Mercedes-Benz-Arena

Minimalistisch und doch groß - Van Morrison rockt in Berlin

In der leider nur zur Hälfte gefüllten Mercedes-Benz-Arena liefert Van Morrison eine unprätentiöse und doch eindrucksvolle Show ab

Van Morrison auf der Bühne (Archivbild)

Van Morrison auf der Bühne (Archivbild)

Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa

Berlin. Altersmilde ist er geworden, lässt seine sechsköpfige Band nicht erst einige Stücke spielen, sondern veredelt gleich den ersten Song mit seiner Ausnahmestimme. Van Morrison startet jazzig swingend mit „Let’s get lost“ in sein Berlin-Konzert. Eines von zweien in Deutschland.

Dass Jazz sein Faible ist, wird auch beim Aufbau der Instrumente deutlich. Die Musiker scharen sich sehr eng rund um ihren Frontmann. Nutzen nicht einmal die gesamte Breite der Bühne in der Mercedes-Benz Arena. Die ist knapp zur Hälfte ausverkauft. Etwas verschenkt. Eine kleinere Halle mit intimerer Atmosphäre wäre schön gewesen.

Van Morrison in Berlin erstaunlich gut gelaunt

Ohnehin lassen die Möglichkeiten der modernen Arena „Van The Man“ ziemlich kalt. Er beeindruckt weder mit LED-Screens, noch mit einer ausgefeilten Lightshow. Lichtstimmungen genügen. Allein die Musik steht im Fokus.

Beim Bier vor dem Konzert war in den Gängen heftig spekuliert worden, wie der Meister heute Abend drauf sein würde. Die Legende besagt nämlich, je schlechter Van Morrison gelaunt ist, desto besser sei der sein Auftritt. Er hat bekanntlich schon Konzerte teilweise mit dem Rücken zum Publikum gespielt. Van Morrison erweist sich für seine Fälle als gut aufgelegt - und das Konzert ist dennoch ein formidabler Gig.

Mindestens ebenso erregt war im Vorfeld über die Setlist diskutiert worden. Bekanntlich hat Van Morrison ein gigantisches Repertoire, aus dem er schöpfen kann. 40 Studioalben hat er veröffentlicht. Im Dezember 2018 erschien sein jüngstes Album „The Prophet Speaks“, das vierte innerhalb von nur 15 Monaten.

Luzider und federleichter Sound

Vom ruhigen Rentnerdasein hält der 73-Jährige, der 1945 in Belfast als Georg Ivan Morrison geboren wurde, offenbar nichts. In einem Interview bekannte er einmal, er wisse eh nichts Besseres mit sich anzufangen. Außerdem könne er es sich nicht leisten, in Ruhestand zu gehen. Dafür seien die Tantiemen aus Albumverkäufen und Airplay zu gering.

Musiker wollte der Weltstar, der 2015 von der Queen zum Sir geadelt wurde, allerdings schon als Kind werden. 1964 wurde er dann Frontmann der Band Them, bevor er 1967 seine Solokarriere startete.

Es ist ein elegant verwobener Mix aus Jazz, Soul und Blues, den Van Morrison live bietet. Ein Querschnitt durch seine Karriere mit zahlreichen Hits. Auch mit keltisch-irischem Einschlag wie bei „Magic Time“. Der Sound dazu ist wunderbar luzide, federleicht und absolut relaxt Als Sänger zeigt Van Morrison einmal mehr, warum er eine der größten lebenden Blues-Legenden. Und das, obwohl Van Morrison eindeutig ein Jazz-Konzert gibt. So steht immer der Musiker im Scheinwerferlicht, der gerade ein Solo spielt. Van Morrison selbst greift vorzugsweise zum Saxophon. Lässt Emotionen schwingen.

Auch gesanglich transportiert er wispernd, schreiend, scattend jedes Gefühl. Singt sich und das Publikum zur schummrigen Beleuchtung mit „Raincheck“ in Trance. Und er macht dieses Schalala-Ding, das er so liebt, bei „Brown Eyed Girl“. „Sometimes We Cry“ vom Album „The Healing Game“ aus dem Jahr 1997 ist gar so grandios interpretiert, dass es mittendrin spontane Begeisterungsrufe gibt

Zum Schluss gibt es noch „Gloria“

Wie üblich, trägt Van Morrison Hut und Sonnenbrille zum schwarzen Anzug. Die Standard-Uniform zur gewohnt minimalistischen Performance mit dem Publikum. Der Nordire ist nicht nur kein Mann großer Worte, auch seine Bewegungen sind stets verhalten. Mal abgesehen vom Griff zum Saxofon, der Gitarre oder Mundharmonika.

Vorschuss-Applaus brandet immer wieder vor allem bei den vielen bekannten Liedern an diesem Abend auf. Wie „Days Like This“ oder „Moondance“, aber auch bei „Have I Told You That I Love“. Eigentlich eine verdammt kitschige Ballade. Hier um Duett mit Sängerin Dana Masters eine wiederum jazzige Uptempo-Nummer.

Zum Schluss gibt es dann wie jedes Mal den Them-Klassiker „Gloria“. Van Morrison verschwindet derweil ohne Zugabe. Man dankt ihm innerlich für einen phänomenalen Auftritt mit gleich einem Dutzend Lieblingssongs. Seine fantastische Band indes spielt noch weiter. Und das Publikum jubelt.