Kritik

Classic Open Air feiert trotz Regen die „Opera Italiana“

Der Wettergott meinte es nicht gut mit den Zuschauern beim Klassik Open Air. Trotzdem zeigte das Publikum Durchhaltewillen.

Ein Feuerwerk stieg am Ende des ersten Classic-Open-Air-Abends in die Höhe. (Archivbild)

Ein Feuerwerk stieg am Ende des ersten Classic-Open-Air-Abends in die Höhe. (Archivbild)

Foto: Reto Klar / Reto Klar / Funke Foto Services

In den Arien auf der Bühne vor dem Konzerthaus geht es mitnichten nur um die Liebe. Häufig genug werden Mord und Totschlag besungen. Doch auch unter den Zuschauern liegt an diesem Sonnabendabend zuweilen Streit in der Luft. Grund sind die aufgespannten Regenschirme, die oft genug den Hinteren die Sicht versperren. Aber es gibt auch Helden, wie den Mann aus der achten Reihe in Block J, der mit den rücksichtslosen Schirmhaltern spricht. Und so für freie Sicht und damit für einen größeren Genuss sorgt.

Trotz Regen: Publikum beweist Durchhaltevermögen

Der Wettergott hat es an diesem Sonnabend nicht gut gemeint mit dem Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt. Was auch der Moderator Dirk Löscher konstatiert, der launig den Durchhaltewillen des tapfer ausharrenden Publikums lobt. Viele Zuschauer gehen allerdings später in der Pause, denn der Regen will sich einfach nicht legen.

Obwohl es klimatisch momentan am mediterranen Flair in der Stadt mangelt, feiert der dritte Abend des Festivals dennoch auf beeindruckende Weise die „Opera Italiana“. Ein grandioses Sängerfest, ganz dem Belcanto gewidmet. Zehn Solisten und zwei Chöre veredeln vorzüglich begleitet von dem Philharmonischen Orchester Vorpommern unter dem Dirigat von Florian Csizmadia Meisterwerke der italienischen Oper.

Giuseppe Verdi wird gefeiert

Und was wäre die „Opera Italiana“ ohne Giuseppe Verdi. Immerhin 26 Opern hat er komponiert. Gut die Hälfte davon gehört zum festen Repertoire auf den Bühnen weltweit. Damit ist der Italiener zweifellos der erfolgreichste und populärste aller Opernkomponisten. Kein Wunder also, dass er auch bei der „Opera Italiana“ gefeiert wird. Quasi der ungekrönte Arienkönig des Abends.

Den Anfang macht „Il Trovatore“. Jene Oper, von der Tenor-Legende Enrico Caruso einst sagte, für eine erfolgreiche Aufführung der bräuchte man einfach die vier besten Sänger der Welt. Die Berliner Sopranistin Nina-Maria Fischer, die finnische Mezzosopranistin Pihla Terttunen und Tenor Karo Khachatryan müssen diesen Vergleich mit ihren hinreißenden Arien nicht scheuen. Gemeinsam mit dem fabelhaften Chor hauchen sie dem trüben Berliner Grau mit schmelzenden Stimmen italienisches Flair ein.

Puccini, Donizetti, Rossini und Bellini dürfen nicht fehlen

Natürlich fehlen auch die anderen großen italienischen Opernkomponist nicht. Puccini, Donizetti, Rossini und Bellini sind ebenso vertreten. Letzterer mit dem unsterblichen „Casta Diva“ aus der romantischen Oper „Norma“. Eine der schönsten Arien überhaupt. Mit dem berühmten Gebet der gallischen Oberpriesterin Norma an die Mondgöttin haben sich schon alle berühmten Sopranistinnen ein Denkmal gesetzt. Von Maria Callas bis Montserrat Caballe und Anna Netrebko.

Wenngleich sie noch nicht ganz an diese Weltstars heranreicht, betört die polnische Sopranistin Katarzyna Rabczuk ebenfalls live mit der inbrünstigen Arie. Danach sind selbst die letzten um aufgespannte Regenschirme streitenden Gemüter beruhigt. Trotz des prasselnden Regens ein stimmungsvoller Abend.