Sanierung

Die Komische Oper geht ins Exil

Keine Extrawünsche, trotzdem wird die Sanierung der Komischen Oper teurer: auf 238 Millionen Euro sind die Kosten schon gestiegen.

Als Ko-Intendanten leiten Susanne Moser und Philip Bröking die Komische Oper während der fünfjährigen Sanierung

Als Ko-Intendanten leiten Susanne Moser und Philip Bröking die Komische Oper während der fünfjährigen Sanierung

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Einer neuen gewagten Kulturgroßbaustelle in Berlin widmete sich am Montag der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Es geht um die fünfjährige Sanierung und Erweiterung der Komischen Oper, die 2022 beginnen soll. Um das Volumen mit Zahlen zu verdeutlichen. Als im Februar vergangenen Jahr die Planungen festgezurrt wurden, waren 227 Millionen Euro veranschlagt worden. Aufgrund der Baupreissteigerungen geht man jetzt bereits von knapp 238 Millionen Euro aus. Und noch gab es keinen Spatenstich. Zum Vergleich: Als die Staatsoper ihre auf drei Jahre geplante Sanierung begann, ging man von 239 Millionen Euro aus, nach sieben Jahren Sanierungsskandal korrigierte man die Summe auf rund 440 Millionen Euro.

Es ist also verständlich, dass in Sachen Komische Oper eine gewisse Nervosität herrscht. Zumal Kultursenator Klaus Lederer (Linke) auch die Ansage macht: „2022 ist ehrgeizig.“ Es gibt noch viele lose Enden, die verknüpft werden müssen. Die Abgeordneten haben sich als sachkundige Vertreterin der Komischen Oper Susanne Moser eingeladen. Was interessant ist. Eigentlich ist Regisseur Barrie Kosky Intendant der Hauses. Der gibt 2022 aber sein Amt auf und begleitet die Sanierung als Hausregisseur mit zwei Inszenierungen pro Saison. Die geschäftsführende Direktorin Susanne Moser und der Operndirektor Philip Bröking werden Ko-Intendanten. Im Ausschuss wird klar, wer in der Sanierungszeit das Sagen an der Komischen Oper hat.

Verwaltung und Probenräume sollen in den Neubau ziehen

Der Name Barrie Kosky fällt im Ausschuss überraschend wenig. Und wenn, dann eher im Zusammenhang mit Wünschen und Positionen. Kosky ist es, der lieber nicht in die Ausweichspielstätte Schillertheater will. Kosky ist es, der auf mutmaßlich kostspielige Weise verrückte Spielorte in der Stadt erschließen will. Kosky ist es, der einen internationalen Architektenwettbewerb vorantreibt. Kosky selbst ist nicht im Ausschuss.

Susanne Moser verweist in ihren Ausführungen zuerst auf „das große Sicherheitsnetz unter unserem Plafond.“ Es bröckelt von der Decke im Zuschauersaal und hinter der Bühne gibt es regelmäßig Leitungsschäden. Damit das Opernhaus überhaupt bis 2022 durchhält, mussten noch einmal fünf Millionen Euro in den Brandschutz investiert werden. 2022 beginnt die Sanierung. „Folgendes sieht die Planung vor“, sagt Susanne Moser, „die Sanierung und die Grundinstandsetzung unseres denkmalgeschützten Opernhauses und die Errichtung eines zusätzlichen Gebäudes auf dem Grundstück entlang der Glinkastraße.“ In diesem Neubau sollen – neben der Verwaltung – alle wesentlichen Probebühnen unterkommen. „Dann haben wir endlich zeitgemäße Probenbedingungen für unsere Mitarbeiter. Erst dann können wir auch die behördlichen Auflagen – vom Lärmschutz bis hin zur Arbeitssicherheit – vollumfänglich erfüllen. Wir bekommen zwei szenische Proberäume, einen Orchesterprobesaal, einen Chorprobensaal und auch unser Kinderchor soll endlich einen eigenen Probesaal erhalten. Für musiktheaterpädagogische Workshops für Kinder und Jugendliche wird auch Raum geschaffen.“

Das alte Opernhaus soll neu gedacht werden

Auch der Altbau – das eigentliche Opernhaus – soll funktional neu gedacht werden. „Wir bekommen eine Montagehalle, die es ermöglicht, Bühnenbilder auch bereits auf der Seitenbühne aufzubauen. Damit wird die Spielfähigkeit unserer Oper wesentlich verbessert. Das denkmalgeschützte Opernhaus wird in allen Bereichen saniert, die Bühnen- und Betriebstechnik vollständig erneuert.“ Auch Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sollen bedacht werden.

Das Haus bewirbt seine Sanierungszeit als „Komische Oper im Exil – ein Festival über fünf Jahre.“ Tatsächlich ziehen die 420 festen Mitarbeiter ab 2022 – wie zuvor das Ensemble der Staatsoper Unter den Linden – aber nach Charlottenburg ins Schillertheater. „Wir lassen niemanden zurück“, sagt Susanne Moser. Das Schillertheater ist Basis, Probenort und dort soll es zwei größere Produktionen pro Saison geben.

Darüber hinaus haben die Macher die Idee, drei bis vier Orte in der Stadt auszuwählen, „die wir in jeder Saison bespielen“. Im Kulturausschuss wird das auch hinterfragt, weil es natürlich zusätzliche Kosten verursacht. „Selbstverständlich werden wir versuchen,“ sagt Susanne Moser, „einen möglichst großen Anteil aus unserem regulären Budget zu stemmen, hoffen aber auch mit Drittmittelakquise unsere Spielräume zu erweitern.“

Künstler stellen ihre Wünsche zurück

Für die Sanierungszeit muss die Komischen Oper ohnehin Rücklagen bilden. Im Ausschuss wird beiläufig diskutiert, ob eine Parallelnutzung möglich sei. Denn noch spielt die Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater als Ausweichspielstätte. Und Bauplanungen sind in Berlin trügerisch. Mit Blick auf die Baukostensteigerungen versichert Susanne Moser, dass die „sicher nicht mit einer Erweiterung des Bedarfs oder mit Extrawünschen unsererseits zu tun haben.“ Das Haus hatte sich im Neubau ein Parkhaus gewünscht. Zu teuer. „Wir wollten auch Appartements für unsere Künstler“, sagt Susanne Moser. Dafür reicht der Neubau dann doch nicht aus.