Kabarett

Edith Schröder im BKA: Show aus 120 Prozent Plastikmaterial

„Futschi-Queen“ Edith Schröder ist im BKA Theater „Unbeugsam bunt“.

Ades Zabel ist Edith Schröder.

Ades Zabel ist Edith Schröder.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture

Berlin. Neukölln war schon immer härter als andere Bezirke. Da macht auch das Nationalgetränk, der Futschi, keine Ausnahme: Dafür mische man 80 Prozent Billigweinbrand und 20 Prozent Billigcola. Fertig ist eine Mixtur zum Türenabbeizen. Oder wahlweise ein Getränk, mit dem man sich einen Wahnsinnsabend machen kann, den man am nächsten Morgen garantiert vergessen hat. Edith Schröder tendiert eindeutig zu letzterem. Im neuen Soloprogramm „Edith Schröder - Unbeugsam bunt“, das nun im BKA Theater Premiere feierte, rührt die Hartz-8-Bezieherin gleich eine ganze Schüssel davon an. Laut Edith verbreitet sich dessen Wirkung über die Atemluft, so dass alle davon in Fahrt kommen.

Etwas sprittigen Anschub kann die Personality-Show, die sich Edith-Erfinder Ades Zabel für sein Bühnen-Alter-Ego ausgedacht hat, tatsächlich gebrauchen. Denn bei der Futschi-Queen wechseln sich geniale Momente und chaotische Strecken mit Pointen-Verpuffung ab. So hat sich die Trash-Ikone noch Marita aus Gropiusstadt als Gast eingeladen. Ein müder Abklatsch der gewitzten Wuchtbrumme. Da wünscht man sich Ediths bewährte Bühnenfreundinnen Jutta und Biggy, mit denen sie im Juli wieder auftritt, sehnlichst herbei.

Schrille Bühnenoutfits ernten heftige Lacher

Ades Zabel versucht derweil per Video, die aus der Spur geratene Damenriege auf Kurs zu halten. Keine Chance. Edith hat eine leidlich gelungene Power-Point-Präsentation von Neukölln vorbereitet. Die erinnert an dröge Diavorträge von Leuten, die ihre Urlaube dramaturgisch bebildern, weil sie sonst nichts besseres zu tun haben.

Dabei kann Edith Schröder auch anders. Allein die schrillen Bühnenoutfits ernten heftige Lacher. Alles aus 60 Prozent Polyester und 60 Prozent Elastan. Also 120 Prozent Plastik. Die erdfarbenen Hipster im Bezirk dürften beim knallgrünen Glitzer-Longshirt mit gewagten Cutouts zur pinkfarbenen, ausgestanzten Leggings Augenkoliken bekommen. Natürlich plaudert Edith auch aus dem Nähkästchen. Vom Vater, den sie nie gekannt hat. Vom tragischen Tod der Mutter (beim Haare blondieren ertrunken) und dem des Geliebten (vom Bierlaster überfahren). In jeder RTL-Castingshow wäre sie damit die Königin der Tränen.

Nie um Schlüpfrigkeiten verlegen, wagt sie sich mit knarzigem Gesang auch ans Mikro. Das bevorzugte Genre: Disco-Schlager. Besser noch sind die Vollplayback-Nummern mit selbstmörderischen Tanzeinlagen. Madonnas „Hung Up“ etwa gibt es in Original-Choreographie, soweit körperlich möglich. Eine harte Trainingseinheit für die atemlose Edith. Vielleicht klappt es nach ein paar Shows sogar ohne Bauchweggürtel.

BKA Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg, Tel. 202 20 07, 15.6., 14.-17.8., 25.10., je 20 Uhr