Admiralspalast

Ein Hauch von Abschied bei Kris Kristofferson in Berlin

Im nahezu ausverkaufen Admiralspalast singt Kris Kristofferson von harten Männern mit weichem Kern. Das Publikum huldigt einer Legende.

Kris Kristofferson bei einem Konzert im April dieses Jahres

Kris Kristofferson bei einem Konzert im April dieses Jahres

Foto: Owen Sweeney / dpa

Berlin. Er steht da wie der Fels in der Brandung. Schwarzes Hemd, schwarze Jeans, die Gitarre geschultert. Als der Sänger und Songschreiber Kris Kristofferson am Pfingstmontag mit seiner Band Punkt 20 Uhr im nahezu ausverkauften Admiralspalast auf die Bühne tritt, brandet lautstarker Jubel auf. Das Publikum im Theatersaal erhebt sich und huldigt applaudierend einer Legende, deren Lieder Generationen begleitet haben. Und da ist noch kein einziger Ton gespielt.

Kris Kristofferson wird am 22. Juni 83 Jahre alt. Er hat der amerikanischen Countrymusik Made in Nashville in den Siebzigern ihre Spießigkeit genommen. Er hat Songs für die Ewigkeit geschrieben. Mit Zeilen, die fest im Zitatenschatz der populären Musik verankert sind. Er hat den Gestrandeten, den Gescheiterten, den Außenseitern kleine Denkmäler gesetzt. Seine Lieder erzählen Geschichten von harten Kerlen, die an ihrem weichen Kern zerbrechen. Sie erzählen von unglücklichen Liebschaften, von in Alkohol ertränkter Einsamkeit, aber auch von Hoffnung, Neuanfang und vor allem immer wieder von der Liebe zur Freiheit.

Die Stimme ist dünner und brüchiger geworden

Mit Geiger Scott Joss, Keyboarder Doug Colosio und Schlagzeuger Jeff Ingraham hat Kristofferson drei versierte Musiker nach Berlin mitgebracht. Sie firmieren als The Strangers und waren die letzte Tourband des vor drei Jahren gestorbenen Countrymusikers Merle Haggard. Nun geben sie dem musikalischen Lebenswerk Kristoffersons Format und Halt. Nachdem der Eröffnungsjubel langsam abgeebbt ist, beginnen sie den Abend mit „Shipwrecked In The Eighties“ von 1995. „Well you fight like the devil to just keep your head above water”, keucht der Sänger heiser ins Mikrofon und stößt zwischendurch in die Mundharmonika.

Der Sound ist elegant und von dezenter Klarheit, kann aber nicht verhehlen, dass Kris Kristoffersons Stimme dünn und brüchig geworden ist. Dennoch legt er sich mit ganzer Kraft in die alten Lieder. Und sie kommen alle. Das durch Sängerin Janis Joplin berühmt gewordene „Me And Bobby McGee“ mit der Zeile „Freedoms just another word for nothing left to lose“ gleich an vierter Stelle. „Help Me Make It Through The Night“ variiert er gleich einem Stoßgebet zu „Help me make it through tonight“. „Loving Her Was Easier” gibt es und „Casey’s Last Ride”. Die wunderbare Ballade „The Pilgrim, Chapter 33” und das einst von Johnny Cash gesungene „Sunday Morning Coming Down”.

Auch Haggard-Songs im Gepäck

Der in Texas geborene Hubschrauberpilot und studierte Literaturwissenschaftler hatte sich irgendwann in den Kopf gesetzt, Songschreiber zu werden. Mit Erfolg. Und auch als Schauspieler machte er sich einen Namen, spielte in mehr als 80 Filmen, darunter Hauptrollen in Sam Peckinpahs „Pat Garrett jagt Billy The Kid“, Michael Ciminos „Heaven’s Gate“ oder der „Blade“-Vampirjäger-Reihe. Gemeinsam mit seinen Kollegen Johnny Cash, Willie Nelson und Waylon Jennings spielte er zudem von 1985 bis 1995 in der Country-Supergroup The Highwaymen. Kris Kristofferson ist so etwas wie ein amerikanisches Gesamtkunstwerk.

Und weil da die ehemalige Band Merle Haggards auf der Bühne steht, gibt es auch einige Haggard-Songs, Klassiker wie „That’s The Way Love Goes“, von Geiger Joss gesungen, oder das von Keyboarder Colosio interpretierte „Daddy Frank (The Guitar Man)“. Und natürlich fehlt auch „Okie From Muskogee“ nicht. Was Kristofferson immer mal wieder Zeit gibt, um die angekratzte Stimme etwas zu schonen.

Ein Konzert, das wie ein Abschied wirkt

Zu den neueren Stücken zählt „Feeling Mortal“ vom gleichnamigen, 2012 erschienenen Album, in dem er sich der eigenen Vergänglichkeit stellt. „God Almighty here I am, Am I where I ought to be” singt er da, und: „I’ve begun to soon descend, like the sun into the sea.” Er sei auf dem Weg nach unten, der Sonne gleich, die im Meer versinkt. Aber noch steht er seinen Mann, allen Widrigkeiten des Alters zum Trotz. Ehrlich, raubeinig, authentisch. Und singt seine Lieder vor einem dankbaren Publikum.

Und doch wirkt dieses Konzert ein bisschen wie ein Abschied, wenn er nach knapp zwei Stunden inklusive einer Pause „Please Don’t Tell Me How The Story Ends“ singt. Es ist das 27. und letzte Lied des Abends, er hat es 1978 mit seiner damaligen Ehefrau Rita Coolidge aufgenommen. „This could be our last goodnight together, we may never pass this way again”, heißt es da. Keine Zugabe. „Thank You Berlin, God bless you” ruft er noch in den Saal. Und geht ab.