boris Johnson von den Fans ausgebuht und auf der Bühne mit üblen Schimpfwörtern bedacht. Alles getreu der Textzeile „Yes, it’s fucking political“ aus ihrem gleichnamigen Song.

Zu Beginn des Auftritts am Sonntagabend kommt Sängerin Skin, bürgerlich Deborah Anne Dyer, in einer dunklen, metallisch schimmernden Jacke auf die Bühne. Hinter ihr prangt der Name der Band in großen Lettern, zusammengesetzt ist er aus dem englischen Wort für Stinktier und dem Namen einer westafrikanischen Gottheit.

Sängerin Skin muss die Jacke ausziehen

Bereits nach einem Song muss die Frontfrau ihre dicke Jacke aufgrund der Hitze im Saal wieder ablegen. Ansonsten scheint die stickige Luft ihr wenig auszumachen. Von Beginn an dirigiert Skin ihr Publikum nach Lust und Laune. Es reichen Gesten, damit die Fans wahlweise klatschen, kreischen oder in wilde Tänze ausbrechen.

Der Altersdurchschnitt des Publikums legt nahe, dass die meisten Konzertbesucher bereits seit den Neunzigern Fans der Britrock-Band sind, die in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum feiert. Entsprechend euphorisch fallen die Reaktionen auf Songs wie „Weak“ aus dem Jahr 1995 oder den Erfolgshit „Hedonism (Just Because You Feel Good)“ aus. Doch auch zu den neuen Nummern wie der aktuellen Single „What You Do For Love“ wird getanzt und gesprungen. Und eines der Highlights des Abends liefert die vierköpfige Band mit einem Song, der so frisch ist, dass sie ihn noch nicht einmal aufgenommen haben. „Das Lied wird euch das Gesicht abreißen“, warnt Skin in grafischen Worten, und es folgt eine harte, wuchtige Nummer, die an Rage Against the Machine denken lässt.

Skin nimmt jeden Winkel der Bühne ein

Die schwarze Frontfrau mit dem kahl rasierten Schädel hat während des gesamten Abends eine durchweg beeindruckende Bühnenpräsenz und nimmt laufend und springend jeden Winkel der Bühne ein. Zwischendurch reißt sie ihren Mikrofonständer in die Luft, schlägt eine Pauke oder spielt mit ihrer Zunge ein Theremin, bei dem durch die Beeinflussung eines elektromagnetischen Felds Töne erzeugt werden. Ihre übrigen Bandkollegen bindet sie dabei zwar sporadisch ein, ansonsten konzentrieren sich diese aber eher auf ihre Instrumente als auf das Publikum. Lediglich Bassist Richard Lewis wagt sich einige Male an den vorderen Bühnenrand.

Coverversion von AC/DC

Mit ihrem oft aggressiven Gesang und den sportlichen Tanzeinlagen versetzt die Sängerin ihr Publikum so in Ekstase, dass die Band am Ende gleich zwei Zugaben spielen muss, um ihre Fans zu befriedigen.

Während der ersten Zugabe, für die Skin mit schwarzem Federkranz auf die Bühne kommt, begeistert die Band mit einer Coverversion des AC/DC-Songs „Highway to Hell“. Die Darbietung verblasst jedoch im Angesicht der zweiten Zugabe, für die sich die Sängerin einen Weg durch die Menge bahnt. Am anderen Ende des Saals angekommen, steigt sie schließlich auf eine Balustrade, um von dort per Crowdsurfing zurück zur Bühne zu gelangen und das dynamische Konzert zu einem denkwürdigen Abschluss zu bringen.