Kabarett

Gegen das Gemunkel in dunklen Hinterzimmern

Spitzen gegen das „posthistorische Regieren“: Lisa Fitz gastierte mit ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ im Kabarett „Die Distel“.

Kabarettistin Lisa Fitz

Kabarettistin Lisa Fitz

Foto: Lena Busch

Im Kopf von Lisa Fitz geht es zu wie in einer Waschmaschine, die mit Worten statt mit Wäsche gefüllt ist. Die Kabarettistin liest nämlich so ziemlich alles, was sie in die Finger bekommt. Romane, Sachbücher, Zeitungen. Kein Wunder, dass Themen, Thesen und Geschichten in ihrem Hirn Party feiern. Eine ihrer Freundinnen liest genau aus diesem Grund gar nichts. Bei ihr herrscht Stille im Kopf. Aber auch Leere. Gefährlich in den unruhigen, heutigen Zeiten. Schließlich bedeutet Wissen Macht. Etwa, um populistische Stimmungsmache zu durchschauen, sich eine Meinung über die Politik zu machen und mitzureden.

Die bayerische Satirikerin gastiert in Berlin

Dazu will Lisa Fitz mit ihrem aktuellen Programm Mut machen. „Flüsterwitz“ heißt es. Und die bayrische Satirikerin erklärt bei ihrem Gastspiel im Kabarett-Theater Die Distel, dass damit nicht die hinter vorgehaltener Hand erzählten Schweinereien gemeint sind, die bei Klosterschülern Schnappatmung verursachen. Es geht vielmehr um den politischen Flüsterwitz, der stets in autoritären und totalitären Systemen groß Karriere macht. Auch in der Distel, lange Zeit das Vorzeigekabarett der DDR, kannte man sich früher zu Mauerzeiten bestens damit aus.

Dass auch gegenwärtig Anlass zur Sorge besteht, zeigte eine neue Studie des Allensbach Instituts in der vergangenen Woche. Danach glaubt nur etwa jeder Fünfte, in der Öffentlichkeit seine Meinung frei äußern zu können. Auch Lisa Fitz fragt sich als Kabarettistin, was darf man, was muss man und was darf man nicht mehr sagen? Sie tritt ein für eine unbedingte Diskussionskultur und fordert: „Es muss gestritten werden. Freie Rede, solange es noch geht.“

Zwischen Rechtsnationalismus und Political Correctness

Gerade am Abend der Europawahl durchaus ein Thema. Nicht nur wegen des erstarkenden Rechtsnationalismus. Sondern auch wegen der um sich greifenden übertriebenen Political Correctness. Im Gegensatz zu manchem anderen Kollegen bei früheren Wahlen, startet Lisa Fitz den Abend jedoch nicht mit einer spontanen Wahlanalyse. Wohl auch aus dem schlichten Grund, dass ihr Auftritt für verlässliche Hochrechnungen einfach zu früh begonnen hat.

Im Kern kann man der streitlustigen Powerfrau Fitz nur zustimmen. Leichte Abzüge gibt es allerdings in der B-Note. Bei den Songs ist ihre Stimme mit so viel Hall unterlegt, dass man vom Echo glatt erschlagen wird. Selbst Schlagersänger sind da dezenter. Und die zahlreichen Mitmachnummern passen eher ins Bierzelt.

Die Große Koalition wird bitterböse abgewatscht

Am besten ist Lisa Fitz, wenn sie ihren verbalen Turbo aufdreht, mit grantelndem Furor gegen selbstherrliche Politiker und Meinungsdiktatur zu Felde zieht. Die aktuelle Regierung watscht sie dabei bitterböse ab, nennt die Große Koalition eine „holprige Dilettantentruppe“. Und Merkel, deren „postheroisches Regieren“ bereits von vielen Seiten kritisiert wurde, mache trotzdem im feudalherrschaftlichen Stil weiter. Obwohl ihre Zeit längst vorüber sei und es besser wäre, zu gehen. Sie merke es nicht wie einst ihr Vorgänger Gerhard Schröder, bevor er weg ist als Gasabzähler für Putin.

Lisa Fitz bezieht deutlich Stellung und zeigt Haltung. Sie ist gegen ominöses Gemunkel in dunklen Hinterzimmern. Sie schläft sogar bei Licht. Aber nicht, weil sie Angst vor der Dunkelheit hätte. Die Dunkelheit hat Angst vor ihr.