Konzertkritik

Lynyrd Skynyrd besingen noch mal das Südstaatenleben

Das Berliner Publikum bereitet der Band in der Max-Schmeling-Halle einen würdigen Abschied.

Lynyrd Skynyrd, hier bei einem Konzert 2009. (Archivbild)

Lynyrd Skynyrd, hier bei einem Konzert 2009. (Archivbild)

Foto: Lehtikuva Antti Aimo-Koivisto / picture-alliance/ dpa

Es gibt nichts auf der Welt, was der „Lynyrd Skynyrd Crowd” vergleichbar wäre, sagt Johnny Van Zant. Das scheint absolut richtig zu sein in diesem Moment. Die Stimmung ist hochemotional am Dienstagabend in der Max-Schmeling-Halle. Es gilt ‚Good Bye’ zu sagen. Und die „Skynyrd Nation“ bereitet ihrer Lieblingsband einen würdigen, umjubelten Abschied. Die Südstaatenrocker mit Hüten und langen Haaren sind auf ihrer letzten, der „Last Of The Survivors Farewell Tour“. Der Titel ist gut gewählt, muss man in der aktuellen Besetzung doch tatsächlich die letzten Überlebenden sehen.

Allzu viele Mitglieder der Lynyrd Skynyrd-Bandfamilie hat bereits das Zeitliche gesegnet. Ihnen allen werden zu „Free Bird“ am Ende große digitale Kerzen projiziert und ein Filmabspann listet noch einmal die verschiedenen Besetzungen auf. In diesem Moment ist die größte Tragödie der Bandgeschichte natürlich besonders präsent, der Flugzeugabsturz auf der Höhe ihres Ruhmes 1977, den Sänger Ronnie Van Zant, der Gitarrist Steve Gaines und dessen Schwester nicht überlebten. Es dauerte, bis Lynyrd Skynyrd sich neu fanden und daraufhin so frenetisch wie eh und je gefeiert wurden. Inzwischen ist Gitarrist Gary Rossington das einzige verbleibende Gründungsmitglied der Band, doch das Songmaterial bleibt ewig bestehen.

Zum Auftakt gibt es AC/DC

Interessanter Weise wird zum Auftakt AC/DC eingespielt, bevor das Set mit „Workin’ For MCA“, „Skynyrd Nation“ und „What’s Your Name“ eröffnet wird. Der Sound ist perfekt, das Zusammenspiel souverän, die Gitarrenarbeit beeindruckend - und die „Crowd“ selbstredend begeistert. Am Verkaufsstand für T-Shirts hatte bereits Ausnahmezustand geherrscht und trotz erklecklicher Preise waren einige Shirts der begehrten Größen L und XL schon vor dem Konzert ausverkauft.

Man wollte angemessen ausstaffiert sein für ein letztes Mal „Tuesday’s Gone“, die große Ballade des Abends, oder den Klassiker „Simple Man“, der so typisch ist für die Mentalität der Band. Denn am liebsten singen Lynyrd Skynyrd über das einfache Südstaatenleben, wo der Mann hart arbeitet und dafür von der Frau bekocht wird.

Die häufig altbackenen Texte unterlegen sie allerdings mit satten Riffs und gehörigem Drive, den sie von Blues und Boogie abzapfen und zum Southern Rock reinster Prägung veredeln. Beim grandiosen Finale, zu dem sich die drei Gitarristen in Ekstase solieren, dass ihnen heute die Finger brennen werden, wird davon noch einmal ganz dick aufgetragen.

„Sweet Home Alabama“ als Höhepunkt des Abends

Der Höhepunkt des Abends, wie kann es anders sein, ist mit „Sweet Home Alabama“ gekommen. Mit dem zur Hymne gewordenen Song setzten sich Lynyrd Skynyrd gegen den Kanadier Neil Young zur Wehr, der seinerzeit etwas zu pauschal den rassistischen US-amerikanischen Süden niedergemacht hatte. Das wollte man nicht auf sich sitzen lassen. Dazu passt, dass die Band sich in letzter Zeit weniger gern mit Südstaatenflagge zeigt, weil sie deren Vereinnahmung durch Rassisten nicht gutheißt. Bei den zahlreichen Flaggenträgern im Publikum ist diese Botschaft allerdings noch nicht angekommen.