Rundfunkchor

Wenn ein Chefdirigent seinen Spaß hat

Oper, Konzerte und Spice Girls: Gijs Leenaars stellt das Programm des Rundfunkchors Berlin vor. Sein Vertrag wurde bis 2025 verlängert.

Der Niederländer Gijs Leenaars leitet seit 2015 den Rundfunkchor Berlin

Der Niederländer Gijs Leenaars leitet seit 2015 den Rundfunkchor Berlin

Foto: HANS VAN DER WOERD

Gijs Leenaars ist kein Mann der großen Worte. Zwar sagt er bei der Jahrespressekonferenz des Rundfunkchors Sätze wie „A-cappella-Konzerte sind sehr wichtig“ oder spricht darüber, wie ein Hochleistungschor gepflegt werden muss und kündigt dies und das an. Aber eigentlich ist der Chefdirigent einer, der vor allem seinen Spaß an allem haben möchte.

Womit er weit weg ist von knochentrockenen Taktschlägern aus alten Zeiten. Der Niederländer bedankt sich für die bisherige Unterstützung und fügt hinzu, dass er sich in Berlin „mehr unterstützt gefühlt hat als in meinem eigenen Land.“ Das ist typisch sein Humor, denn die Jahresvorschau findet just in der Niederländischen Botschaft in Berlin statt.

Der Rundfunkchor singt Titel von den Spice Girls

Beim Rundfunkchor wird Leenaars, dessen Vertrag gerade um weitere fünf Jahre bis 2025 verlängert wurde, wieder einige der Konzerthighlights leiten: Etwa das neue transdisziplinäre Projekt „Time Travellers“ im April 2020, für das sich das Radialsystem auf Grundlage von Jonathan Doves „The Passing of the Year“ mit einer Videoinstallation, Performance und Musik in einen begehbaren Zeittunnel verwandelt.

Beim Festkonzert zu „30 Jahre Mauerfall“ wird er in der Gedächtniskirche Bruckners e-Moll-Messe dirigieren. Der 41-Jährige spricht beiläufig über die Spice Girls. Gemeint ist eine von Gayle Tufts moderierte RundfunkchorLounge im silent green Kulturquartier. Es geht irgendwie darum, wie sich Frauen gestern und heute in ihrer Musik ausgedrückt haben. „Wir singen zum ersten und wahrscheinlich zum letzten Mal etwas von den Spice Girls“, kündigt Leenaars fröhlich an.

Für den klassischen Part bei der Vorschau ist Hans-Hermann Rehberg zuständig. „Wir freuen uns“, sagt der Chordirektor, „dass Kirill Petrenko mit uns seine Zeit in Berlin beginnt.“ Der neue Chefdirigent der Philharmoniker startet seine Amtszeit mit Aufführungen von Beethovens Neunter in der Philharmonie, Open Air am Brandenburger Tor sowie in Salzburg und Luzern. Zudem dirigiert Petrenko zwei konzertante Aufführungen von Beethovens „Fidelio“ mit dem Spitzenchor. Eine Wiederbegegnung mit Simon Rattle gibt es für Beethovens „Christus am Ölberge“. Das große Beethoven-Jubiläum naht.

Konzertante Opernaufführungen gehören zum Programm

Der Rundfunkchor bleibt ein beliebter Partner der großen Berliner Orchester. Chefdirigent Robin Ticciati hat den Chor für Dvořáks „Rusalka“ und Berlioz’ „La damnation de Faust“ bei seinem Deutschen Symphonie-Orchester verpflichtet. Vladimir Jurowski, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters, leitet konzertante Aufführungen von Strauss’ „Frau ohne Schatten“ und Verdis Messa de Requiem, darüber hinaus singt der Chor in den Silvesterkonzerten Beethovens Neunte unter Karina Canellakis. Insgesamt 52 Konzerte und 25 Programme sind in der kommenden Saison geplant – 15 Dirigenten stehen am Pult.

Benjamin Goodson, Assistent von Leenaars, wird das Weihnachtskonzert im Berliner Dom mit einem rein britischen A-cappella-Programm leiten. Der Brite Goodson ist gerade auf seinem Karrieresprung, er wird Chefdirigent des Niederländischen Rundfunkchors. Das habe nichts mit einer deutsch-niederländischen Chormafia zu tun, sagt Leenaars, er sei wirklich so gut.