Kammeroper Schloss Rheinsberg

Kammeroper in Schloss Rheinsberg: Zwischen Liebe und Pflicht

Napoleon liebte diese Oper: Georg Quander inszeniert in der Kammeroper Schloss Rheinsberg eine vergessene Oper von Cimarosa.

Countersopran Samuel Mariño (Mitte) singt die männliche Titelrolle in Cimarosas Oper „Gli Orazi e i Curiazi“ an der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Countersopran Samuel Mariño (Mitte) singt die männliche Titelrolle in Cimarosas Oper „Gli Orazi e i Curiazi“ an der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Foto: Uwe Hauth

Die erste große Premiere bei der diesjährigen Kammeroper Schloss Rheinsberg findet am Freitag mit Domenico Cimarosas „Gli orazi e i curiazi“ statt. Die Inszenierung stammt von Georg Quander, der sich damit auch als neuer Festivalleiter präsentiert. Im Gespräch geht es um die Spielorte in der Schlossanlage, um Napoleons Lieblingsoper und den täglichen Kontakt der Festivalleitung zu einer Schweizer Wetterstation.

Die Kammeroper hat ihr Heckentheater, den Schlosshof, das Schlosstheater. Warum haben Sie für Cimaros „Gli orazi e i curiazi“ eine neue Bühne am Kavalierhaus eingerichtet?

Georg Quander Im Schlosshof hatten wir die Operngala, im Spiegelsaal Konzerte, im Heckentheater folgt im August noch Flotows „Martha“. Ich wollte einen neuen Spielort erschließen, weil wir im Schlosshof wegen der denkmalpflegerischen Auflagen sehr beschränkt sind bei der Aufstellung des Orchesters oder mit der Anbringung eines Bühnenbildes. Ich wollte einen Ort, der mehr theatralische Spielmöglichkeiten bietet und ohne elektroakustische Verstärkung funktioniert.

Warum sollte man für eine unbekannte Cimarosa-Oper von 1796 nach Rheinsberg fahren?

Weil es so ein wunderbares Stück ist, von dem ich nicht verstehe, warum es so in Vergessenheit geraten ist. Die Musik ist hinreißend, die Story spannend. Es geht um Bürgerkrieg, tragische Verstrickungen und Familien, die zerrissen werden. Es gibt eine Liebeshandlung wie bei „Romeo und Julia“.

Wissen Sie, warum „Gli orazi e i curiazi“ zu Napoleons Lieblingsoper gehörte?

Ich kann mir vorstellen, dass Napoleon in dem Konflikt zwischen Liebe und Pflichtbewusstsein gegenüber dem Vaterland sein eigenes Dilemma erkannt hat. Und natürlich schlägt die Oper einen heroischen Ton an und bedient ein seinerzeit verbreitetes Motiv. Auf das 1784 entstandene Gemälde „Der Schwur der Horatier“ von Jacques-Louis David gehe ich in meiner Inszenierung ein.

Als Staatsopern-Intendant und später als Kölner Kulturdezernent kennt man Sie, aber kaum als Regisseur. Wie viele Inszenierungen haben Sie bisher gemacht?

In Berlin habe ich vier Inszenierungen gemacht, darunter Hasses „Solimano“ und Meyerbeers „Robert le diable“ an der Staatsoper. Ich habe in Braunschweig, Saarbrücken, Koblenz, Ludwigsburg, Insbruck oder Dresden inszeniert. In Rheinsberg ist es das erste Mal.

Was ist Ihre Inszenierungsidee für Cimarosas Oper?

Wir spielen den Stoff mit assoziativen Ausflügen. Es wird sowohl auf die römische Atmosphäre der Handlung als auf die Entstehungszeit der Oper angespielt. Es ist die Zeit nach der Französischen Revolution, den Koalitionskriegen bis hin zu Napoleon. Es wird auch an die Kriege des 20. Jahrhundert, die militärische Aufrüstung, erinnert. Die szenische Handlung wird durch Filmeinspielungen ergänzt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es gibt in der Brautnacht ein großes Duett von Orazia und Curiazo, der Krieg bricht aus, er muss ins Feld. Es ist ein schmerzhafter Abschied, weil seine junge Frau weiß, entweder verliert sie im Kampf ihre Brüder oder ihren Ehemann. Der Aufmarsch der Truppen ist rein musikalisch dargestellt, wir kontrapunktieren die Oper mit realen Aufmarschbildern.

Es ist Ihr erster Sommer in Rheinsberg als Festivalchef. Was ist anders als Sie es erwartet haben?

Ich hatte vorher von den inneren Strukturen zwangsläufig nicht viel mitbekommen. Jetzt lerne ich, wie es bislang gelaufen ist und was man besser machen sollte. Es gibt beispielsweise keine richtige technische Leitung. Wir haben einen Produktionsleiter, der für alles zuständig ist, was kein Mensch auf der Welt wirklich leisten kann. Wir werden einiges nachbessern.

Das Wetter ist jetzt für Sie wichtiger als bei Ihren bisherigen Jobs?

Zweifellos. Bei Regen gehen wir in die Siegfried-Matthus-Arena, die im Hafendorf liegt. Sie ist die Ausweichspielstätte wenn es regnet oder zu kalt ist. Die letzte Operngala mussten wir in die Arena verlegen, aber nicht, weil es regnete, sondern weil wir nur 13 Grad Celsius hatten. Dann spielt kein Orchestermusiker mehr, sollte kein Sänger mehr draußen auftreten. Und auch das Publikum soll nicht frieren. Wir schicken niemanden nach Hause, wenn das Wetter nicht gut ist. Auch wenn der besondere Reiz des Open-Air-Festivals damit beschränkt ist.

Haben Sie eine enge Verbindung zu Meteorologen oder einer Wetterstation?

Natürlich. Wir haben einen speziellen Wetterdienst, der witzigerweise in der Schweiz sitzt. Unser Haus hat mit der Zuverlässigkeit der Voraussagen beste Erfahrungen gemacht. Der Wetterdienst wird am Aufführungstag um 14 Uhr angerufen. Danach wird entschieden, ob wir draußen spielen oder in die Arena ausweichen. Die Zeit brauchen wir, um alles rüber zu transportieren und das Publikum zu informieren.

Ihr Amtsantritt als Leiter der Musikakademie und Kammeroper Schloss Rheinsberg war von Dissonanzen begleitet, weil Siegfried Matthus als Gründer des Festivals seinen Sohn Frank im Amt behalten wollte. Hat er jetzt Aufführungen besucht?

Nein, er war nicht da. Nachdem er so eindringlich kundgetan hat, dass er mit uns nichts mehr zu tun haben will, wundert das nicht. Er hat auch dem Freundeskreis der Kammeroper mitgeteilt, seine Ehrenpräsidentschaft nicht mehr wahrzunehmen, bis die – wie er es ausdrückt – rechtmäßige Leitung wieder eingesetzt ist. Dennoch ist er als Gründer bei uns jederzeit willkommen.

Kammeroper Schloss Rheinsberg. Tel. 033931-72117 Termine: 19.-21., 23./24. und 26./27. Juli