Film

Michael Fassbender: "Ich will einfach nur der Beste sein“

Schauspieler Michael Fassbender über die derzeitige Comicfilm-Welle – und die Zukunft des Kinos in Zeiten der Streaming-Plattformen.

Fühlt sich in kleineren Filmen wohler als in großen: Michael Fassbender

Fühlt sich in kleineren Filmen wohler als in großen: Michael Fassbender

Foto: Armando Gallo / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Comicfilm-Welle nimmt kein Ende. Zuletzt haben sich die Marvel-Filme um die Avengers und die DC-Filme um Super- und Batman ein Rennen geliefert. Nun kamen gerade auch wieder die „X-Men“ zurück, die einst diese ganze Welle erst richtig in Gang gesetzt hat? Muss heute jeder Star ein Comicheld sein? Und sind die Comic-Filme die letzten Blockbuster in Zeiten, wo immer weniger Menschen ins Kino gehen? Darüber sprachen wir mit Michael Fassbender, der kürzlich in Berlin war und in „X-Men: Dark Phoenix“ zum vierten Mal den Antihelden Magneto spielt.

Berliner Morgenpost: Herr Fassbender, kriegen Sie eigentlich etwas von Berlin mit? Oder sehen Sie nur den Flughafen und das Hotel?

Michael Fassbender: Schon einiges. Die Stadt ist fantastisch. Und so progressiv. Ich liebe es immer, hier zu sein. Und ein Höhepunkt meiner beruflichen Karriere bisher war ganz klar, hier „Inglourious Basterds“ zu drehen.

Wie gut ist Ihr Deutsch eigentlich? Sie sind in Heidelberg geboren, waren aber noch ganz klein, als Ihre Familie nach Irland zog.

Mein Deutsch ist ziemlich schlecht. Ich kann es verstehen und ein bisschen Konversation betreiben. Aber wenn es um spezielle Dinge geht oder wenn ich zu viel nachdenke, dann bin ich erledigt. Ich übe allerdings in diesen Sommer. Ich arbeite mit einem deutschen Porsche Team und möchte auch all das technische Zeugs verstehen.

Im Kino sind Sie aktuell wieder bei den „X Men“ zu sehen. Waren Sie als Kind eigentlich ein Comic-Fan?

Ich habe als Kind die „Superman“- und „Batman“-Serien im Fernsehen geguckt. Aber Comichefte habe ich nie gelesen.

Ist es da nicht ironisch, jetzt einer der Stars der „X-Men“ zu sein, eine Filmreihe, die die ganze neue Comicfilm-Welle erst richtig beflügelt hat?

Ironisch? Es hat mein Leben verändert. Als ich 2010 das erste Script bekam, hatte ich viele Independent-Filme gemacht, die mir auch viele Preise eingebracht haben. Aber ich wollte unbedingt mal was Größeres machen. Und da kam „X-Men: Erste Entscheidung“. Ein Actionfilm, klar. Aber einer, in dem lauter Menschen zusammenstehen, die Außenseiter oder sogar Ausgestoßene der Gesellschaft sind. Ein sehr relevantes Thema in unseren Tagen. Das wurde mit den Fortsetzungen auch immer aktueller.

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Muss heutzutage eigentlich jeder Filmstar eine Comicfigur in seiner Filmographie und ein Superheldenkostüm im Schrank haben?

Das finde ich nicht. Mir geht es schon mal gar nicht darum, ein Star zu sein. Ich will einfach nur der Beste sein in dem, was ich tue. Das ist mein Grundantrieb. Ich verfolge da keinen Karriereplan. Dass ich in solchen Großprojekten mitmache, hat einen ganz anderen, rein zweckmäßigen Grund: Ich habe eine eigene Produktionsfirma gegründet, DMC. Und logisch, wenn du einen kommerziellen Film wie „X-Men“ machst, ermöglicht dir das, kleinere Filme finanziert zu kriegen, und die Fans der großen Filme schauen sich die dann vielleicht auch an. Ich nähere mich meiner Arbeit auch wie ein Kinofan. Ich liebe es, kleine, anspruchsvolle Filme wie „Capernaum“ zu sehen, die viel über unsere Welt erzählen, aber eben auch Filme wie „X-Men“, die pure Unterhaltung, auch ein bisschen Eskapismus vom Alltag sind.

Aber wo fühlen Sie sich eher zuhause? Drehen Sie die größeren nur, um die kleineren finanziert zu bekommen?

Was ich an kleineren Filmen schätze: Du bist so viel schneller. Bei manchen Filmen hast du nur fünf Wochen Drehzeit, bei anderen fünf Monate. Ein Film wie „Hunger“ etwa, bei dem ich 27 Seiten Dialog in einer Einstellung hatte, benötigt wirklich Fertigkeit. Das ist sehr aufregend. Bei größeren Projekten hast du dagegen manchmal nur zwei Seiten Dialog, wartest aber den ganzen Tag, weil es so viele Kameraeinstellungen und Ausleuchtungen gibt. Das ist eine andere Disziplin. Ich mag es nicht, lange zu proben, ich will sofort drehen. Und ich will den Moment, der spontan und unvorhersehbar ist. Wenn du lange dreht, weiß irgendwann jeder, auch der Mann hinter der Kamera, oder der Junge, der die Mikrostange hält, was als nächstes passiert.

Die Comic-Filme sind die letzten Lagerfeuer, die Kassenrekorde einspielen. Insgesamt gehen die Zuschauerzahlen aber immer weiter zurück. Ist der Comic-Film das letzte Aufbäumen des klassischen Kinos, werden in Zukunft alle nur noch zuhause streamen?

Die Landschaft hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es gibt weit weniger Filme über der 30-, 40-Millionen-Grenze, die sind inzwischen sehr sehr schwer zu finanzieren. Entweder hast du kleine Filme mit zwei bis fünf Millionen, oder du hast die 150-Millionen-Filme. Man sieht kleinere Produktionen jetzt häufiger auf den Streaming-Plattformen. Und das entspricht vielleicht auch den Menschen heutzutage, die weniger Freizeit haben. Du musst ständig abrufbereit sein und dein Smartphone im Blick haben. Alles ist so zeitorientiert. Ich verstehe schon, dass die Menschen dann abends lieber zu Hause bleiben, sich einen Rotwein einschenken und etwas auf dem Sofa anschauen. Wo sie auch vielleicht nur einen Teil schauen und den Rest am nächsten Tag. Das ist die Realität von Kino heutzutage.

Hat das Kino da überhaupt noch eine Zukunft?

Darüber mache ich mir keine Sorgen. Das Kino wird immer seinen Weg finden. Das Medium ist gerade mal 100 Jahre alt. Und es hat schon viele Krisen überstanden, als das Fernsehen aufkam und später Video. Heute kann jeder einen Film mit seinem Telefon machen. Ich habe neulich einen Freund besucht, und während wir zusammen saßen, hat seine 14-jährige Tochter einen Film komplett gedreht, geschnitten und Musik drübergelegt. Das ist unglaublich, mal sehen, was die nächste Generation alles kann. Vielleicht wird das Kino andere Formate annehmen. Aber ich glaube, was sich nicht ändert, ist dass fremde Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas auf einer Leinwand zu erleben.

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