Konzert

Blackpink in Berlin: Tausende Teenies feiern die K-Pop-Stars

Blackpink sind nicht in den Charts, nicht im Radio. Trotzdem verkaufen sie weltweit Hallen aus. Auch in Berlin. Ein Konzertbesuch.

Die Mitglieder der K-Pop Band "Blackpink" (Archivbild)

Die Mitglieder der K-Pop Band "Blackpink" (Archivbild)

Foto: Amy Harris / dpa

Berlin.  Es ist dieses Gefühl, eine Parallelwelt zu betreten. Eine Art Darknet des Teenie-Pops, mit eigenen Codes, eigene Formalitäten, viel Obsession. Nur, dass hier nichts schmuddelig ist, im Gegenteil. Die Max-Schmeling-Halle ist in dieser Nacht so bunt, gleichzeitig so sauber, wie selten. Blackpink sind in der Stadt, und kaum einer weiß es, weil Blackpink K-Pop machen.

Das ist koreanischer Pop, seit Jahren von wachsender Bedeutung in einer sehr spitzen Zielgruppe – die aber so groß ist, dass hier mal eben rund 10.000 Menschen – vorrangig weiblich und minderjährig – Jisoo, Jennie, Rosé und Lisa ankreischen.

Blackpink: K-Pop-Phänomen ist auch Folge der Globalisierung

Teenie-Phänomene gab es immer. Dass nun vier junge Frauen, die überwiegend in koreanisch vortragen, die nackteste aller Hysterien, die des Teenagers, hervorrufen, ist neu. Blackpink haben Erfolg, den Charts nicht zeigen. Eine Generation hat sich freigeschwommen vom Diktat der Plattenfirmen, ihre Stars füllen global Arenen, ohne einmal im Formatradio gelaufen zu sein. Auch das ist Globalisierung.

Wochenlange Vorbereitung, Leuchtstäbchen für 40 Euro

Schon tags zuvor warten erste Fans vor der Halle, seit Monaten haben sie sich in digitalen Fangruppen organisiert. Sie sammelten Spenden für Papierbanner, die sie während der Show hochhalten. Sie produzierten Armbändchen als Andenken. Sie berieten, welcher Spezialversand am günstigsten den offiziellen „Lightstick“ nach Deutschland verschifft, denn die Fans wissen, wie obszön die Preisgestaltung ist. 40 Euro für ein Stück Plastik mit Licht. Die Mehrheit hat ihn.

K-Pop-Branche umstritten – ihr Produkt: Perfektion

Die K-Pop-Branche ist erbarmungslos, eine zynische Maschinerie, die Perfektion verkauft. Blackpinks Label braucht gute Presse, da war gerade ein hässlicher Skandal. Drogen- und Groupie-Storys. Die vier Frauen sind das Vorzeigeprojekt. Sauber und die große Hoffnung. Die Videos sehen aus wie Vogue-Shoots. Sie haben Einnahmepotenzial.

So kosten Stehplätze zweiter Klasse – der größte Teil des Innenraums –190 Euro. Viele haben aber VIP-Tickets, noch teurer, dafür darf man zum Soundcheck und näher ran. Und alles zweimal sehen.

Radikal-ADHS-Musik für die Generation Youtube

Zu sehen gibt es viel: Blackpink feuern Konfetti und Bass in die Halle, als wenn es um ihr Leben ginge. Perfekte Choreografien zu Songs, die Erwachsenen das Fürchten lernen. Die Show ist eine Achterbahn der Genres. Scooter trifft Helene trifft Migos trifft Sesamstraße. Zwischendurch covert Rosé „Let It Be“. Ja, DAS „Let It Be“.

Viele eigene Songs eint, das auf eine zackig vorgetragene Strophe ein Zucker süßer Pop-Refrain und ein sehr wuchtiges Instrumental-Zwischenspiel folgt. Wie in den Videos geben sie dazu die Femme Fatales, Girlpower 2019. Der Opener „Ddu-Du Ddu-Du“ hat diese zitterige Trap-Snare, die im amerikanischen Rap weiter extrem populär ist (das Lied kommt im Remix zum Finale nochmal aggressiver).

„Boombayah“ ist Radikal-ADHS-Musik für die Generation-Youtube, deren Aufmerksamkeitsspanne in den Zeiteinheiten Snaps/Storys berechnet wird. Auch „Kill This Love“ vereint irgendwie alles, was gerade so populär ist. Klinisch rein durchproduziert, aber auch auf höchstem Qualitätslevel innerhalb der musikalischen Spielform. Religiöser Eifer bei den „Blinks“ – alles ist toll, toll, toll. Zwischendurch darf jede Dame alleine ran, es gibt die ein, zwei Balladen (eben auch „Let It Be“), bevor alles wieder losscheppert.

Viel reden die Koreanerinnen nicht, beschwören aber fleißig ihre Liebe zu Berlin, Deutschland, Blinks (so nennen sie ihre Fans) – alles toll, toll, toll. Alle kreischen, mit fast religiösem Eifer. Es ist weniger Konzert denn Flashmob, alles ist bunt in dieser Parallelwelt, alles leuchtet, alles ist schnell. Und wahrscheinlich schnell vorbei. Das haben Teenie-Phänomene so an sich. Egal, woher sie kommen. Bis dahin machen Blackpink das, was sie sollen, ziemlich gut.