Museumsinsel

James-Simon-Galerie: Das ist die Pforte zu Berlins Schätzen

Die James-Simon-Galerie auf der Museunmsinsel erweist sich als ein Glücksfall für Berlin und seine Besucher.

Berlin. Mit der an diesem Wochenende eröffneten James-Simon-Galerie wird nicht nur das Ensemble der Gebäude auf der Museumsinsel vervollständigt, sondern auch eine funkelnde Namensliste. Karl Friedrich Schinkel erbaute im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zwischen 1825 und 1830 das Alte Museum. Sein Schüler Friedrich August Stüler ließ zwischen 1843 und 1855 das Neue Museum folgen – auf seinen Plänen beruhte auch die von Johann Heinrich Strack zwischen 1862 und 1876 ausgeführte Alte Nationalgalerie.

Es folgten Ernst von Ihne mit dem Kaiser-Friedrich-Museum, das wir heute als Bode-Museum kennen, erbaut in den Jahren 1898 bis 1904, sowie Alfred Messel und Ludwig Hoffmann mit ihrem frühen Kind des 20. Jahrhunderts, dem 1910-1930 erbauten Pergamonmuseum. Gut 190 Jahre nach dem ersten Spatenstich zwischen Spree und Kupfergraben kann nun der britische Architekt David Chipperfield seinen Namen dieser illustren Liste hinzufügen.

Neun Jahre und 134 Millionen Euro waren für den Bau der James-Simon-Galerie erforderlich, und wie es bei solchen Großprojekten in der Hauptstadt guter Brauch ist, liegt der Spott nicht weit. So war hier und da schon von der „teuersten Garderobe der Stadt“ zu lesen, selbst im britischen „Guardian“ tauchte die Formulierung auf. Sie reduziert die James-Simon-Galerie auf nur jene Funktionen, die David Chipperfield verbindlich zu erfüllen hatte; genauso gut könnte man von den teuersten Toiletten oder den kostspieligsten Kartenverkaufsschaltern Berlin sprechen.

Der Zugang zur James-Simon-Galerie ist frei

Aber die James-Simon-Galerie ist viel mehr, und das macht sie für Berlin zu einem echten Glücksfall.

Wer das nachvollziehen möchte, dem sei ein Besuch auf der jetzt frei, das heißt auch ohne Museumsticket zugänglichen Terrasse empfohlen, die zum Kupfergraben hin ausgerichtet ist. Sie ist eine Art über dem Wasser errichteter, auf einem mächtigen Sockel thronender Aussichtsbalkon. Der Blick kann nicht nur über das Wasser schweifen, er reicht bis zum Zeughaus und zur Schlosskuppel. Sollte die Gastronomie hier nicht hinter den Erwartungen zurückbleiben, dann hat dieser Ort gute Chancen, nicht nur zum touristischen Pflichtprogramm zu werden, sondern auch zum Treffpunkt für jene Berliner, die dieser Gegend schon mangels Angebot bislang lieber ferngeblieben sind.

Im fernen Wien ist es mit dem Museumsquartier im 7. Gemeindebezirk – auch dank eines umfangreichen Kulturprogramms – gelungen, die Bedürfnisse der Besucher und der Alteingesessenen gleichermaßen zu bedienen und so einen echten Begegnungsraum zu schaffen. Mit der James-Simon-Galerie kann man in Berlin auf dergleichen nun mit etwas mehr Berechtigung hoffen.

Der Besuch im Zwischengeschoss bietet ein optisches Erlebnis

Natürlich beherbergt das neue Eingangsgebäude zur Museumsinsel auch Funktionseinrichtungen, die man als profan abtun kann, Toiletten eben und ein Buchgeschäft, Garderoben und Schließfächer. Es ist aber schon deshalb nicht auf sie reduzierbar, weil Chipperfield und sein ausführender Architekt Alexander Schwarz sie im Mezzaningeschoss zwischen den beiden Hauptebenen untergebracht haben, die dadurch besser wirken können: die obere, über die Freitreppe zugängliche Ebene als Zugang zur Terrasse und zum benachbarten Pergamonmuseum, die untere mit ihrem angeschlossenen Auditorium, der Archäologischen Promenade und dem Weg ins Neue Museum. Hier ist auch einer jener hölzernen Pfähle ausgestellt, die einst in den schlammigen Untergrund gerammt wurden, um darauf die Bauten der Museumsinsel zu errichten.

Der Besuch im Zwischengeschoss bietet übrigens auch ein optisches Erlebnis, nicht nur wegen der ausgewählten Materialien, etwa der ansprechenden Vertäfelung mit französischem Walnussholz. Es sind die beiden hier eingelassenen, bodentiefen Fensterscheiben, die von außen den massiven, leicht gewölbten Sockel strukturieren und dem innen stehenden Besucher das überraschende Gefühl geben, auf einmal mitten in der Stadt zu stehen. Wendet man den Blick, öffnet sich eine Sichtachse auf den neu geschaffenen Hof zwischen der James-Simon-Galerie und dem Neuen Museum.

Die Galerie ist selbst ein museales Spielfeld

Und schließlich gibt es die Frage, wie sich die James-Simon-Galerie zu ihren Nachbargebäuden verhält. Die fünf großen Häuser der Museumsinsel sind nicht um einen zentralen Platz gruppiert, ihre Eingänge weisen alle in verschiedene Himmelsrichtungen – sie stehen gewissermaßen „Rücken an Rücken“, wie es Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bei der Eröffnung formulierte. Diesem Umstand versuchte man zunächst mit Brückenübergängen abzuhelfen, die dem Krieg zum Opfer fielen.

Mit dem neuen Eingangsgebäude gelingt nun eine zentrale Erschließung, die sich mit der Archäologischen Promenade einmal bis zum Bode-Museum an der Spitze des Ensembles erstrecken soll. Die äußere Gestalt der James-Simon-Galerie nimmt die Elemente aus der Nachbarschaft auf und überführt sie in eine moderne, unaufdringliche Form. Zugleich ist sie mit ihrer unten gelegenen Ausstellungsfläche und ihrem Teilstück der Archäologischen Promenade selbst ein museales Spielfeld. Sie ist der seltene Fall eines Berliner Großbauprojektes, das man als rundum gelungen bezeichnen kann.

James-Simon-Galerie, Museumsinsel Berlin, Bodestraße, Mitte. Montag bis Sonntag (außer Donnerstag) 9.30-18.30 Uhr, Donnerstag 9.30-20.30 Uhr. Am heutigen Sonnabend, 13. Juli, laden die Staatlichen Museen von 10 bis 21 Uhr zu einem Aktionstag in die Galerie ein. Eintritt ist frei.