Open-Air-Festival

Classic Open Air: Kanonendonner auf dem Gendarmenmarkt

Das Musikfestival Classic Open Air lockt mit den Prinzen, Culcha Candela und italienischem Flair.

Blaue Stunde beim Classic Open Air vor dem Konzerthaus auf dem Berliner Gendarmenmarkt (Archivfoto).

Blaue Stunde beim Classic Open Air vor dem Konzerthaus auf dem Berliner Gendarmenmarkt (Archivfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / POP-EYE / Ben Kriemann / picture alliance / POP-EYE

Berlin. „Wird da wirklich mit Kanonen geschossen?“ fragt Mateo von der Gruppe Culcha Candela. Er kann kaum glauben, dass Tschaikowsky Kanonenschüsse in die Partitur seiner „Ouvertüre solennelle 1812“ geschrieben hat. Festivaldirektor Gerhard Kämpfe muss es ihm zwei Mal versichern.

Bei den Pressekonferenzen zum Classic-Open-Air-Festival kommt es oft zu solchen Überraschungsmomenten, weil dort Künstler aus ganz verschiedenen Bereichen auf dem Podium sitzen. Sie tauschen sich aus und entdecken fremde musikalische Welten. Offenheit wird groß geschrieben beim Festival auf dem Gendarmenmarkt, das vom 4. bis zum 8. Juli stattfindet.

Classic Open Air: Streifzug durch die Musikgeschichte der Stadt

Die meisten Programme bieten ein Crossover unterschiedlicher Stile. Die Berliner Band Culcha Candela („Hamma!“) kombiniert Pop und Clubsounds. Chino und Mateo ist es wichtig zu betonen, dass sie diverse Kinderprojekte unterstützen und dass ihre Rapsongs weder frauenfeindlich sind noch Gewalt verherrlichen. Bei der „First Night“ mit einem Orchester im Rücken zu spielen, ist für die Band etwas ganz Besonderes. An dem Abend treffen sie auf die Welt der Oper, der jiddischen Lieder, des Musicals und des Swings. Angelika Milster, Sharon Brauner, Anna Loos, Andrej Hermlin, Ilja Richter und Klaus Hoffmann zählen zu den Solisten. Unter dem Motto „Berlin Berlin“ unternehmen sie einen Streifzug durch die Musikgeschichte der Stadt.

Bunt gemischt geht es auch bei den „Vier Pianisten“ zu, die schon zum dritten Mal auf dem Gendarmenmarkt spielen. Da wird vielleicht Rachmaninow mit Boogie-Rhythmen und Chopin mit Jazzwendungen versehen. Der klassische Pianist Sebastian Knauer, der Boogie-Woogie-Spezialist Axel Zwingenberger, der Jazzpianist Martin Tingvall und der in allen Stilen versierte Joja Wendt suchen gemeinsam nach neuen musikalischen Welten zwischen den Genres.

Die Prinzen im symphonischen Gewand

Gerhard Kämpfe weist gern darauf hin, dass das Wort „Classic“ in seinem Festival mit „C“ und nicht mit „K“ geschrieben wird. Für ihn gehören eben nicht nur die Evergreens von Verdi und Mozart, sondern auch die Klassiker des Musical- und Poprepertoires dazu. Ein Abend ist immer einer bekannten Popband gewidmet, die ausnahmsweise mit einem Orchester auftritt. Diesmal sind Die Prinzen („Alles nur geklaut“, „Küssen verboten“) im symphonischen Gewand zu erleben. Ihre Songs wurden eigens für den Abend mit dem Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig arrangiert. Eine Beziehung zur Klassik haben die Sänger sowieso, denn sie haben früher im Leipziger Thomanerchor gesungen.

Kanonendonner und Feuerwerk bei Tschaikowsky

Die Sopranistin Katarzyna Dondalska, die zu den Stammgästen des Festivals gehört, ist ein bekennender Fan von Crossover-Veranstaltungen: „Wenn ich zu Beginn meiner Karriere im zweiten Teil eines Konzerts Musicalsongs singen wollte, lehnten die Veranstalter immer ab. Schön, dass das heute anders ist.“ In diesem Jahr singt sie allerdings an einem der beiden rein klassischen Abende. „Highlights der Klassik“ ist als eine Art Einsteigerprogramm für werdende Klassikfreunde gedacht. Die Anhaltische Philharmonie Dessau präsentiert mit einer Fülle an Gesangs- und Instrumentalsolisten Meisterwerke aus 300 Jahren Musikgeschichte. Ohrwürmer wie Wagners Brautchor, der „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ und das „Brindisi“ aus „La Traviata“ gehören dazu. Am Ende steht Tschaikowskys berühmte Festouvertüre mit Licht, Feuerwerk – und Kanonen.

Ein unvergesslicher Abend unterm Sternenhimmel

Auch die italienische Oper darf beim Classic Open Air niemals fehlen. Das Theater Vorpommern kommt mit seinem gesamten Ensemble: zehn Gesangssolisten, Chor und Orchester. Es durchstreift die große Welt der „Opera Italiana“ vom Belcanto bis zum Verismo. Wenn dann noch das Wetter mitspielt, verbreitet sich unterm Sternenhimmel mediterranes Flair auf dem Gendarmenmarkt.

Das Programm beim Classic Open Air im Überblick:

Donnerstag, 4. Juli, 19.30 Uhr: „First Night - Berlin, Berlin!“, mit großem Feuerwerksfinale.
Mit Angelika Milster, Anna Loos, Klaus Hoffmann, Culcha Candela, Stephan Rügamer, Carsten Sabrowski, Jennifer Riedel, Ilja Richter, George Kranz, Karsten Troyke, Sharon Brauner, Andrej Hermlin, David Hermlin, Rachel Hermlin.
Chor des Jungen Ensembles Berlin
Deutsches Filmorchester Babelsberg
Dirigent: Peter Sommerer
Moderation: Kim Fisher

Freitag, 5. Juli, 19.30 Uhr: „Highlights der Klassik“
Mit Katarzyna Dondalska (Sopran), Hagen Matzeit (Altus), Sebastian Reinthaller (Tenor), Manos Kia (Bariton), Yury Revich (Violine)
Ernst Senff Chor
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: Markus L. Frank
Tänzer: Energy Dancers
Moderation: Joja Wendt

Sonnabend, 6. Juli, 19.30 Uhr: „Opera Italiana“
Mit Nina-Maria Fischer, Franziska Ringe, Katarzyna Rabczuk, Pihla Terttunen, Karo Khachatryan, Semjon Bulinsky, Alexandru Constantinescu, Maciej Kozłowski, Thomas Rettensteiner, Andrey Valiguras.
Opernchor des Theaters Vorpommern
Chor des Jungen Ensembles Berlin
Philharmonisches Orchester Vorpommern
Dirigent: Florian Csizmadia
Moderation: Dirk Löschner

Sonntag, 7. Juli, 19.30 Uhr: „Vier Pianisten - ein Konzert“
Mit Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger und Martin Tingvall

Montag, 8. Juli, 19.30 Uhr: Die Prinzen, Sinfonieorchester
Mit den Prinzen, dem Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig unter der Leitung von Stefan Klingele und Special guests Christina Stürmer und Fools Garden