Kabarett

Wenn Emmanuel Macron im Kinderwagen sitzt

Das Kabarett „Die Stachelschweine“ nimmt die Weltlage auf die Schippe. Spitzenpolitiker und Diktatoren müssen zurück in den Kinderwagen.

Die Stachelschweine sind: Melanie Koschorz, Sebastian Fischer und Henning Mayer.

Die Stachelschweine sind: Melanie Koschorz, Sebastian Fischer und Henning Mayer.

Foto: Die Stachelschweine

Berlin. Spätestens, seitdem Donald Trump als Präsident die Weltbühne betreten hat und die Politik mit rüdem Ton aufmischt, reibt sich die Öffentlichkeit verwundert die Augen. Ist das noch Politik oder doch schon Kasperletheater?

In den Stachelschweinen hat man sich für Letzteres entschieden. Wie in der Augsburger Puppenkiste treten die Mächtigen als Marionetten auf. Und zwar im Elite-Kindergarten. Da können sie sich mal richtig austoben. Trump, Erdogan und Putin versuchen natürlich, sich beim Alphamännchen-Gehabe gegenseitig zu übertrumpfen. Angela Merkel indes als Stimme der Vernunft versagt kläglich. Sie hat einen Kinderwagen mit einem kleinen, süßen Emmanuel Macron darin entdeckt. Den will sie unbedingt haben. Und plötzlich scheren sie globale Kalamitäten nicht mehr.

Selten wurde die Lage der Weltpolitik so witzig und böse zugespitzt wie in dem knapp fünfminütigen Sketch. Nur einer von vielen gelungenen Spielszenen im neuen Programm „Stachelschweinereien“, das nun im Kabarett-Theater Stachelschweine Premiere feierte. Es ist die erste neue Produktion, nachdem der Künstlerische Leiter Michael Frowin die Traditionsbühne nach nur einem knappen Jahr wieder verlassen hat.

Alt bewährtes und neu ersonnenes

Nun setzt das Haus auf den bewährten Kabarettregisseur und -autor Klaus-Peter Grap, der den kurzweiligen Abend ersonnen und inszeniert hat. Die Produktion will nicht die Welt oder gar den Politbetrieb erklären, sondern unterhalten. Und zwar mit einem rasant aufspielenden jungen Ensemble mit gleich zwei neuen Gesichtern: Melanie Koschorz und Sebastian Fischer stehen erstmalig auf der Bühne der Stachelschweine. Henning Mayer kennt man bereits aus den vorangegangenen Programmen.

Das Trio nimmt gleich zu Beginn vorweg, dass es unzählige „Stachelschweinereien“ gibt. Man könnte sich quasi jeden Tag über steigende Mieten, den mit Steuergeldern gefütterten BER und die kaputte Infrastruktur aufregen. Statt die naheliegenden Probleme zu lösen, beschäftigt sich die Politik aber lieber mit sich selbst. Etwa beim Schlagabtausch zwischen einem rechtspopulistischen AfD-Politiker und einer Linken. Entlarvend ist, was sie eint. Sie misstrauen der Demokratie, was sie mit einem Handschlag besiegeln.

Die wandelbaren Schauspieler begeistern

Wandelbar geben sich die Drei bei einem denkwürdigen Bewerbungsmarathon: Die Berliner Polizei sucht Azubis. Und scheitert, weil sich ausnahmslos die Falschen vorstellen. Wie Abu, der Checker, der sich auch als Waffendealer anbietet, um die veraltete Ausrüstung aufzumotzen. Oder der aufrechte Deutsche, der sich als Neonazi entpuppt. Einzig eine Muslima mit Kopftuch hätte das Zeug zur Polizistin. Doch sie ist komplett überqualifiziert.

Die amüsante Bestandsaufnahme gibt Anlass zu vager Hoffnung. Hält die Produktion es doch mit dem Fußball-Strategen Stefan Effenberg. Der meinte bekanntlich: „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch.“