Uni-Ehren

Heiner Lauterbach in Berlin zum Ehrenprofessor ernannt

Heiner Lauterbach wurde in Berlin zum Hochschulprofessor ernannt. Und soll seinen Zöglingen auch Selbstvermarktung beibringen.

 Heiner Lauterbach am 27. Mai in der Kreuzberger Hochschule Macromedia, wo er zum Ehrenprofessor berufen wurde.

Heiner Lauterbach am 27. Mai in der Kreuzberger Hochschule Macromedia, wo er zum Ehrenprofessor berufen wurde.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Ganz unbekannt ist ihm die Rolle nicht. Professor war Heiner Lauterbach schon einmal, vor 20 Jahren in Sönke Wortmanns Uni-Satire „Der Campus“. Im Film allerdings war er, sagen wir mal vorsichtig, ein eher abschreckendes Beispiel für diese Zunft. Mit 66 Jahren nun ist der Schauspieler auch im echten Leben zu akademischen Ehren gekommen.

Am Montagabend wurde er in Berlin von der Hochschule Macromedia als Honorarprofessor für Schauspiel, Film und Fernsehen berufen. Und am Dienstag früh hielt er gleich seinen ersten Workshop vor 20 ausgewählten Studenten.

„Ich neige ja nicht zum Stolzsein“, sagt der Schauspieler kurz vor der öffentlichen Berufung in den Räumen der Hochschule in Kreuzberg, am Mehringdamm, genau gegenüber von Curry 36. „Aber ein bisschen stolz bin ich schon. Ich bin ein Freund von neuen Aufgaben und glaube, das ist eine schöne Herausforderung.“

Lauterbach, eine „perfekte Galionsfigur“

Macromedia ist keine staatliche Schule wie die berühmte Ernst Busch, sondern eine private Hochschule mit Ablegern in München, Stuttgart, Freiburg, Köln, Hamburg und Leipzig. Die Studiengebühren sind allerdings recht happig. Sie betragen 690 Euro im Monat. 2006 gegründet, war das Institut ursprünglich auf berufsbezogene Studiengänge für die Medien- und Kreativwirtschaft fokussiert. Doch der Fokus hat sich längst erweitert. Nun wird der neue Bachelorstudiengang Schauspiel eingeführt, in Zusammenarbeit mit der Pariser Schauspielschule Cours Florent, aus der Stars wir Diane Kruger, Audrey Tautou oder Sophie Marceau hervorgingen.

Da soll es nicht nur um klassischen Schauspielunterricht gehen, sondern auch um Management-Skills, um die Herausforderungen und Möglichkeiten in der digitalisierten Mediengesellschaft – und um Selbstvermarktung.

Das ist natürlich auch Vermarktung in eigener Sache: Mit einem Prominenten wie Heiner Lauterbach, der das Amt ehrenhalber, also ohne jedes Gehalt bekleidet, ist der Hochschule ein echter Coup geglückt, ist ihr damit doch eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit sicher.

Professor Jürgen Faust, der Präsident von Macromedia, sieht in dem Schauspieler aber auch „die perfekte Gallionsfigur“ für das neue Studiensegment.

Zu viel geredet, zu viel getrunken

Perfekt? Gallionsfigur? Da muss Lauterbach selbst ein bisschen schmunzeln. „Als junger Mensch habe ich in meiner persönlichen Vermarktung unglaubliche Fehler gemacht“, wie er bekennt. Das aber sei kein Widerspruch. Vielleicht sei er genau deshalb der Richtige: „Ich kann davon abraten, was man alles nicht machen sollte.“

Und auch Nachfrage, was er da so bereue, setzt er ungeschönt nach: „Ich habe früher jedem ein Interview gegeben, der mir ein Mikro unter die Nase gehalten hat. Ich habe auch Homestories gemacht und Leute zu mir nach Hause gelassen.“ Lauterbach weiß, dass er es zu einiger Prominenz geschafft hat, weil er ein paar Mal in der Bild-Zeitung „mit irgendwelchen Freundinnen auf Seite Eins“ gelandet ist.

Er weiß auch, dass er deshalb bei manchen Produktionen nicht genommen wurde. Weil es im Deutschen immer diese „unsägliche Trennung in E und U“ geben würde und er den Entscheidern dann nicht seriös, nicht künstlerisch genug erschienen sei.

„Herbert Grönemeyer hat mal gesagt, unterhalb des ‚Sterns‘ gebe er keine Interviews“, so Lauterbach. „Ich finde das hochnäsig. Aber um eine artifizielle Wichtigkeit zu kreieren, ist das wahrscheinlich genau das Richtige.“ Lauterbachs Rückblick ist da ganz kritisch: „ Ich habe definitiv zu viel gemacht. Ich hätte auch das eine oder andere Mal nüchterner sein können bei öffentlichen Auftritten.“ Aber genau das seien Dinge, die er nun seinen Studenten erzählen könnte.

„Den Rest kann man googeln“

Für das Amt fühlt er sich breit aufgestellt. Und wirklich hat er in seinen 45 Jahren im Beruf so ziemlich alles gemacht, was man in dem Bereich machen kann. In allen Sparten: Theater, Film, Fernsehen, Hörspiel, Synchron, er hat auch selbst Regie geführt, Filme produziert, ein eigenes Filmfestival.

„Insofern sehe ich der Sache gelassen entgegen“, sagt er mit seinem typischen Understatement. „Ich kann alles beantworten. Und der Rest“, fügt er grinsend hinzu, „wird gegoogelt.“

Aus der eigenen Schauspielschule geflogen

Was ihm aber wirklich ist, sind die Herausforderungen und Möglichkeiten im Digitalen und wie die jungen Schauspieler, die ja alle kleine Ich-AGs seien, diese für sich nutzen können. Das hätte sich Lauterbach auch gewünscht. Aber das gab es zu seiner Zeit nicht.

Lauterbach, der aktuell im Kino in „Der Fall Collini“ als aasiger Anwalt zu erleben ist, hat einst bei der Kölner Schauspielschule der keller gelernt, da gab es nur klassischen Schauspielunterricht, mit Kursen im Fechten und Steppen. Und Dramaturgie-Unterricht, den er aber immer geschwänzt hat, „weil es mir egal war, wann Goethe den ‚Faust‘ geschrieben hat.

Sein Motto: Alle Wege führen nach Rom

Er ist deshalb auch ziemlich schnell von der Schule geflogen, hat das aber nie bereut. Seine eigentliche Lehre, so Lauterbach, machte er später an kleinen Theatern in Köln und Hamburg, wo er versuchte, mit möglichst guten Leuten zusammen zu arbeiten.

Und das vor allem wolle er seinen Studenten vermitteln: „Es führen viele Wege nach Rom. Wenn man an einem Staatsschauspiel, an dem man gern spielen würde, nicht genommen wird, ist das überhaupt kein Grund zu verzagen. Es gibt auch keine Ausrede: Die haben mich nicht genommen. Man kann überall auf der Welt gutes Schauspiel machen. Wenn man das weiß, muss man vor nichts Angst haben.“ Mit solchen Mut-Plädoyers ist Heiner Lauterbach vielleicht wirklich genau der Richtige für diesen Job.