Ausstellung

Die Helden toben sich in grellen Neonfarben aus

Unter den Titel „Transit-Zonen“ werden in der Kunstbibliothek die fröhlichen Bilder des Multitalents Henning Wagenbreth gezeigt.

Henning Wagenbreths „The Tobot Tower“ von 2008

Henning Wagenbreths „The Tobot Tower“ von 2008

Foto: Henning Wagenbreth

Schrill geht es in der Ausstellung „Transit-Zonen: Henning Wagenbreth in der Kunstbibliothek“ zu. Comic-Helden – oder vielmehr Antihelden toben sich hier aus, in grellen Neonfarben: auf Plakaten, Spielkarten, Leinwand, einer Installation und einem kleinen Bildschirm. Sie zeigen die überbordende Fantasie des 1962 noch in der ehemaligen DDR geborenen Multitalents Henning Wagenbreth.

Eines darf man gleich vorwegnehmen: Diese Ausstellung macht Spaß! Zum einen wegen der eigenwillig gezeichneten Figuren, seien es Giraffen im Weltraum, der wieder auferstandene Napoleon oder der schwarze „Plastic Dog“. Zum anderen wegen des rabenschwarzen Humors, mit dem Wagenbreth den Finger immer wieder in die Wunde legt und mit diebischer Freude schöngeredete Realitäten entlarvt. In dieser Hinsicht ist die Plakat- und Illustrationskunst von Henning Wagenbreth immer auch politisch.

40 Blätter aus der Sammlung treten in abwechslungsreichen Dialog

Wagenbreth lässt in der Ausstellung, die etwa 80 seiner Arbeiten zeigt, aber nicht nur seine Kunst eigene sprechen, sondern lässt diese mit 40 Blättern aus der Sammlung der Kunstbibliothek in einen abwechslungsreichen Dialog treten. „Sechs Wochen lang habe ich Schubladen und Kisten durchforstet und dabei interessante Entdeckungen gemacht“, erzählt Wagenbreth. „Die Bezüge zu den historischen Blättern sind vielschichtig und sehr unterschiedlich. Vielen erschließt sich assoziativ.“

Schwarzer Humor des Illustrators offenbart sich

Das Plakat Toulouse-Lautrecs von Aristide Bruant aus dem Jahr 1892 war eines der frühesten Plakate, die Wagenbreth je gesehen hat. Auf seinen Poster für das Plakat-Festival in Chaumont ist auf einer Wolke die Gestalt Toulouse-Lautrecs zu erkennen. Seine Science-Fiction-Fantasie, nach der Napoleon in Wirklichkeit auf Elba überlebt hat und unterirdisch eine Militärherrschaft führt, steht eine Karikatur der Britannia von James Gillray aus dem Jahr 1804 gegenüber, die schwächelnd im Bett liegt, während Napoleon als Skelett hinter einem Vorhang auftaucht, ein Speer auf auf die Kranke gerichtet. Ein Kreuzstichmuster mit Harlekinen und Tieren (um 1800) wirkt so pixelig wie die Welt von Plastic Dog in dem vielleicht ersten elektronischen Comicstrip von Henning Wagenbreth aus dem Jahr 2000.

Als Wiedergänger mythischer Hunde wie Zerberus und Anubis lässt sich Plastic Dog von Computerballerspielen beeindrucken, die letztendlich ferngesteuerte Waffen abfeuern. Hier offenbart sich der ganze schwarze Humor des Illustrators, sehr zum Vergnügen des Betrachters.

Wagenbreth hat sich auch an Spielkarten versucht

Auch an Briefmarken und Spielkarten sowie Scherenschnitten hat sich Wagenbreth versucht und dafür als Kontrapunkt sehr schöne historische Beispiele aus der Sammlung der Kunstbibliothek gefunden. Ganz wunderbar sind auch die Plattencover, illustriert im Wagenbrethschen Comicstil. Die entsprechende Musik kann man über die Telefonhörer darunter anhören. Jedenfalls geht es makaber-fröhlich zu in der Ausstellung, die manchen Besucher schmunzeln und sogar laut lachen lässt.