Architektur

I. M. Pei: Der Architekt der „gläsernen Schnecke“ ist tot

I.M. Pei erschuf die Pyramide vor dem Louvre in Paris – und den Neubau des Deutschen Historischen Museums. Er starb mit 102 Jahren

Berlin, 27. August 1998: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (l.) begrüßt anlässlich des ersten Spatenstichs zur Erweiterung des Deutschen Historischen Museums den Architekten Ieoh Ming Pei.

Berlin, 27. August 1998: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (l.) begrüßt anlässlich des ersten Spatenstichs zur Erweiterung des Deutschen Historischen Museums den Architekten Ieoh Ming Pei.

Foto: Andreas Altwein / dpa

Der amerikanisch-chinesische Stararchitekt I. M. Pei ist im Alter von 102 Jahren gestorben. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag (Ortszeit) von seinem Büro bestätigt. Berühmt wurde der Pritzker-Preisträger unter anderem mit der Gestaltung der Glaspyramide am Louvre in Paris. Sein Umgang mit simplen geometrischen Formen und das Spiel mit dem Licht prägten seine Arbeit. In Deutschland kreierte Pei einen 2003 eröffneten Anbau für das Deutsche Historische Museum in Berlin mit einem spiralförmigen Treppenhaus aus Glas und Stahl.

Pei wurde 1917 im südchinesischen Guangzhou (Kanton) geboren und wuchs in Hongkong und Shanghai auf. Schon mit 17 Jahren zog es ihn in die USA.

Schüler von Breuer und Gropius

Die Kunst der Architektur lernte er dort ab 1935 an der University of Pennsylvania, ehe er am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und 1946 an der Harvard Graduate School of Design Abschlüsse in Architektur machte. Unter seinen Dozenten waren unter anderem die Bauhaus-Architekten Marcel Breuer und Walter Gropius.

Als der Zweite Weltkrieg seine Rückkehr nach China verhinderte, waren Boston, New York und Los Angeles bald seine neuen Arbeitsplätze. In dieser Zeit schuf er städtische Projekte wie das Mile High Center in Denver, Colorado (1955), den neu gestalteten Hyde Park in Chicago (1959) und den Place Ville-Marie in Montreal (1965).

Es folgten prestigeträchtige Aufträge wie der Ostflügel der „National Gallery of Art“ in Washington (1978) und die Bibliothek für den ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in Boston (1979). Mit seiner Frau Eileen Loo, die er schon aus Studienzeiten kannte, hatte er drei Kinder.

Die Pritzker-Preisjury urteilte 1983 mit den Worten: „Ieoh Ming Pei hat diesem Jahrhundert einige seiner schönsten Innenräume und äußeren Formen gegeben“. Seine Vielseitigkeit und sein Können beim Materialgebrauch näherten sich dem Niveau von Poesie. Doch nicht alle erkannten sein Talent - die Glaspyramide am Louvre wurde von Kritikern zunächst als „Disneyland-Anbau“, als „Akt der Willkür“ und „gigantische Spielerei“ verschrieen.

Müller: „Edelstein im Stadtbild“

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärte zum Ableben des Architekten I.M. Pei: „Berlin verdankt diesem weltweit renommierten Architekten einen Edelstein in seinem Stadtbild: Der einzigartige Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums ist ein herausragendes Exponat moderner Architektur, der auf künstlerisch einmalige Weise eine selten harmonische Verbindung von Moderne und Vergangenheit schafft. Wir trauern um einen Architekten von Weltrang und sind dankbar dafür, dass I.M. Pei auch unsere Stadt mit einem Zeugnis seiner Kreativität bereichert hat.“