Kritik

Beat Rhapsody: Keine klassische Drummer-Show

„Beat Rhapsody“ feierte im Tipi die Berlin-Premiere. Double Drums erweisen sich als faszinierende Schlagwerker

Das Tipi

Das Tipi

Foto: Eventpress Herrmann / picture alliance / Eventpress

Rechts und links gewaltige Marimbaphone, Trommeln, Cajones, Gong und vieles mehr zeigen eindrucksvoll, dass Multi-Percussionisten keine halben Sachen machen. Die Meisterklasse-Schlagzeuger Alexander Glöggler und Philipp Jungk sind da keine Ausnahme.

Auf Alltagsgegenständen wird getrommelt

Doch neben ihrem raumgreifenden und verschwenderischen Instrumentarium leben sie auf der Bühne auch trendgerecht ökologische Nachhaltigkeit vor. Sie reduzieren Plastikmüll, indem der unkaputtbare Stoff als Instrument recycelt wird.

Man benötigt dazu noch eine Loop-Station, um Schlag-Rhythmen von Schläuchen, Flaschen und Dosen in Schleifen übereinander zu legen. So entsteht ein Beat, zu dem man auf allen möglichen Alltagsgegenständen trommeln kann.

Hauptsache, es sind Resonanzkörper. Als Clou klappt man dann noch den Deckel einer Mülltonne krachend auf und zu. Die Münchner Musiker, besser bekannt als preisgekröntes Percussion-Duo Double Drums, lieben derlei Gimmicks. Ihre neue Show „Beat Rhapsody“, die nun im Tipi Berlin-Premiere feierte, ist voll davon. Egal, ob mit einer Luftschlagzeug-Einlage oder mit spritzendem Wasser.

Unterschiedliche Genres werden präsentiert

Double Drums zeigen keine klassische Drummer-Show, wie man sie von fernöstlichen Ensembles wie Yamamoto oder Kodo Group kennt. Sie präsentieren unterschiedliche Genres und Stile, U- und E-Musik, eigene Kompositionen und bekannte Melodien. Immer wieder entführen sie dabei in exotische Welten. Es geht mit trommelnd kreierten Soundlandschaften in die Savanne Afrikas, die chinesische Wüste Taklamakan und in die Karibik.

Hart an der Grenze zum Kitsch

Double Drums erweisen sich als faszinierende Schlagwerker. Doch bei allem Können sind viele der Stücke zu glatt. Fast schon zwanghaft auf Familien-Show getrimmt. Oft wird zusätzlich Musik vom Band eingespielt. Das macht den Sound zwar satter, aber auch gefälliger. Zuweilen hart an der Grenze zum Kitsch. Dafür sorgt auch der inflationäre Einsatz des Marimphones.

Die sphärischen Klänge haben selbst bei allergrößter Virtuosität etwas von Wellness-Oasen-Gedudel.

So könnte die auf zwei Marimbas minimalisierte Adaption von Puccinis Arie „Nessun Dorma“ locker einen ganzen Saal voller schreiender Babys einlullen. Kein Wunder, dass die Begleitung fragt: „Gibt es das auch in Rosa?“

Double Drums können auch anders

Glücklicherweise können Double Drums auch anders, wie sie mit ihrem „Star Wars Drum Battle“ beweisen. Eine Choreographie mit leuchtenden Sticks statt mit Laserschwertern. Meister Yoda und Darth Vader übertrumpfen sich dabei mit atemberaubenden Trommelwirbeln und überraschenden Beats. Mehr davon - und Yoda fordert: „Kommen Double Drums wieder nach Berlin, Du hingehen musst.“