Konzert in Berlin

Die B-52s feiern in Berlin zum Abschied eine Gaga-Party

Die B-52s haben in der Zitadelle Spandau ein bewegendes Berlin-Gastspiel gegeben - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die B-52s auf der Bühne (Archivbild).

Die B-52s auf der Bühne (Archivbild).

Foto: Richard Tsong-Taatarii / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Berlin. Sie haben Ende der 70er-Jahre eine kleine Revolution angezettelt. Mitten in Punk- und New-Wave-Zeiten erschien eine kleine schräge Band aus Athens im US-Bundesstaat Georgia auf der musikalischen Bildfläche, die mit ihrem schrillen Mix aus Surfsound, Rock, Disco, Punk und Science-Fiction-Elementen und mit grellen 60er-Jahre-Outfits überraschte und überwältigte.

Im Juni 1979 standen die B-52s erstmals in Berlin auf einer Bühne, im Kant-Kino war das, damals der Livekonzert-Hotspot für Rockfans. Und sie nahmen mit ihrer exzentrisch-unkonventionellen Art und den großartigen Party-Songs ihrer Debüt-LP wie „Planet Claire“, „Dance This Mess Around“ oder „Rock Lobster“ sofort für sich ein.

Nun stehen die B-52s genau vierzig Jahre später wieder in Berlin auf der Bühne. Sie sind auf Abschiedstournee. Eigentlich sollten sie in der Columbiahalle auftreten, doch schnell wurden die 3500 Plätze der Halle zu knapp. Das Konzert wurde in die erheblich größere Zitadelle Spandau verlegt und Tausende feierten am Donnerstagabend eine Band, die zwar in die Jahre gekommen ist, deren avantgardistisch-frecher Sound aber immer noch zündet.

Nach einem imponierenden Vorprogramm der auch als Umweltschützer engagierten Alternative-Rockband Trapdoor Special aus Los Angeles beglücken die B-52s ihre Fans mit einem Best-of-Programm, bei dem Stillstehen irgendwann zwecklos ist. Ob Alt oder Jung, alles ist in Bewegung.

Die B-52s in Berlin: Juvenile Partymusik im Seniorenalter

Die prägenden Stimmen der Originalbesetzung sind immer noch dabei: die Sängerinnen Kate Pierson (71) und Cindy Wilson (62) sowie Sänger Fred Schneider III (67) stehen ganz vorn an der Bühnenrampe und überlassen vier jüngeren Musikern im Hintergrund die Begleitung. Gitarrist Greg Suran, Keyboarder Ken Maiuri, Bassistin Tracy Wormworth und Schlagzeuger Sterling Campbell legen den zickig-zackigen Untergrund für die vokalen Kapriolen des legendären Trios.

Fred Schneider gibt einmal mehr den manischen Rockshouter, Kate Pierson tobt modisch mutig in einem pinkfarbenen, fransenbesetzten Catsuit über die Bühne, während Cindy Wilson es im schwarzblauen Ganzkörperdress samt lila Federboa und kniehohen schwarzen Stulpenstiefeln inzwischen doch eher etwas ruhiger angehen lässt.

Die Frage, ob man sich im Seniorenalter unbedingt noch mit solch einer juvenilen Partymusik auf die Bühne trauen sollte, erledigt sich gleich beim ersten Stück wie von selbst. Mit „Private Idaho“ vom 1980 erschienenen zweiten Album „Wild Planet“ eröffnen die B-52s den lauen Sommerabend unter blauem Himmel. Der Song inspirierte einst übrigens Regisseur Gus Van Sant zu seinem Film „My Own Private Idaho“. Der Rhythmus ist wild, die Texte oft von dadaistischer Rätselhaftigkeit. Bei „Mesopotamia“ übernimmt Kate Pierson mit ihrer glockenhellen Stimme den Gesangspart, Cindy Wilson wird bei „Give Me Back My Man“ von Fred Schneider auf dem Glockenspiel begleitet, der im Anschluss mit „Cosmic Thing“ seinen großen Auftritt hat. Bevor er die Bühne für „Legal Tender“, „52 Girls“ und „Roam“ ganz den Damen überlässt.

Die B-52s verabschieden sich mit „Rock Lobster“ von Berlin

Die Stimmung auf dem Zitadellen-Exerzierplatz ist längst auf dem Höhepunkt. Das geht bei den B-52s aber auch ziemlich fix. Denn nach einer guten Stunde ist die Party schon wieder vorbei. Ihren größten Hit „Love Shack“ von 1989 setzen sie ans Ende dieses im wahrsten Sinne des Wortes bewegenden Abschiedskonzerts, bei dem Fred Schneider auch immer wieder seine Deutschkenntnisse unter Beweis stellt, unter anderem mit Lebensweisheiten seiner elsässischen Großmutter. Der Applaus ist fast lauter als der Bühnensound und für drei Zugaben, darunter auch die Hits „Planet Claire“ und natürlich „Rock Lobster“, kehren die B-52s ein letztes Mal zurück ins Rampenlicht. Um sich nach 40 Jahren endgültig von der Popwelt zu verabschieden. So langanhaltender wie dankbarer Jubel ist ihnen gewiss.