Mercedes-Benz Arena

Schiller zelebriert spektakuläres Konzert-Event in Berlin

Das Ambient-Projekt Schiller feiert sein 20-jähriges Bandjubiläum mit einer Tour und macht Halt in der Mercedes-Benz Arena.

Christopher von Deylen (R) (Archivbild)

Christopher von Deylen (R) (Archivbild)

Foto: Georgios Kefalas / dpa

Berlin.  Die ersten Momente sind laut und krachend. Man könnte fast glauben, dass man auf einem Rockkonzert wäre. Doch mitnichten. Synthie- und Drumkaskaden zu atemberaubenden Lichtstimmungen verraten, wo es an diesem Abend musikalisch entlang geht: Elektronischer Ambientsound steht auf dem Programm.

Der kommt allerdings immer wieder mit erstaunlich rockigen Anleihen daher. Was beweist, dass Schiller stets für eine Überraschung gut ist. Der Surround-Sound ist dabei ungewöhnlich luzide. Egal, ob melancholischer Synthiepop, gigantische Klanglandschaften oder tanzbare Passagen mit dezenten bis durchdringenden Beats.

Schiller: Spektakuläre High-End-Light- und Lasershow zum 20-jährigen Jubiläum

Elektronik-Star Christopher von Deylen feiert aktuell das 20-jährige Jubiläum seines Ambient-Pop-Projekts Schiller nicht nur mit dem neuen, zehnten Studioalbum „Morgenstund“, sondern auch mit der großen Arena-Tour „Es werde Licht“. Den der Bibel entlehnten Titel nimmt er dabei durchaus wörtlich. Und zwar mit einer perfekt designten spektakulären High-End-Light- und Laser-show.

Irgendwie logisch. Wenn man schon Gott zitiert, sollte man schon richtig klotzen und nicht zaghaft kleckern. In der fast ausverkauften Mercedes-Benz Arena fehlen zum Geburtstag natürlich auch die frühen Hits nicht, die allesamt frenetisch bejubelt werden. Wie „Ruhe“, „Schiller“ oder „Das Glockenspiel“, mit dem 1998 alles in Hamburg begann. Mit der Single hoben Christopher von Deylen und Mirko von Schlieffen Schiller damals aus der Taufe. Benannt übrigens nach dem berühmten Weimarer Dichterfürsten Friedrich Schiller.

Das Erfolgsrezept bis heute: So sanfte wie entspannende sphärische Melodien, teils mit poetischen Texten und immer wieder auch treibenden Rhythmen. Fünf Jahre lang surfte das Duo gemeinsam auf der Erfolgswelle. Dann zog von Deylen 2002 nach Berlin, richtete in Friedrichshain ein neues Studio ein. 2003 folgte die Trennung. Seither ist Elektronik-Papst Christopher von Deylen alleiniges Mastermind von Schiller und international gefragt wie nie.

Über sieben Millionen verkaufte Alben

Über sieben Millionen verkaufter Alben sowie zahlreiche Auszeichnungen. Von Anfang an hat Schiller bei den atmosphärischen Klangabenteuern stets auf Gastmusiker gesetzt. Für von Deylen „zeitlich begrenzte Liasions“, die ihm ein neues kreatives Input bescheren. Gewohnt offen für alle möglichen Genres und Stile, hat er sich auch auf „Morgenstund“ von musikalischen Kurzzeit-Partner inspirieren lassen.

Unter anderem vom iranischen Komponisten und Santur-Meister Pouya Sarai, der Deutschlands Elektronik-Künster Nr. 1 in sein Teheraner Studio einlud. Daher finden sich in den Liedern „Das Goldene Tor“ persische Klänge. Live spielt die iranische Musikerin Yalda Abbasii die persische Laute und singt dazu. Analoge Weltmusik inmitten elektronisch dominierter Tracks. Von Deylen wirbelt gleich an mehreren Synthesizern, baut seine mal filigranen, mal bombastischen Soundscapes mit unglaulichem, beinahe malerischem Gespür.

Eines ist gewiss, live kommt Schillers Musik ungemein energetisch daher. Auch, wenn mancher Kritiker von Deylen vorwerfen mag, gefällige Yoga-Mucke zu machen. Meditativ ist hier wahrlich nichts. Begleitet wird von Deylen von einer grandiosen vierköpfigen Band. Darunter der fantastische britische Drummer Gary Wallis. Tricia McTeague, Sophie Hiller und Roland Schwarz sorgen derweil für spannende Gesangsfarben, die mit den bunten Lichttupfern der Scheinwerfer-Batterien förmlich konkurrieren. Ein sensationelles Konzert und zugleich eine hochkarätige Show.